Sylvio Krüger, Inhaber des Szenetreffs „Mauersegler“ am Mauerpark in Prenzlauer Berg, freut sich auf die Fußball-WM in Brasilien und vor allem auf ein gutes Geschäft. „Wir wollen alle Spiele zeigen“, sagt er. Im „Mauersegler“ hat Public Viewing unter freiem Himmel Tradition. „Wir haben unseren Biergarten in der Saison stets bis 2 Uhr nachts geöffnet. Ich rechne nicht mit Problemen mit den Behörden oder den Anwohnern, da wir ziemlich geschützt liegen“, sagte Krüger der Berliner Morgenpost.
Doch er könnte sich irren: Gastronomen und andere Veranstalter, die TV-Übertragungen von Spielen zu später Stunde unter freiem Himmel zeigen wollen, können zwar mit großer Wahrscheinlichkeit eine Genehmigung erwarten. Mehrere Bezirke haben bereits angekündigt, entsprechende Anträge „wohlwollend“ zu prüfen. Doch das gilt für Spiele, die spätestens um 22 Uhr angepfiffen werden.
Eine Freiluftübertragung von Spielen, die erst um Mitternacht oder später beginnen, werde es in aller Regel nicht geben, sagten Stadträte übereinstimmend. Ausnahmegenehmigungen sind nach dem Landes-Immissionsschutzgesetz notwendig, weil Lärm nach 22 Uhr die Nachtruhe einschränkt.
„Regelmäßig nicht genehmigen“
Damit die Bezirke bei den Genehmigungen einheitlich verfahren, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt ein Rundschreiben mit Empfehlungen verschickt. Danach sollen öffentliche Fernsehübertragungen für Spiele „möglich sein“, die spätestens um 22 Uhr beginnen. Übertragungen von Spielen, die um Mitternacht oder danach beginnen, sollen allerdings „regelmäßig nicht genehmigt werden“, heißt es dort.
Jede Genehmigung solle einzeln geprüft werden, dabei würden die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt. Eine weitere Empfehlung besagt: „Von Sonntag bis Freitag sollen nächtliche Erholungsphasen dadurch sichergestellt werden, dass am nachfolgenden Tag keine weitere Übertragung zur Nachtzeit genehmigt wird. Ausnahmen sollen für die Halbfinals und das Finale gelten.“
Das Umwelt- und Naturschutzamt Tempelhof-Schöneberg werde sich den Empfehlungen der Senatsverwaltung anschließen, sagte Oliver Schworck (SPD), Stadtrat für Ordnung und Bürgerdienste, vor Bezirksverordneten. Noch lägen dem Amt allerdings keine Anträge vor. Aufgrund der Zeitverschiebung ist Deutschland dem WM-Austragungsland Brasilien um fünf Stunden voraus. 18 der 64 Begegnungen zwischen dem 12. Juni und dem 13. Juli, darunter auch das WM-Eröffnungsspiel und die Halbfinalbegegnungen, werden um 17 Uhr Ortszeit, also um 22 Uhr deutscher Zeit angepfiffen. Elf Spiele beginnen erst um Mitternacht oder später.
„Die Gewährleistung der Nachtruhe ist daher problematisch“, so Schworck. Die Gastronomen hätten eine große Chance auf eine Genehmigung für 22-Uhr-Spiele, wenn die örtlichen Gegebenheiten dem nicht widersprechen, sagte der Stadtrat. „Wenn die Lautsprecher direkt neben dem Schlafzimmer des Nachbarn stehen, wird es natürlich schwer“, schränkte er ein. Das Umweltamt werde keine Ortsbegehungen machen, sondern nach Aktenlage prüfen. Gebe es für das Lokal bereits Auflagen für den Ausschank im Freien, fließe das in die Entscheidung ein. Auch für den von der Senatsverwaltung empfohlenen Pausentag könne es beim Halbfinale oder Finale Ausnahmen geben.
Rücksicht auf Nachbarn
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will ähnlich großzügig verfahren: „Wir freuen uns auf tolle Fußballspiele. Und natürlich soll es möglich sein, diese auch gemeinsam beim Public Viewing zu sehen“, sagte Umweltstadtrat Hans Panhoff (Grüne) der Berliner Morgenpost. Die Rücksicht auf Nachbarn solle aber gewährleistet sein. Man werde sich jeden Einzelfall genau ansehen, bestätigte Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach.
Die Open-Air-Übertragung von Spielen, die erst um Mitternacht oder um drei Uhr nachts beginnen, werde in aller Regel nicht genehmigt. Bei den elf betroffenen Partien handelt es sich ausschließlich um Vorrundenspiele, Spitzenbegegnungen sind nicht darunter. In der Gruppe, in der auch die deutsche Elf spielt, geht es um zwei Spiele, allerdings ohne deutsche Beteiligung.
Auch andere Berliner Gastronomen bereiten sich auf die Weltmeisterschaft vor: „Wir haben vor, auch die Spiele ab 22 Uhr zu zeigen. Die ganz späten Übertragungen ab Mitternacht aber nicht“, sagt Helmut Kurschat, Inhaber des „Brauhaus Südstern“ an der Hasenheide in Neukölln. Er habe noch keine Genehmigung eingeholt, warte noch auf Informationen aus dem Bezirk oder vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. „Wir liegen mittendrin im Wohngebiet, bei solchen Events haben die Anwohner aber Verständnis“, sagt der Gastronom.
Marcus Steiner vom „Gasthaus Landauer“ am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf ist zuversichtlich, dass es eine Ausnahmegenehmigung für die 22-Uhr-Spiele gibt: „Bei uns gucken auch viele Anwohner. Wir haben ohnehin eine Ausnahmegenehmigung für die Außengastronomie bis 23 Uhr. Während der WM wird es sicher später“, sagt Steiner. „Wir wollen wieder die wichtigsten Spiele bei schönem Wetter draußen übertragen, aber nicht so spät. Wir nehmen Rücksicht auf die Anwohner“, sagt auch Petra Wald, Besitzerin des „S-Bahn-Cafés“ in Friedenau.





