Die Eltern der Carl-Orff-Grundschule in Berlin-Schmargendorf sind wütend. Erst vor fünf Jahren haben sie wegen der steigenden Schülerzahlen ein zusätzliches Horthaus vom Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bekommen, jetzt soll es ihnen wieder weggenommen werden, obwohl die Zahl der Schüler weiter steigt.

Die 70 der insgesamt 270 Hortkinder, die bisher ihre Nachmittage in dem Haus verbringen, sollen künftig im Schulhaus betreut werden. Laut Bezirksverwaltung gebe es dort genügend Räume. Statt der Kinder sollen künftig Mitarbeiter des Rathauses Wilmersdorf in das Hort-Gebäude einziehen, denn das Rathaus soll geschlossen werden, um Kosten zu sparen.

Für Mark Schmiechen, Elternvertreter an der Schule, ist die Entscheidung des Bezirksamtes nicht nachvollziehbar. „Es kann nicht sein, dass man uns erst mehr Platz zugesteht und extra für 78.000 Euro ein Gebäude umbaut und nun befindet, dass das alles gar nicht nötig war“, sagt der Vater. In der Schule würden alle Räume als Unterrichtsräume genutzt, schon jetzt gebe es zu wenig Fachräume.

Im Gegenteil: Die Schule nutze vormittags sogar das Horthaus teilweise für den Unterricht, weil es im Haupthaus an Räumen fehle. Erst im vergangenen Jahr habe die Schule eine zusätzliche erste Klasse aufnehmen müssen. Die Eltern wollen die Entscheidung nicht hinnehmen. „Bisher hat uns niemand erklärt, wo die Räume in der Schule herkommen sollen“, sagt Schmiechen.

Bezirk steht unter Druck

Sabine Erdmann, Leiterin des Hortes, der vom Nachbarschaftsheim Schöneberg betrieben wird, kann sich den Umzug praktisch nicht vorstellen. „Wir haben Kicker, Billardtische und Puppenhäuser. Dafür gibt es in den Unterrichtsräumen keinen Platz“, sagt sie. Die Schule platze aus allen Nähten, daher sei es unmöglich, eine Etage für den Hortbereich abzutreten. Alles andere sei jedoch personell nicht abzudecken. „Wir können nicht auf verschiedenen Etagen Angebote machen, wenn wir für 70 Kinder nur zwei bis drei Erzieher zur Verfügung haben“, sagt Sabine Erdmann.

Elfi Jantzen (Grüne), Bildungsstadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf, versteht zwar den Ärger der Eltern. Doch laut Richtlinien der Verwaltung gebe es auch ohne das zusätzliche Horthaus genügend Platz in der Schule. Doch das wollen die Eltern nicht glauben.

Tatsächlich stimme das Raumprogramm häufig nur auf dem Papier, sagt auch Martin Hoyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, Dachverband der freien Träger. Man könne nicht gleichzeitig Räume unter dem Dach und im Keller dazu zählen. Das sei personell gar nicht machbar. Zudem gebe es in den Fachräumen auch häufig bis in den Nachmittag hinein Unterricht.

Auch in Steglitz-Zehlendorf müssen viele Hort-Kinder enger zusammenrücken. „Vor allem um die Mittagszeit stapeln sich die Kinder fast in den Räumen, denn die Schulen müssen ja alle Kinder bis 13.30 Uhr betreuen“, sagt Birgitt Unteutsch, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses Steglitz-Zehlendorf. Das habe man offenbar bei der Einrichtung der offenen Ganztagsschulen nicht ausreichend bedacht.

Erweiterung des Hort-Anspruchs verschärft Situation

Die Vorsitzende des Grundschulverbandes, Inge Hirschmann, fordert neue Standards für die Nachmittagsbetreuung. Das Musterraumprogramm der Verwaltung sei mehr als ungeeignet und falle weit hinter dem zurück, was den Hortkindern früher zugestanden worden sei, als sie noch in den Kitas untergebracht waren. Laut Vorschrift gab es damals für den Hortbereich drei Quadratmeter je Kind. Eine solche Vorgabe gebe es in den Schulen nicht mehr. Lediglich ein Hortraum pro Klassenzug sei vorgesehen. Dabei müsse es im Hort auch Ruheräume oder Bewegungsmöglichkeiten geben. Auch die vorgesehenen 45 Quadratmeter für einen Gruppenraum mit 22 Kindern seien zu wenig. Früher waren nur 16 Kinder in einer Hortgruppe.

Verschärft hat sich die Situation dadurch, dass seit 2012 auch Kinder der fünften und sechsten Klassen einen Anspruch auf einen Hortplatz haben. Der Senat hatte damit eine Forderung eines Volksbegehrens, das durch Eltern initiiert war, umgesetzt. Die Eltern hatten jedoch gleichzeitig gefordert, zu den kleineren Gruppen von 16 Kinder zurückzukehren. Damit konnten sie sich jedoch nicht durchsetzen.

Die Eltern der Carl-Orff-Schule wollen weiter kämpfen. „Wir fordern, dass sich die Bildungsstadträtin den Schulbetrieb vor Ort ansieht. Es reicht nicht, die Raumsituation nach den Grundrissen zu beurteilen“, sagt Schmiechen. Für den kommenden Dienstag haben die Eltern erreicht, dass sich die Abgeordneten des Schulausschusses in der Bezirksverordnetenversammlung ein Bild von der Schule machen. Der Bezirk steht unter Druck. Bis Ende 2014 müssen alle Mitarbeiter des Rathauses Wilmersdorf in anderen Gebäuden untergebracht sein.