Vor der Kommunalwahl in der DDR am 7. Mai hat der Leiter der Zentralen Wahlkommission Egon Krenz am 3. Mai 1989 das Wahlziel seiner Partei, der SED, klar formuliert: Erneut gelte es, eine „eindrucksvolle Wahlentscheidung“ herbeizuführen. Gleichzeitig wurde kolportiert, dass SED-Funktionäre im Ost-Berliner Bezirk Friedrichshain befürchten, bei der Wahl „nur eine 70-prozentige Zustimmung“ zu erhalten. Üblich waren bislang 99 Prozent.
Das „Neue Denken“ des sowjetischen Staats- und Parteichefs Michael Gorbatschow hat zu mehr Selbstbewusstsein in der Bevölkerung geführt. Deshalb wird mit Spannung erwartet, ob das sowjetische Vorbild auch den DDR-Bewohnern Mut macht, erstmals die Wahlkabine bei der Stimmabgabe zu benutzen, um ihrem Unmut über die Politik des Staates mit dem Streichen der Kandidaten der Nationalen Front Ausdruck zu verleihen.




