Am frühen Montagmorgen warten am Bahnhof Zoologischer Garten bereits viele Fahrgäste auf ihren Zug nach Hamburg. Wo sonst nur Regionalbahnen halten, fährt ab sofort ein Interregio-Express (IRE) täglich morgens nach Hamburg und nachmittags wieder zurück. Wer im Westen Berlins wohnt und nach Hamburg wollte, musste bisher erst zu den Bahnhöfen Südkreuz, Spandau oder Hauptbahnhof fahren. „Ich freue mich, dass im Westen endlich mal wieder etwas passiert“, sagt Fahrgast Monika Benner, die in Hamburg ihre Tochter besuchen will. Ihrer Meinung nach sollte der Bahnhof Zoo wieder mehr für Fernzüge genutzt werden. Der kürzere Anfahrtsweg sei zudem ein Argument, da sie nur sechs Minuten vom Bahnhof Zoo entfernt wohne.

Günstigste Verbindung

„Es ist einfach die günstigste Verbindung, um nach Hamburg zu kommen“, sagt Irina Timokhina. Die Touristin aus Russland zahlt knapp 20 Euro für ihre Fahrt nach Hamburg. Eine Hin- und Rückfahrt würde knapp 30 Euro kosten. Zum Vergleich: Eine Fahrt mit dem ICE ist mit 78 Euro fast dreimal so teuer. Für den reduzierten Ticketpreis müssen die Passagiere jedoch eine fast doppelt so lange Fahrtzeit von drei Stunden ab der Haltestelle Zoo einplanen. Zudem gibt es keinen Speisewagen und nur Plätze in der 2. Klasse. Laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) wolle man mit der neuen Verbindung testen, ob es eine Nachfrage nach Fernzügen am Bahnhof Zoo gibt. Zudem sei die neue Strecke besser an touristische Gegenden wie die Lüneburger Heide oder die Altmark angebunden. Bevor der Zug den Hamburger Hauptbahnhof erreicht, hält der Interregio-Express in Stendal, Salzwedel, Uelzen und Lüneburg.

Darüber freut sich Philipp Heinrich: „Dieser Zug ist für mich die einzige Möglichkeit, so früh am Morgen direkt nach Hause zu kommen.“ Er pendelt wegen seiner Fernbeziehung am Wochenende immer von Uelzen nach Potsdam. Matthias und Anke Adler schätzen den Komfort, auf ihrem Weg nicht umsteigen zu müssen. „Vorher mussten wir immer in Schwerin umsteigen, wenn wir nach Hamburg wollten“, sagt Matthias Adler. Da sich seine Mutter Anke im Urlaub den Arm gebrochen hat, sei die direkte Verbindung noch praktischer. Neben dem Zoo können Berliner Fahrgäste am Ostbahnhof, Hauptbahnhof sowie in Spandau zusteigen. Der Interregio-Express verkehrt Montag bis Sonnabend jeweils um 7 Uhr vom Bahnhof Zoo und um 16.36 Uhr vom Hamburger Hauptbahnhof zurück. Sonntags fährt der Zug etwas später um 13.43 Uhr ab, die Rückfahrt beginnt in Hamburg um 18.11 Uhr.

Der Bahnhof Zoologischer Garten hat eine lange Historie als Fernbahnhof. Schon zwei Jahre nach seiner Eröffnung 1882 verkehrten von dort Ost-West-Verbindungen. Während der Nachkriegszeit und der Teilung der Stadt fungierte die Station als einziger Fernbahnhof in West-Berlin. Obwohl er nur zwei Bahnsteige für den Fernverkehr besaß, war er damit der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt im Westteil der Stadt. Er war Ausgangspunkt der Interzonen- und späteren Transitzüge in das Bundesgebiet sowie ins Ausland – direkt oder mit Kurswagen – nach Kopenhagen, Stockholm und über Prag nach Wien.

Bahnhof wird modernisiert

Der Beschluss der Deutschen Bahn AG, mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs am 28. Mai 2006 den Fernbahnhof Zoologischer Garten zu schließen, führte zu einem Rückgang der Zahl der Reisenden von täglich 150.000 auf nur noch 100.000. Zudem löste das Ende der Fernverbindungen heftige Proteste bei Geschäftsleuten, Bewohnern und beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf aus.

Eine von Pfarrerin Helga Frisch angeführte Bürgerinitiative sammelte bis Oktober 2006 rund 140.000 Unterschriften für den Erhalt und die Wiedereröffnung des Fernbahnhofs Zoo. Der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn kündigte daraufhin an, er wolle den Bahnhof Zoo ausbauen und modernisieren. Dem Konzernvorstand der Bahn liegt nun ein Masterplan für den Umbau des Bahnhofs Zoo vor. „Dazu gibt es jedoch noch keine Entscheidung“, sagte ein Bahnsprecher.

Inhaltlich sei geplant, im Rahmen eines ersten Bauabschnittes Teile des Empfangsgebäudes baulich zu verändern. Die Planungen, die sich für diesen Bauabschnitt im Entwurfsstadium befinden, sehen demnach die Reaktivierung der Zooterrassen und die Modernisierung eines Teils der Erdgeschossflächen vor. Hierbei, so der Bahnsprecher, sollen die Verkehrswege verbessert und neue Gewerbeflächen geschaffen werden. Erste bauvorbereitende Maßnahmen wären zum Beispiel der Rückbau im Innenbereich der Zooterrassen.