1. Mitgliedschaft in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft

Da könnte ein norwegischer Ölscheich auftauchen und den Club-Präsidenten Heinz Riesenhuber beknien, ihn als Mitglied auzunehmen – es wäre ein aussichtsloses Unterfangen. Denn wer im prachtvollen früheren Reichspräsidentenpalais gegenüber des Reichstags Hof halten will, der muss ordentlicher Abgeordneter des Bundestags oder eines der 16 Landesparlamente sein. Ausnahmen ausgeschlossen. Die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft ist also das, was mancher Berliner Club gerne wäre, aber in Wahrheit nicht ist – hochgradig exklusiv.

Einmal aufgenommen, kann man dann allerdings auf Lebenszeit den diskreten Charme genießen, den die Wände hier atmen. Vorausgesetzt, auf dem von Schatzmeister Johannes Kahrs (SPD) überwachten Konto trudelt regelmäßig einmal im Jahr der Mitgliedsbeitrag ein. Die Besonderheit des Etablissements ist aber nicht das Interieur, sondern die harmonische Atmosphäre, die parteiübergreifend (!) gepflegt wird. So kann es schon mal passieren, dass eine Linken-Politikerin wie Petra Pau (Vizepräsidentin des Clubs) sozusagen Sessel an Sessel mit einem Christdemokraten ihren Fünf-Uhr-Tee nimmt, mit dem sie sich eben noch eine Redeschlacht im Bundestag geliefert hat. Der elegante Platz an der Spree soll den Parlamentariern sprichwörtlichen Raum zur Zerstreuung geben – ohne die neugierigen Blicke, denen man sich sonst aussetzt, wenn man als Politiker ein Restaurant in Mitte betritt. Das Nettigkeitsprinzip wurde sozusagen in der Satzung des 1951 in Bonn gegründeten eingetragenen Vereins verankert. In der heißt es nämlich, dass in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft als Kontrast zum permanenten Parteienstreit wechselseitig die „menschlichen, sachlichen und politischen Beziehungen“ untereinander gepflegt werden sollen.

Auch Journalisten müssen deshalb in der Regel draußen bleiben. Und weil man dem Leib ja – frei nach Winston Churchill – etwas Gutes bieten muss, damit die (Abgeordneten-)Seele Lust hat, darin zu wohnen, sorgen hier 40 Beschäftigte für das leibliche Wohl der Parlamentarier. Gegen Bezahlung, versteht sich. Am Ende landet man dann oft noch in der kleinen Kneipe im Sockelgeschoss („Kommunikationszentrum“), in der wohl schon schon so mancher politischen Kuhhandel oder Ministerwechsel ausgeheckt und begossen wurde. Auch die Bundeskanzlerin schaut hier gelegentlich vorbei, vorzugsweise zum Fußballgucken, wenn in den Sitzungswochen die Nationalelf aufspielt.

2. Die Manschettenknöpfe des Bundespräsidenten

Was ihre Herstellung kostet, ist unbekannt. Aber die schönen Porzellanmanschettenknöpfe mit dem Bundesadlermotiv, die Joachim Gauck zu seinem besonderen Vergnügen gelegentlich selber trägt, sind sowieso unbezahlbar. Denn man kann sie nirgends kaufen, sondern höchstens vom Bundespräsidenten geschenkt bekommen. Wie im Schloss Bellevue zu hören ist, existieren Varianten in Gold und in Silber. Das edle Accessoire wurde von der traditionsreichen Porzellanmanufaktur Fürstenberg im Auftrag von Gaucks Vorgänger Christian Wulff entworfen.

Er suchte seinerzeit nach einem passenden Ehrengeschenk als kleine präsidiale Aufmerksamkeit für ganz besondere Anlässe. Dafür, dass das Bundespräsidialamt ein Paar herausrückt, muss ein Staatsgast auf Visite im Schloss Bellevue allerdings mindestens am selben Tag Geburtstag haben. Schließlich macht der oberste Mann im Staat eigentlich gar keine Geschenke, dafür braucht es besondere Anlässe. Das indes dürfte ungemein zum Sammlerwert der Knöpfe beitragen. Denn auf den Markt geraten könnte ein Paar ja nur dann, wenn ein Beschenkter auf die Idee käme, sie im Internet zu versteigern, was freilich ziemlich unverfroren wäre. Wer also in den Besitz der Original-Manschettenknöpfe mit den Insignien des Staates kommen will, sollte lieber gleich mit den Planungen für eine Präsidentschaftskandidatur beginnen.

3. Ein Diplomatenpass

Zumindest in der westlichen Welt hat man noch nicht gehört, dass hier Diplomatenpässe gegen Geld zu erhalten wären, jedenfalls keine echten. In Deutschland regelt die Passverordnung, wer in den Genuss dieses Dokumentes kommt, mit dem sich bei grenzüberschreitenden Reisen verschlossene Türen bisweilen wie von Zauberhand öffnen lassen. Dazu gehören neben den Diplomaten und den Mitarbeitern der Ministerien auch alle 620 Bundestagsabgeordneten. Diplomatische Immunität besitzt zwar nur, wer von dem Staat, in den er reist, offiziell eingeladen wurde.

Eine weitere Annehmlichkeit ist aber, dass die Damen und Herren mit Diplomatenpässen bei der Einreise am Flughafen oft an Extra-Schaltern ohne Warteschlangen abgefertigt werden. Und manchmal auch kein Visum beantragen müssen, weshalb sie bei Geheimagenten begehrt sind (Jason Bourne lässt grüßen). „Gerade in Ländern, die eher in Rangordnung denken als wir, hat der Diplomatenpass Vorteile – zum Beispiel, wenn Polizisten eine Straßensperre aufgebaut haben und einen dann doch schnell durchwinken, nachdem man den Pass vorgezeigt hat“, sagt der CDU-Entwicklungspolitiker Jürgen Klimke, der aus dienstlichen Gründen besonders oft im Ausland unterwegs ist. In Deutschland verkehre sich das im Umgang mit Polizisten aber ins Gegenteil: „Da muss man dann gegentlich besonders lange warten, weshalb es sich anbietet, den Diplomatenpass lieber nicht vorzuzeigen.“ Jeder Bundestagabgeordnete (plus Gattin/Gatte) erhält den Pass auf Wunsch vom Auswärtigen Amt. Wer abgewählt wird, muss ihn aber wieder herausrücken. Und die Ehefrau oder der Ehemann genauso.

4. Durch die Ehrenpforte des Kanzleramts schreiten

Seit Gerhard Schröder wissen wir, dass es Leute gibt, die an den Gitterstäben des Kanzleramts rütteln und rufen: „Ich will hier rein!“ – bisweilen ja sogar mit Erfolg. Doch wer es nicht bis zum Regierungschef bringt, das Kanzleramt aber schon immer mal durch den prestigeträchtigen mittleren Haupteingang über einen roten Teppich betreten wollte, der sollte sich besser mit der Tatsache abfinden, dass diese Vorzugsbehandlung Normalsterblichen in aller Regel versperrt bleibt. Die Ehrenpforte öffnet sich nur für Staats- und Regierungschefs und deren engere Delegation.

An der Pforte, vor der die Wagenkolonnen halten, steht dann die Kanzlerin und empfängt ihre Gäste, um sie ins Gebäude zu begleiten. Die restliche Delegation eines Staats- und Regierungschefs oder andere Besucher des Kanzleramtes benutzen den eher schmucklosen Nordeingang, durch den auch die Mitarbeiter das Haus betreten. Auch die Bundeskanzlerin verzichtet auf Extrawürste und nutzt immer den Nordeingang, wenn sie das Haus der Baumeister Axel Schultes und Charlotte Frank betritt oder verlässt.

5. Wertvolle Kunstwerke kostenlos ausleihen

Diesen Luxus hat nicht jeder: Wer seine Büros mit einzigartigen Bildern von Künstlern wie Emil Schumacher, Günther Uecker, Jannis Kounellis oder Ida Kerkovius schmücken will, ohne dafür einen Cent zu zahlen, der muss Bundestagsabgeordneter werden. Denn die Parlamentarier können sich aus der aus der mittlerweile 3000 Exponate starken Kunstsammlung des Bundestags ausleihen, was ihnen gefällt. Sie müssen hierzu nur beim Sekretariat des Kunstbeirates vorbeischauen und entscheiden, mit welchen Werken der zeitgenössischen Kunst sie ihr Arbeitsumfeld verschönern wollen.

Die Sammlung wurde im Jahre 1969 von dem Abgeordneten Prof. Gustav Stein gegründet und seit 1976 über einen festen Ankaufstitel im Budget des Bundestags Jahr um Jahr erweitert. Über die Ankäufe, mit denen auch junge Künstler unterstützt werden, entscheidet der Kunstbeirat. Gelegentlich werden Werke aus der Sammlung auch in Ausstellungen präsentiert. Übrigens: Bundestagspräsident Norbert Lammert hat sich für den Protokollraum des Reichstags, in dem er auch Staatsgäste empfängt, für Fotgrafien von Thomas Florschütz und Barbara Klemm entschieden. Das monumentale Tafelbild „Bundestag“ des Fotografen Andreas Gursky, das einen Blick in den Bonner Plenarsaal zeigt, ist hingegen ein Leihgabe des Künstlers.

6. Sich von Ulrich Kerz bekochen lassen

Nachfragen für Engagements auf privaten Partys sind zwecklos: Wer sich von Spitzenkoch Ulrich Kerz kulinarische Köstlichkeiten auftischen lassen will, der braucht eine Einladung der Bundeskanzlerin. Basta. Denn als Angela Merkels „Leibkoch“ steht Ulrich Kerz exklusiv für seine Chefin, ihre engste Mitarbeiter und deren Gäste in der vergleichsweise kleinen Kanzleramtsküche (Induktionsherd mit acht Kochfeldern und ein sechsfacher Kombinationsofen). Damit hat er ja auch genug zu tun.

Kerz nennt seinen Job ein „Heiligtum“, weshalb er kaum etwas über die Vorlieben der Regierungschefin oder ihrer Kollegen aus Paris, Rom und Madrid verraten mag. Seine Spezialität ist allerdings deutsche Küche mit regionalen Zutaten – das dürfte Merkel entgegenkommen, die sich am Tag ihrer Wiederwahl zur Kanzlerin 2009 bekanntlich Kartoffelsuppe kredenzen ließ. Ansonsten legt Kerz ihr alle sieben Tage einen Menuplan vor, auf dem sie dann ankreuzt, was ihr schmeckt. Als Nachtisch, so viel gibt Kerz preis, sind das immer wieder gerne Käsewürfel an Weintrauben. Seinen Job bekam der Ex-Schiffskoch der MS Deutschland im Jahr 2000 von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, für den er damals erfolgreich zur Probe eine Perlhuhnbrust briet.

7. Ein eigener Parkplatz unter dem Reichstag

Davon träumen viele Pkw-Besitzer, die in der City oft stundenlang erfolglos nach einer Abstellmöglichkeit für ihren Wagen suchen: Wer Abgeordneter oder Mitarbeiter des Deutschen Bundestages ist, kann sich zum Schnäppchenpreis von 44 Euro im Monat einen der 369 Parkplätze direkt unter den Bundestagsgebäuden mieten, damit er nicht zu spät bei den Bundestagssitzungen auftaucht. Über das „Unterirdische Erschließungssystem“ (UES) sind das Reichstagsgebäude, das Paul-Löbe-Haus, das Jakob-Kaiser-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus miteinander verbunden – mit Straßenampeln und Zebrastreifen wie im echten Leben. Hier unter der Spree haben die Zulieferer von Waren und Dienstleister freie Fahrt, auch wenn im öffentlichen Straßenverkehr oben drüber mal wieder gar nichts geht. Genau das ist der Zweck des UES, für das die Bauherren nur einen einzigen Einfahrtsbereich vorgesehen haben – nämlich in der Adele-Schreiber-Krieger-Straße gegenüber von der Bundespresskonferenz.

8. Eine private Andacht im Gebetsraum des Bundestags

Nicht jeder verfügt zu Hause über einen Andachtsraum, der mit wertvollen Devotionalien wie dem Gebetsschal des Dalai Lama, einem Gebetsteppich des Großmuftis von Damaskus und Geschenken von Papst Benedikt ausstaffiert ist. Der von Günther Uecker gestaltete Raum im südöstlichen ersten Obergeschoss des Reichstags lädt die Abgeordneten und deren Mitarbeiter zu Meditation und innerer Einkehr ein, um Kraft zu tanken vor schwierigen Entscheidungen.

Durch den Einbau einer zum Innenraum hin offenen Zwischenwand vor den seitlichen Fenstern kommt indirekt Licht in den geheimnisvoll anmutenden Raum, der etwas von der mystische Aura einer frühmittelalterlichen Krypta hat. Hier treffen sich in den Sitzungswochen jeden Donnerstag um 8.45 Uhr religiöse Parlamentarier zu einer ökumenischen Morgenandacht, die sie selbst organisieren. Eingeladen wird durch das vom Band übertragene Glockengeläut des Kölner Doms.

9. Auf Reisen mit dem Regierungsflieger

So viel Sicherheit genießt Otto Normalverbraucher auf Flugreisen eher nicht: Wenn Regierumgsmitglieder samt Entourage mit einer der beiden Maschinen vom Typ A 340 („Konrad Adenauer“ und „Theodor Heuss“) in die Luft gehen, dann ist gleich ein ganzes Raketenabwehrsystem mit an Bord. Die Störtechnologie kann Boden-Luft-Raketen, die es auf deutsche Minister oder die Kanzlerin abgesehen haben, ablenken.

Praktisch ist auch, dass die Regierungsflieger nicht nur mit einem Delegations- und einem Konferenzbereich ausgestattet sind, sondern der Politprominenz an Bord auch einen Privatbereich als Rückzugsmöglichkeit mit eigener Dusche und Bett bieten. Die VIP-Maschinen lassen sich im Krisenfall übrigens auch zum Transport von Verwundeten und Kranken umrüsten, sich also in fliegende Intensivstationen verwandeln. Nutzen können die Flieger außer den Kabinettsmitgliedern auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesratspräsident Winfried Kretschmann, Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle und die Fraktionsvorsitzenden des Bundestags.

10. Ein geheimes Treffen in der „Black Box“ des Bundestags

Hinter einer schmucklosen Betonwand im Souterrain des Jakob-Kaiser-Hauses zwischen der Mitarbeiterkantine und dem Tunnel zum Reichstagsgebäude verbirgt sich ein nach allen Regeln der Kunst abhörsicher gemachtes Geheimzimmer, das nur Hüter echter Staatsgeheimnissen betreten dürfen. Die Tür ist mit einem zusätzlichen elektronischen Zahlenschloss gesichert, damit kein Unbefugter hereinkommt und womöglich eine Wanze platziert. Anfragen für Besichtigungen sind zwecklos.

Denn an diesem Ort werden in Deutschland die wirklich wichtigen Dinge besprochen, die niemals nach außen dringen dürfen, weshalb die Parlamentarier, wenn sie den Raum betreten, noch nicht mal mehr Telefonate oder Kurznachrichten auf dem Handy empfangen können. Zur erlesenen Schar, die sich regelmäßig hier trifft, gehören die Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums, das dem Bundesnachrichtendienst, dem Militärischen Abschirmdienst und dem Bundesamt für Verfassungsschutz auf die Finger schaut, aber auch die G 10-Kommission, die über die Zulässigkeit von Eingriffen in das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis zu befinden hat. Und während der aktuellen Finanzkrise, in der vorzeitig durchgesickerte vertrauliche Informationen ein Beben an den Börsen verursachen können, tagt hier außerdem das „Parlamentarische Finanzmarktgremium“ unter Vorsitz des FDP-Abgeordneten Florian Toncar, dem Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Rede und Antwort über die Euro-Rettungsmanöver stehen muss. Für allen anderen gilt: Zutritt strengstens verboten.

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