Die Bundestagsabgeordneten werden in ihrem neuen Domizil an der Luisenstraße künftig „auf Augenhöhe mit der Kanzlerin“ residieren. Dieser Hinweis ist der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Edelgard Bulmahn (SPD), ganz wichtig. Auf einem Baustellenrundgang informierte sie sich gemeinsam mit anderen Bundestagsabgeordneten über den Fortschritt der Arbeiten am Erweiterungsbau für das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Und genoss sichtlich den Ausblick aus dem 10. Obergeschoss der Rotunde. Der runde Turm neben dem Hauptportal des neuen Bundestagsgebäudes ist mit einer Höhe von 36 Metern exakt auf gleicher Höhe mit dem Bundeskanzleramt am anderen Ende des Spreebogens. „Nur die Reichstagskuppel ist noch höher“, stellte Bulmahn fest.
Weil der Bundestag mehr Platz brauchte, war bereits 2008 beschlossen worden, dass das „Band des Bundes“ durch einen Anbau vergrößert werden soll. Die Pläne für den Anbau mit einer Geschossfläche von rund 44.000 Quadratmetern lieferte der Architekt Stephan Braunfels, der auch schon das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus entworfen hatte. Ursprünglich sollte 2009 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Damals ging man noch davon aus, dass das Gebäude 2013 fertig gestellt werden könne. Doch erst Ende 2010 wurde der erste Spatenstich gesetzt.
Zeitverzug beim Bau des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses
„Eine Firma hatte gegen die Vergabe der Arbeiten für die Baugrube geklagt, das hat zu einer Bauzeitverschiebung von zwölf Monaten geführt“, informierte Johannes Heyne, Projektleiter des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Dadurch erstreckten sich die anschließenden Gewerke bauzeitlich über zwei Kälteperioden anstelle einer. Da die Fassade – anders als geplant – im Winter 2013/2014 noch nicht vollständig geschlossen war, konnte der Innenausbau in den kalten Monaten nur in begrenztem Umfang vorangetrieben werden. „Im Anschluss an die bauliche Fertigstellung ist eine mehrmonatige Inbetriebnahmephase erforderlich, weshalb die Übergabe an den Deutschen Bundestag erst im Sommer 2016 erfolgen wird“, ergänzte Nicole Scharfschwerdt, Sprecherin im Bundesbauministerium.
Doch dieser Zeitverzug sei bislang der einzige, versicherte Heyne. Nach der Fertigstellung der Baugrube Ende 2011 sei der Rohbau planmäßig in den darauffolgenden 23 Monaten errichtet worden. Zurzeit werden Innenausbauarbeiten durchgeführt. Die Übergabe an den Deutschen Bundestag sei dann für den Sommer 2016 nach einer halbjährigen Testphase vorgesehen. Bislang lägen die Bauarbeiten noch im genehmigten Kostenrahmen von 190 Millionen Euro, so Heyne weiter. Ob die Summe bis zum Ende der Bauzeit ausreichen wird, dazu wollte sich der Projektleiter jedoch nicht äußern.
Abgeordneten besichtigen ihre zukünftigen Büros
„Durch die Bauverzögerung müssen wir die üblichen Preisindexsteigerungen am Bau berücksichtigen“, ergänzte Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium. Eine Prognose, welche Summe schließlich auf der Endabrechnung im Jahr 2016 stehen werde, wollte aber auch Pronold nicht abgeben. Zum Vergleich: Beim Berliner Schloss waren durch die Preisindexsteigerungen innerhalb von vier Jahren die Kosten um sieben Prozent – von 552 Millionen um 38 Millionen auf 590 Millionen Euro – nach oben korrigiert worden.
Auf dem Rundgang konnten die Abgeordneten einen ersten Blick in ihre zukünftigen Büros werfen. 300 Arbeitsplätze entstehen, jedes Zimmer ist exakt 18 Quadratmeter groß. Neben neuen Büroräumen werden die Bundestagsabgeordneten – auch die, die bisher schon im 2003 fertiggestellten „Altbau“ des Lüders-Hauses saßen – einen repräsentativen Haupteingang, mit großer Freitreppe und imposantem „Flugdach“ an der Luisenstraße 30 bekommen. Das Herzstück des Hauses sei aber sein Gedächtnis: „Hier zieht die drittgrößte Parlamentsbibliothek der Welt ein“, so Edelgard Bulmahn. Zudem wird es in dem Neubau diverse Veranstaltungsräume, eine Mitarbeiterkantine sowie ein öffentlich zugängliches Bistro direkt an der Spree geben.
Forschungsministerium öffnet
Der Erweiterungsbau für den Deutschen Bundestag ist im 25. Jahr nach dem Fall der Mauer und 15 Jahre nach dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin längst nicht die einzige Veränderung im Parlaments- und Regierungsviertel. So wird im Herbst dieses Jahres der neue Dienstsitz von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Kapelle-Ufer bezogen. Das Gebäude mit der grün schimmernden Fassade, das nach einem Entwurf des Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner am hochgezogen wurde, ist nahezu fertig. Direkt neben dem Ministerium soll das „Haus der Zukunft“ entstehen, in dem über neue Entwicklungen in Wissenschaft und Forschung informiert werden soll. Der Wettbewerb wurde 2012 entschieden – gewonnen hat ihn der Berliner Architekt Jan Musikowski. Die Suche nach einem privaten Partner für Bau und Betrieb des Hauses werde voraussichtlich im Spätsommer abgeschlossen, so Markus Fels, Sprecher im Hause der Ministerin. Für die Bauzeit, die Anfang 2015 beginnen wird, sind zwei Jahre vorgesehen. „Da das Vergabeverfahren noch nicht abgeschlossen ist, können wir zu den Kosten derzeit keine Angaben machen“, so Fels.
Auch das Innenministerium bekommt eine Zentrale mit Blick auf das Bundeskanzleramt. Ende des Jahres soll das Gebäude fertig sein, die 1600 Mitarbeiter werden im Frühjahr 2015 einziehen. Das 208 Millionen Euro teure Haus entsteht nach Plänen der Architekten Thomas Müller und Ivan Reimann. Im Dezember 2010 erfolgte der erste Spatenstich, 2011 begannen die Rohbauarbeiten – um sogleich für sieben Monate gestoppt zu werden. Schuld war der Streit mit einer Firma, die bei der Auftragsvergabe leer ausgegangen war und vor Gericht Widerspruch eingelegte. Doch anders als beim Marie-Elisabeth-Lüders-Haus konnte der Bauverzug aufgeholt werden.




