Nun musste doch alles ganz schnell gehen. Zwar hatte Walter Potts, Besitzer des „White Trash“ schon vor über einem Jahr angekündigt, den Prenzlauer Berg verlassen zu wollen – und zwar so schnell wie möglich – und die Türen in einem anderen Bezirk wieder zu öffnen, doch die deutsche Bürokratie lässt auch einen Cowboy gegen Wände rennen.
Doch jetzt ist es geschafft. Am Donnerstag Abend lud das „White Trash Food“, wie es mit vollem Namen heißt, zum letzten mal zu Burger und Rock in die Schönhauser Allee. Anders als gewohnt sollte die Party im Restaurant stattfinden, der Tanzkeller war bereits ausgeräumt. Noch in der Nacht sollte das Mobiliar dann nach Treptow gebracht werden, „schließlich muss am Abend wieder aufgetischt werden“, sagt Sandra Schuster, Sprecherin des White Trash.
Auf die Frage nach einem Gespräch mit Potts über den Umzug muss sie lachen. Seit Tagen habe sie ihren Chef nicht mehr richtig zu Gesicht bekommen. Es herrscht ein bisschen Chaos. Denn während an der Schönhauser Allee die Tür noch nicht ganz ins Schloss gefallen ist, wird sie andernorts wieder aufgestoßen. In Treptow am Flutgraben 2, zwischen dem Club der Visionäre, Badeschiff und Arena, wo an Wochenenden Touristenströme hinpilgern, auf der Suche nach den Nächten ihres Lebens.
White Trash: Wilde Mischung aus Irish Pub und Wild West Saloon
Walter Potts will sich verändern, nach neuen Wegen suchen und befand Kreuzberg, genau genommen ja Treptow, als den geeigneten Ort dafür. Nur waren es im seit heute nun alten White Trash irgendwann auch die Touristen, die dem Laden in der Schönhauser Allee seinen schäbig-charmanten Rockabily-Charme ein wenig nahmen, spätestens seit es seinen Platz im Lonely Planet Reiseführer gefunden hatte.
Walter Potts kam kurz nach dem Mauerfall aus Los Angeles nach Berlin und eröffnete in den 90er-Jahren die „Soup Kitchen“, einen Treffpunkt für Musiker, Tätowierer und Künstler. Ohne richtiges Konzept, doch die Elemente sind bis heute gleich geblieben: Gutes Essen und ein Ort, an dem sich Menschen verschiedenster Nationalitäten und Lebensentwürfe treffen.
Einige Jahre später folgte der Umzug in die Torstraße in ein ehemaliges asiatisches Restaurant. Ein großer Teil der Dekoration am Prenzlauer Berg stammt aus dieser Zeit: die goldenen Löwen im Eingangsbereich, die chinesischen Lampen über den kleinen Tischen im Restaurantbereich. In dem neuen Laden in der Torstraße entstand auch der Name White Trash, der aus dem Englischen stammt und so viel heißt wie weißer Abschaum.
Neuer Standort: Am Flutgraben in Alt-Treptow
So wird bis heute die weiße Unterschicht in den USA bezeichnet. Nach einigen Jahren kam der Umzug an die Schönhauser Allee. Dort wurde es zu einer Institution. Die wilde Mischung aus Irish Pub, Wild West Saloon mit asiatischer Dekoration. Die Bedienungen sprachen Englisch, es gab Burger und Steaks. Ein Stockwerk tiefer wurden die Nächte durchgefeiert. Nicht selten ging ein Gast mit Bierdurst hinein und kam in den frühen Morgenstunden mit einem Tattoo aus dem hauseigenen Studio heraus. Auch Showgrößen wie Madonna und Mick Jagger ließen sich blicken. Anfang Februar trat Pete Doherty mit seiner Band Babyshambles auf. Nach einer Stunde musste das Konzert unterbrochen werden, weil die Gäste die Bühne stürmten.
Am Flutgraben wird es in Zukunft auch einen Bereich im Freien geben – mit einem apokalyptischen Zen-Biergarten. Bisher fanden nur einige kleine Holztische Platz auf dem Bürgersteig, die Gäste drängten sich oft bis auf die Straße. Ansonsten soll im neuen White Trash alles bleiben wie bisher: Burger, Rock und Tatoos. Auch die altbekannte Deko wird mitziehen.
Opening Night, Am Flutgraben 2 in Alt-Treptow, Freitag ab 20 Uhr




