In diesen Tagen feiern vier der Partnerschaften Jubiläum: Im April und Mai vor zwanzig Jahren verband sich Berlin mit Peking, Jakarta, Tokio und Buenos Aires. Welche Städte Partner werden, entscheidet der Regierende Bürgermeister, das Abgeordnetenhaus wird informiert.
Die aktivste Partnerschaft hat Berlin mit Peking, sagt Gerd Kronmüller, der in der Berliner Senatskanzlei das Referat Städteverbindungen leitet. „Die Pekinger Stadtregierung hat großes Interesse an einem Austausch mit Berlin und ist bereit, Geld auszugeben.“ Bei den Themen Stadtmanagement, Infrastruktur und Verwaltung habe die chinesische Hauptstadt großes Interesse an Fortbildungen, Besuchen, Austauschprogrammen. „Aber auch mit Moskau und Paris gibt es eine sehr aktive Verbindung.“ Nur die Urkunde im Schrank haben zu wollen, reiche nicht aus. „Eine gute Städtepartnerschaft zeichnet sich durch echtes gegenseitiges Interesse aus.“
Wie es läuft zwischen Berlin und seinen Partnern, zeigen wir an drei Beispielen: Los Angeles ist die erste Partnerstadt. Mit Moskau verbindet Berlin eine intensive, aber nicht einfache Zusammenarbeit. Und Windhuk, einziger afrikanischer Partner, ist die kleinste Schwesterstadt.
Los Angeles: „Ich war überwältigt von der Schönheit der Stadt“
Es gibt Tage, an denen vermisst Annette Rupp Los Angeles: Wenn der Himmel grau und schwer über Berlin hängt und der Wind kalt durch die Straßen fährt. „So sieht der Himmel über Kalifornien wirklich aus“, sagt sie und zeigt eine Postkarte, auf der unter dem intensiven Blau eine weiße Villa leuchtet. Die Villa Aurora ist ein Sehnsuchtsort – in dem jährlich für zwölf Stipendiaten der Traum vom Leben und Arbeiten direkt am Pazifik wahr wird.
Annette Rupp hat daran entscheidenden Anteil. Sie leitet das Villa-Aurora-Forum Berlin, das den deutsch-amerikanischen Kulturaustausch fördert und mithilfe von Expertenjurys die zwölf Künstler auswählt, die mit einem Stipendium für drei Monate an die US-Westküste ziehen. Schriftsteller, bildende Künstler, Komponisten und Filmschaffende leben in dem ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers Lion Feuchtwanger und seiner Frau Marta. In der Künstlerresidenz können sie in Ruhe arbeiten – oder sich in Los Angeles neu vernetzen: „Das Ziel ist, die Stipendiaten, so weit sie es wünschen, in das künstlerische Leben in Los Angeles zu integrieren“, sagt Annette Rupp.
Die 49-Jährige selbst kennt sich in der Kulturszene der kalifornischen Metropole gut aus, seit sie von 2009 an für zweieinhalb Jahre das dortige Goethe-Institut leitete. Ihr erster Besuch liegt länger zurück: Anfang der 90er-Jahre hatten Freunde sie nach Hollywood eingeladen. „Ich war überwältigt von der Schönheit der Stadt“, sagt sie, „das ist bis heute so geblieben.“ Weltoffen, freundlich, vielfältig sei Los Angeles. Und deshalb ein guter Partner für Berlin: „Beide Städte sind Kulturmetropolen, in beiden Städten gibt es herausragende Universitäten, beide Städte verändern sich kontinuierlich.“
Dass Los Angeles Berlins erste Partnerstadt wurde, hatte aber andere Gründe: Berliner Exilanten, vor allem Filmschaffende, die vor dem Nationalsozialismus in die USA geflohen waren, wollten den Kontakt zur Heimat intensivieren. 1967 unterschrieben Berlins Regierender Bürgermeister Heinrich Albertz und der Bürgermeister von Los Angeles die Vereinbarung, die seither in Austauschprogrammen, Besuchen, Projekten mit Leben gefüllt wird. Museen planen Ausstellungen in beiden Städten, Wirtschaft und Wissenschaft treffen sich bei Tagungen, die Checkpoint Charlie Stiftung in Berlin und das Sister City Committee in L.A. organisieren gemeinsame Veranstaltungen.
Das Interesse sei gegenseitig, versichert Annette Rupp: „Veranstaltungen in der Villa Aurora oder beim Goethe-Instiut, die sich mit Berlin beschäftigen, sind immer gut besucht. Und die Los Angelinos kommen gern nach Berlin. Das Nachtleben ist hier abwechslungsreicher, das genießen sie. Ebenso wie den öffentlichen Nahverkehr: In Los Angeles fährt man immer Auto – und steht im Stau.“ Aber das wenigstens unter kalifornischem Himmelsblau.
Moskau: „Kunst und Kultur verbinden die Länder am besten"
Kunst und Kultur, das sind für Anna Leonenko Lebenselixiere. Nicht nur, weil sie beruflich viel damit zu tun hat. „Neben Liebe und Freundschaft schaffen es Kunst und Kultur am besten, zwei Länder zu verbinden“, sagt die 44-jährige Moskauerin. Dadurch entstehe auf beiden Seiten mehr Interesse füreinander und Akzeptanz. „Vielleicht ist die Kunst gerade jetzt in politisch schwierigen Zeiten besonders wichtig“, sagt sie. Die dynamische PR-Frau und selbstständige Eventmanagerin lebt seit zehn Jahren in Berlin und ist sowohl beruflich als auch privat für den Kulturaustausch im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau aktiv. Sie organisiert die von Russland offiziell geförderte Russische Filmwoche mit, organisierte für Berlin Partner 2008 und 2011 die PR-Kampagne für den Standort Berlin und koordinierte für Kulturprojekte Berlin 2011 das Kulturprogramm der Berliner Tage in Moskau und der Moskauer Tage in Berlin. Sie kennt sich aus in der Kunstszene beider Städte und ist Ansprechpartnerin für die Senatskanzlei in diesem Bereich.
Die Städtepartnerschaft Berlin-Moskau wurde 1991 mit dem Abkommen über Freundschaft und Zusammenarbeit der beiden Städte besiegelt und ist eine der vielseitigsten Partnerschaften Berlins. Moskau war am Aufbau einer modernen Verwaltung interessiert, Berlin sah im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich Entwicklungsperspektiven. Auf fachlicher Ebene gibt es einen jahrelangen Austausch. Denkmalschutz, Stadtentwicklung und Notarkammern pflegen Kooperationen, die jeweiligen Industrie- und Handelskammern haben ihre Vertretungen in der Partnerstadt. Darüber hinaus gibt es einen Jugend-, Schüler- und Lehrlingsaustausch, jährliche Jugendsportspiele und natürlich die Kultur. Außerdem sind zahlreiche Vereine und private Initiativen aktiv.
Auf offizieller Ebene geraten die Aktivitäten zurzeit jedoch ins Stocken. Im Dezember 2013 wollten die Partner einen gemeinsamen Plan für die nächsten drei Jahre vorstellen, konkret wurde es aber nicht, sagt Ute Einsporn von der Senatskanzlei. „Wir warten immer noch auf Antwort auf unsere Vorschläge.“ Der neue Moskauer Bürgermeister sei weniger an Städtepartnerschaften interessiert als sein Vorgänger. Außerdem bremse die aktuelle politische Situation.
Im Mai 2015 plant Moskau jedoch wieder Moskauer Tage in Berlin. Dafür erarbeitet Anna Leonenko zurzeit ein Konzept. „Moskau soll sich dann mit seiner modernen Theaterszene vorstellen“, sagt sie. Ehrenamtlich engagiert sie sich zurzeit für ein anderes, nicht offiziell gefördertes Projekt mit dem Kunstlabor „Der Mensch“. Es vereint Künstler verschiedenster Sparten von Film bis bildender Kunst. Sie kommen aus Moskau, Kasachstan, Berlin und der Ukraine und widmen sich für zwei Wochen gemeinsam einem Thema. Am 25. Mai soll ihre Arbeit im Panda Theater in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg vorgestellt werden.
Windhuk: „Namibia ist meine zweite Heimat geworden“
In Ulrich Zellers Büro an der Humboldt-Universität geht es praktisch zu, in seiner bequemen beigen Hose, dem kurzärmeligen Hemd und Weste sieht er aus, als könnte er gleich wieder in den Flieger nach Windhuk steigen. Das hat der Professor in den vergangenen 15 Jahren oft getan. Seine Fakultät hat gemeinsam mit der Universität Namibia (UNAM) einen Masterstudiengang Biodiversity Research Management entwickelt und erfolgreich aufgebaut. Es geht um Naturschutz, Nachhaltigkeit, Landnutzung, Schutzgebiete, Ökotourismus. „Die Absolventen sind alle in gute Positionen aufgerückt“, sagt Zeller. Künftig wird der Studiengang allein von der UNAM weitergeführt.
Zeller will sich um die nächste Stufe kümmern und ein Promotionsstudium aufbauen. Streng genommen ist sein Projekt nicht im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Windhuk entstanden, es wurde als Entwicklungshilfeprojekt finanziert und steht für nachhaltige Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich. Dass seine Forschung und der Austausch namibischer Studenten und Dozenten mit Kollegen aus Berlin auch als Teil der Städtepartnerschaft betrachtet werden, stört den Zoologen jedoch nicht. Immerhin ist der 57-Jährige seit Jahren aktives Mitglied der Deutsch-Namibischen Gesellschaft, die sich redlich müht, die nach knapp 13 Jahren etwas erlahmte Partnerschaft mit kulturellem Austausch am Leben zu erhalten.
Die Städtepartnerschaft Berlin-Windhuk wurde im Juli 2000 geschlossen, weil das Abgeordnetenhaus wollte, dass Berlin seine internationalen Kontakte auch nach Afrika ausdehnt. Wegen der geschichtlichen Verflechtungen aus der deutschen Kolonialzeit im Südwesten Afrikas wurde Windhuk als Partnerstadt ausgewählt. Nach anfänglichem Elan und einer ganzen Reihe von teilweise geförderten Veranstaltungen im künstlerischen Bereich, passiert zurzeit nicht mehr viel. Aktive der ersten Stunde zogen sich zurück, die etwa 100 in Berlin-Brandenburg aktiven Mitglieder der Deutsch-Namibischen Gesellschaft e.V. (DNG) beklagen fehlende Unterstützung. Was funktioniert, sind ein Dutzend Schulpartnerschaften und kleinere Projekte, meist aus Privatinitiativen, sagt der DNG-Vorsitzende Jürgen Becker. In diesem Jahr hat er immerhin noch zwei Filmabende, zwei Vorträge und eine Ausstellung in Berlin auf die Beine gestellt. Für einen A-cappella-Chor sucht er für Juli noch eine Bühne – dann ist Pause bis zum Markt der Kontinente im Ethnologischen Museum im Dezember.
Becker ist froh über Unterstützer wie Ulrich Zeller. Für den Professor war das Universitätsprojekt in Windhuk mehr als ein Job. „Durch die vielen Lehraufenthalte dort ist Namibia eine zweite Heimat geworden“, sagt er. Er hat das Land bereist und auch private Kontakte geknüpft, andere Arbeits- und Lebensweisen kennengelernt. Um diese Dinge gehe es doch in einer Partnerschaft.




