Neue Saison

Bäderbetriebe wollen im Sommer Aushilfen beschäftigen

Die Berliner Bäderbetriebe werden die Sommerbäder mit Saisonarbeitskräften als Unterstützung der fest angestellten Mitarbeiter betreiben. Doch im Sportausschuss ging es auch noch um andere Themen.

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Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) werden die Sommerbäder mit Saisonarbeitskräften als Unterstützung der fest angestellten Mitarbeiter betreiben. Grund ist die Kündigung des Sommerbadtarifs, der festschrieb, dass die Mitarbeiter bei bis zu 60 Wochenstunden pauschal ein Drittel mehr Entlohnung erhielten.

„Es hilft ja nicht, die Leute so lange am Wasser stehen zu lassen. Das ist nicht gut für die Gesundheit der Mitarbeiter, aber auch nicht für die Sicherheit der Badegäste“, sagte Annette Siering, Vorstand der Berliner Bäderbetriebe und zuständig fürs Personal, im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses am Freitag.

Die Sommerbäder würden deshalb so wie die Hallen im Schichtsystem gefahren. Der Sommerbadtarif sei bereits von ihren Vorgängern 2012 gekündigt worden. Als erste Bäder sollen Ostern das Strandbad Wannsee sowie die Sommerbäder Kreuzberg und Olympia-Stadion öffnen. Der Rest folgt, wie im vergangenen Jahr, bis Juni.

Linke: „Nicht würdiger Umgang mit Personal“

Auskunft musste Vorstandsvorsitzender Ole Bested Hensing im Sportausschuss nicht nur zur personellen Ausstattung der Bäder und seinem Verhältnis zum Personalrat geben, sondern auch zu seinen Plänen, wie er die Berliner Badelandschaft umgestalten will. Die Linke warf ihm einen „nicht würdigen Umgang“ mit Personal vor, dass seine Rettungsfähigkeit verloren hat.

30 Beschäftigte haben diese Fähigkeit nicht mehr, die alle zwei Jahre kontrolliert wird. Man habe einer behinderten Frau eine Kassentätigkeit angeboten, aber mit niedriger Entlohnung.

Nach Ansicht der SPD sollte das in einem Unternehmen der öffentlichen Hand aber im Gegensatz zu einem privaten Unternehmen nicht passieren. „Wir können bei einer Kassentätigkeit, die niedriger vergütet ist, nicht einfach mehr zahlen. Da kommen wir in Konflikte gegenüber dem Rechnungshof und dem Steuerzahler“, sagte Siering.

Es soll nicht um Privatisierung gehen

Der Vorstoß des Bäderchefs für die beiden Kombi-Bäder Spandau-Süd und Gropiusstadt, die gerade saniert werden, in einer europaweiten Ausschreibung einen sogenannten „Geschäftsbesorger“ zu suchen, hatte für Unruhe gesorgt. Sportsenator Frank Henkel (CDU) versicherte am Freitag in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der BBB, dass es dabei nicht um eine Privatisierung gehe. Die BBB blieben Pächter und verantwortlicher Betreiber. Das dort tätige Personal werde ähnlich bezahlt werden.

Aber noch sei gar nichts entschieden. Es gebe zwei Angebote. Sie hätten nicht mehr als den Eingangsstempel. Die Auswertung werde etwa zwei Wochen dauern, dann werde sich die Senatsfinanzverwaltung noch darüber informieren., so Henkel. „Sie haben hier nicht Hermine und Harry Potter engagiert, sondern einen soliden Vorstand. Wir können nicht zaubern und agieren nur so, weil Sie die Rahmenbedingungen so setzen“, sagte Bested Hensing, als er seinen Wirtschaftsplan erläuterte. 45 Millionen Euro jährlich, die nicht erhöht würden, seien schon angesichts der steigenden Energie- und Personalkosten zu wenig. Allein 50 Prozent des Betrages müssten für die Personalkosten der rund 750 Mitarbeiter gezahlt werden. „Die wollen wir uns leisten, aber wir müssen uns fragen, wie wir überlebensfähig sein wollen“, so Bested Hensing. Die Personalkostenerhöhungen betrügen in diesem Jahr 837.000 Euro, im nächsten 1,5 Millionen Euro.

Mit der neuen Preisstruktur seien die BBB in die Offensive gegangen, so Bested Hensing. Die Ergebnisse bislang nannte er „befriedigend“. Durch den Haupt- und günstigeren Basistarif sei es zu einer Entlastung gekommen, sowohl bei den stark nachgefragten Zeiten, aber auch bei den Bädern. Die Berliner seien „preisbewusst“ und in nicht so gut besuchte Bäder abgewandert. Konkrete Besucher-Zahlen sollen nachgeliefert werden.

„Abgeordnetenhaus einbeziehen“

Dennis Buchner (SPD) kritisierte, dass das sogenannte Konzept der BBB „immer wieder als viele einzelne Projekte und Gerüchte um Schließung von Hallen“ die Runde macht, „ohne dass es im politischen Raum ausreichend diskutiert wurde“. Er forderte eine stärkere Einbeziehung der Sport- und Haushaltspolitiker des Abgeordnetenhauses.

Nach Auskunft von Sportsenator Henkel wird es für die Pläne von vier neuen Kombibädern in Berlin auch in einem Nachtragshaushalt nicht mehr Geld geben. Das Korsett für den Doppelhaushalt 2014/15 sei geschnürt. Der Senat setze sich ein, die Bäderstruktur zu erhalten. Das sehe auch die Koalitionsvereinbarung vor. Denkverbote gebe es jedoch nicht. „Wir müssen aber aufpassen, dass nicht jeden Tag ein neues Gerücht entsteht“, warnte er. Wenn das Abgeordnetenhaus im nächsten Haushalt mehr Geld zur Verfügung stelle, könnten die BBB auch mehr Bäder bauen.