Berliner und Touristen haben an diesem Sonntag Gelegenheit, ausgiebig einzukaufen. Alle Berliner Läden dürfen von 13 bis 20 Uhr öffnen. Der Senat hat das Berliner Theatertreffen und das Gallery Weekend Berlin zum Anlass genommen, den Ladenbesitzern diese Sondererlaubnis zu erteilen. Auch viele Shoppingcenter nutzen die Gelegenheit.
Um Berlins wichtigste Einkaufsstraße, den Kurfürstendamm, gibt es nun eine neue Diskussion. Seit zwei Jahren werden die alten Kübel auf dem Mittelstreifen nicht mehr bepflanzt. Inzwischen nutzen sie viele nur noch als Mülleimer. Längst sollten attraktive Pflanzgefäße für mehr Flair auf dem Kurfürstendamm sorgen. Doch Interessenbekundungsverfahren und der studentische Kreativwettbewerb „Kudamm de luxe“ verliefen im Sand. Auch die neuen pflegeleichten Hochbeete mit Rasen auf dem Mittelstreifen, die das Bezirksamt anlegen will, lassen im oberen Bereich des Kudamms auf sich warten. Der Umbau ist zwar ausgeschrieben, aber noch immer liegt die Anordnung der Verkehrslenkung Berlin nicht vor.
Händler begrüßen Zwangsabgabe für Hausbesitzer
Jetzt hat sich auch die Interessengemeinschaft Kurfürstendamm in die Diskussion um die Verschönerung des rund 3,5 Kilometer langen Boulevards eingeschaltet. Sie begrüßt zwar das Ziel der geplanten Zwangsabgabe für Hausbesitzer, den Boulevard zu verschönern, – aber nur, wenn damit nicht automatisch eine aufgeblähte Verwaltung einhergehe. Generell kritisiert der Verein, die Händler und Geschäftsleute würden zu wenig einbezogen in die Planungen der Kommune. Dabei sollten und wollten sie sich doch beteiligen. „Die Ziele des Gesetzentwurfs von SPD und CDU im Abgeordnetenhaus zu den Standortgemeinschaften oder Business Improvement Districts sind ja nicht schlecht.
Aber gleichzeitig wird jede private Initiative ausgebremst“, sagt Michael Hoepfner, Fachanwalt für Steuerrecht und Schatzmeister des Vereins Kurfürstendamm. Es gebe etliche Geschäftsleute am Kurfürstendamm, die bereit seien, vor ihrer Tür hübsch bepflanzte Kübel aufzustellen. Der Vorsitzende des 2006 gegründeten Vereins, Peter-Michael Riedel, sagt aber auch, dass dies sofort das Ordnungsamt auf den Plan rufe. „Jeder Blumenkübel muss genehmigt werden. Und der Bezirk ist auch nicht gewillt, die Pflanzen zu pflegen oder dafür ehrenamtliche Lösungen zu organisieren.“
Riedel und seine Mitstreiter wie Vorstandsmitglied Bernhard Schütte, Chef von „Story of Berlin“ im Kudamm Karree, wollen die Eigeninitiative der Kaufleute stärken. Die Eigentümer der Immobilien seien ohnehin meist weit weg. Dabei solle bei den Verschönerungen auf der Straße kein Wildwuchs entstehen. Das Erscheinungsbild müsse einheitlich sein. „Das ist möglich, wenn das private Engagement ordentlich geregelt ist, damit jeder weiß, was er darf und was er nicht darf“, sagt Hoepfner.
Blumenpflege ist private Aufgabe
Vorwürfe, die Gewerbetreibenden würden bei der Grüngestaltung des Kurfürstendamms nicht mit ins Boot geholt, hatte auch die AG City mit ihren mehr als 300 Mitgliedern erhoben. Das Bezirksamt weist das zurück. Im März habe eine Informationsveranstaltung zum Umbau des Mittelstreifens stattgefunden, auf der Stadtrat Marc Schulte (SPD) die Konzeption vorgestellt habe. Wie berichtet, ist im Bereich zwischen Adenauerplatz und Halensee der Bau von 13 neuen Hochbeeten geplant. Die Einfassungen sollen aus Naturstein sein. Die nötigen Mittel in Höhe von rund 300.000 Euro stehen im Plätzeprogramm des Landes zur Verfügung.
Werner Meyer, Vorstandsmitglied bei Kurfürstendamm e. V., erhofft sich von künftigen Neugestaltungen „mehr Aufenthaltsqualität“. „Der Lehniner Platz gegenüber der Schaubühne ist ein toter Platz, der keine Freude bereitet. Eine Betonwüste“, sagt Meyer. Zu bedenken sei, dass die Hochbeete die beiden Seiten der Straße eher trennten als verbänden. Zumindest das sei auf dem Tauentzien besser gelöst worden.
Stadtrat Marc Schulte (SPD) hat das Grünflächenamt gebeten, höherwertige Bepflanzungsvarianten für die Hochbeete vorzuschlagen. Diese inklusive der Pflegekosten sollen den Händlern und Hauseigentümern vorgestellt werden. Denn klar ist: Das Bezirksamt wird nur die Grundausstattung bezahlen. Weiteres Geld, etwa für die Pflege der Blumen, müsse privat organisiert werden, so Schulte.





