ZOB

Berlins Busbahnhof bekommt eine Schönheitskur

Der Zentrale Omnibus-Bahnhof in Charlottenburg sollte eigentlich verlegt werden. Doch jetzt bleibt er an gewohnter Stelle und wird für 3,2 Millionen Euro saniert. Außerdem soll er größer werden.

Foto: JÖRG KRAUTHÖFER

Orangerote, abgenutzte Sitzreihen in einer kargen Wartehalle, im 60er-Jahre Stil geflieste Toiletten, schmutzige Holzbänke in der grauen Haltebucht. Es ist nicht zu übersehen: Berlins Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) in Charlottenburg ist in die Jahre gekommen. Nach langer Vernachlässigung will der Eigentümer, das Land Berlin, nun jedoch in die Modernisierung und Erweiterung der fast 50 Jahre alten Fernbus-Station direkt neben dem Messegelände am Funkturm investieren. 3,2 Millionen Euro hat der Senat im gerade beschlossenen Doppelhaushalt zunächst für 2014 und 2015 dafür eingestellt. Bereits in diesem Jahr soll mit der Planung der Arbeiten begonnen werden, bestätigte Petra Rohland, Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Zugleich wird die Suche nach einem geeigneten Standort für einen weiteren Omnibusbahnhof in der Stadt eingestellt. Im Gespräch dafür waren bereits Areale am Rand des ehemaligen Flughafens Tempelhof sowie der Platz vor dem Ostbahnhof in Friedrichshain. Ausschlaggebend dürften dafür vor allem Kostengründe sein. Denn ein moderner ZOB-Neubau würde nach früheren Kalkulationen bis zu 50 Millionen Euro kosten. Die „schrittweise Ertüchtigung“ des ZOB bis 2016, wie sie jetzt vom Senat beschlossen ist, fällt hingegen deutlich preisgünstiger aus. Laut Senatsverkehrsverwaltung sind nun Ausgaben von 1,2 Millionen Euro im kommenden Jahr und weitere zwei Millionen Euro im Jahr 2015 eingeplant.

Nach Ansicht vieler Busunternehmer, aber auch vieler Fahrgäste sind die Modernisierung und vor allem der Ausbau des ZOB mehr als überfällig. „Ein bisschen mehr Sauberkeit wäre nicht schlecht“, sagt Clara (16) aus Rostock. Mit ihren zwei Freundinnen Emily und Linda hat die Schülerin eine Woche in Berlin Urlaub gemacht. „Wir finden es angenehmer, mit dem Zug zu reisen, aber Busfahren ist eben günstiger“, sagen sie. Für die Hin- und Rückfahrt aus Rostock haben die Schülerinnen 22 Euro bezahlt. Dieselbe Strecke mit dem Zug koste mindestens das Doppelte.

Reisende nutzen aus Kostengründen den Bus

Aus diesem Grund steigen viele Reisende in den Bus. Schon seit Jahren arbeitet die inzwischen von der BVG-Tochter Internationale Omnibusbahnhof Betreibergesellschaft mbH (IOB) betriebene Einrichtung am Limit. Bei der Eröffnung im Mai 1966 für nur ein paar Tausend Fahrten geplant, sind im vergangenen Jahr am ZOB etwa 63.000 Busse angekommen oder abgefahren. Die haben zusammen mehr als 3,2 Millionen Fahrgäste befördert. Zum Vergleich: Am Flughafen Tegel wurden im Vorjahr rund 18 Millionen Passagiere abgefertigt.

Insbesondere bei großen Veranstaltungen und Messen ist die direkt am Messegelände gelegene Anlage am Rande ihrer Kapazität. Weil es an Platz mangelt, gibt es inzwischen mehrere Abfahrtstellen, in die die Busse nur noch rückwärts einfahren können. Die Manöver sind für die Busfahrer zeitraubend und nicht immer ganz ungefährlich.

Busbahnhof soll 49 statt jetzt 35 Haltestellen bekommen

Laut Senatsverwaltung sollen diese Zufahrten in einem ersten Schritt „optimiert und verkehrssicherer gemacht“ werden. Geplant ist zudem eine Modernisierung der Fahrtziel-Anzeigen, der Beleuchtung und der Abfertigungsgebäude. In einem zweiten Schritt ist eine spürbare Kapazitätserweiterung geplant. Statt 35 soll es dann 49 Haltestellen geben. Für die zusätzlichen Abfahrtsbereiche wird allerdings zusätzlicher Platz benötigt. Dafür werden laut Rohland wohl Parkplätze für Pkws und auch Grünanlagen im Umfeld des Busbahnhofs wegfallen. Insgesamt soll sich die Abfertigungsleistung des ZOB auf 83.000 An- und Abfahrten von Bussen erhöhen.

Das ist auch dringend nötig. Denn mit der Liberalisierung des Marktes zu Jahresbeginn boomt der Fernbusverkehr in Deutschland. Die Anbieter profitieren davon, dass ihre Angebote oft deutlich preisgünstiger sind als die der Deutschen Bahn. So kostet etwa eine Fahrt im Normaltarif von Berlin nach Dresden mit dem Zug mindestens 39 Euro (mit ICE-Nutzung sogar 63 Euro), mit einem BerlinerLinienBus (BLB) dagegen nur 19 Euro. Die Fahrzeit des Omnibusses ist dabei mit zweieinhalb Stunden kaum länger als die der Bahn, die im günstigsten Fall zwei Stunden und sechs Minuten unterwegs ist.

„Die Steigerungsraten sind derzeit enorm“

Gregor Hintz, Sprecher von der MFB MeinFernbus GmbH, bestätigt den Trend: „Die Steigerungsraten sind derzeit enorm.“ Erst im April 2012 mit nur einer Verbindung gestartet, betreibt das in Berlin-Friedrichshain ansässige Unternehmen inzwischen bundesweit 25 Linien mit 85 Bussen. Busfahrten von und nach Berlin seien bei den Reisenden besonders gefragt. „Berlin ist die Stadt in Deutschland, die mit am stärksten zieht“, so Hintz. Am 3. Juli wird eine neue Verbindung zwischen der deutschen Hauptstadt und Stuttgart eröffnet.

Platzhirsch in der Bundeshauptstadt ist jedoch weiterhin der BerlinerLinienBus (BLB). Der Bus-Verbund, der aufgrund des Sonderstatus von West-Berlin bereits vor dem Mauerfall in großem Umfang Fernbusverbindungen anbot, hat von Berlin aus derzeit 150 nationale und knapp 100 internationale Zielorte im Fahrplan. Allerdings kommen auch neue Anbieter hinzu. So bereitet etwa die Deutsche Post in einer Allianz mit dem ADAC den Einstieg in den Markt vor. Geplant sind ab 1. November Verbindungen von Berlin aus nach Hamburg, Bremen, Leipzig, Dresden sowie nach Köln. „Der ZOB in Berlin wird ein wichtiger Knoten in unserem Netz sein“, sagte Post-Sprecher Rolf Schulz.


Kunden sind mit dem ZOB meist zufrieden

Trotz seines antik anmutenden Charmes sind die meisten Bus-Unternehmen mit dem ZOB durchaus zufrieden. „Der Bahnhof liegt gleich an der Autobahn und kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreicht werden“, sagt MeinFernbus-Sprecher Gregor Hintz. Ebenso zufrieden mit der „verkehrlichen Performance“ des ZOB ist auch Jörg Sipli, Marketing-Chef der Bahn-Bustochter Bayern Express & P. Kühn Berlin GmbH (BEX). „Top“ findet die Lage auch Busfahrer Uwe Jähn von der Firma „Wörlitz Tourist“, weil man von dort schnell auf die Autobahn komme. „Aber für Passagiere ist sie schlecht. Hier ist ringsum nichts.“

Deswegen würden sich die zwei Dänen Maja und Maria auch nicht trauen, nachts beim ZOB zu warten. „Der Bahnhof wirkt so verlassen. Man fühlt sich komplett isoliert“, meint Maria (23). „Ich würde mich hier im Dunkeln sehr unwohl fühlen“. Auch die Freundinnen haben soeben in Berlin Urlaub gemacht. Die Busfahrt zurück in ihre Heimatstadt, Kopenhagen, dauert ohne Stau siebeneinhalb Stunden. Allerdings werden sie hungrig in den Bus steigen – der Schnellimbiss am ZOB ist ihnen nicht ganz geheuer. Doch auch das soll sich mit dem Umbau ändern.