Brauchtum

Feiern zur Walpurgisnacht: Was steckt eigentlich dahinter?

In der Nacht tanzen sie wieder, die Hexen und Teufel. Nicht nur rund um den Brocken im Harz feiern jedes Jahr Tausende ein Volksfest.

Nach altem Volksglauben fliegen Hexen in der Nacht zum 1. Mai auf den Brocken (Blocksberg), um mit dem Teufel zu tanzen

Nach altem Volksglauben fliegen Hexen in der Nacht zum 1. Mai auf den Brocken (Blocksberg), um mit dem Teufel zu tanzen

Foto: Matthias Bein / dpa

In der Walpurgisnacht wird traditionell der Winter ausgetrieben. Mit Festen (Tanz in den Mai), Umzügen und mystischen Feuern wird der Frühling begrüßt. Der Gang zwischen zwei Walpurgis-Feuern soll reinigen und Krankheiten fernhalten. Im Harz wird die Walpurgisnacht seit Jahrhunderten gefeiert. Nach altem Volksglauben fliegen Hexen in der Nacht zum 1. Mai auf den Brocken (Blocksberg), um mit dem Teufel zu tanzen.

Auch anderes Brauchtum ist mit dieser Nacht verbunden: Hunderte Hexenfeuer lodern in der sorbischen Oberlausitz – und begrüßen den Frühling.

Im Rheinland stellen junge Männer am Haus ihrer Angebetenen bunt verzierte Birkenstämme als Maibäume auf. In vielen Regionen Deutschlands werden außerdem riesige Maibäume auf Markt- und Dorfplätzen errichtet.

Ihre Wurzel hat die Walpurgisnacht in heidnischen Frühjahrsbräuchen, bei denen die Ankunft des Frühlings mit nächtlichen Freudenfeuern gefeiert wurde. Nach altem Volksglauben vertreiben in dieser Nacht die germanischen Götter Wotan und Freya die Winter-Dämonen und zeugen den Frühling. Hexen reiten auf Besen, Mistgabeln, Schweinen oder Böcken zum Hexensabbat.

Ursprünglich nichts mit Hexen zu tun

Die Volkskundler des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sind sich allerdings sicher, dass die Walpurgisnacht ursprünglich nichts mit Hexen zu tun hatte. Nach ihren Recherchen wurde der 1. Mai seit dem 8. Jahrhundert als Tag der Waffenschau der Wehrfähigen begangen, sagt der Volkskundler Alois Döring. Mit diesem Musterungstermin könnte das Recht zusammenhängen, vor dem Eintritt in den Militärdienst noch einmal ausgiebig „über die Stränge zu schlagen“.

Fest steht, dass die Nacht zum 1. Mai zwar ihren Namen von der heiligen Walburga bekam, sonst aber nichts mit ihr zu tun hat. Die aus England stammende und 779 oder 780 gestorbene Äbtissin Walburga, deren Gebeine in Eichstätt bestattet sind, wurde angeblich durch Papst Hadrian II. (867 bis 872) heiliggesprochen. Erst der Gedenktag der Übertragung ihrer Gebeine am 1. Mai stellte die Verbindung zum Hexenbrauchtum her. Walburga gilt auch als Patronin für das Gedeihen der Feldfrüchte; sie wird gegen Hungersnot und Missernte, Hundebiss, Tollwut, Pest, Seuchen, Husten, Augenleiden und Sturm angerufen.

Richtig populär wurde die Walpurgisnacht durch Goethes „Faust“. Darin überredet Mephisto Faust, an einer Hexenfeier teilzunehmen. „Dort strömt die Menge zu dem Bösen; da muss sich manches Rätsel lösen“, hofft der verzweifelte Forscher. Tatsächlich war die vermeintliche Teilnahme an solch einem „Hexensabbat“ ein Hauptanklagepunkt bei zahlreichen Hexenprozessen der frühen Neuzeit. Nach heutigen Schätzungen fielen dem Hexenwahn bis zu 60.000 Frauen, Männer, sogar Kinder zum Opfer, fast die Hälfte davon in Deutschland. Heute gibt es mancherorts Initiativen, die Opfer zu rehabilitieren.

Mehr zum Thema:

Was, wann, wo - Das Myfest 2017 in Berlin

Hier tanzt Berlin am Wochenende in den Mai

1. Mai: Linksautonome dürfen ohne Anmeldung durch Kreuzberg ziehen