Jeder zweite Aufzug hat technische Probleme. Das geht aus einem Prüfbericht des TÜV Rheinland für das vergangene Jahr hervor. Die Experten kontrollierten Aufzüge im gesamten Stadtgebiet. Geprüft wurden sowohl Aufzüge im öffentlichen Nahverkehr und in öffentlichen Gebäuden als auch in Geschäfts- und Bürogebäuden sowie Mehrfamilienhäusern. Insgesamt wurden in Berlin knapp 40.000 Aufzüge auf ihre Sicherheit überprüft.
Zwar hat sich nach Angaben des TÜV Rheinland die Anzahl der Aufzüge ohne Mängel und mit geringfügigen Fehlern im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Doch die Zahlen zu erheblichen und gefährlichen Mängeln seien weiterhin besorgniserregend hoch. Ungefähr jeder zehnte Aufzug weise erhebliche Mängel auf. „Bei unseren Prüfungen in Berlin haben wir 3800 Anlagen vorgefunden, die so gefährlich waren, dass sofort umfangreiche Reparaturmaßnahmen eingeleitet werden mussten“, heißt es im Prüfbericht.
Ein Sprecher relativierte die Angaben insofern, als die Aufzüge nicht unmittelbar nach Feststellung der Mängel abgeschaltet werden mussten. „Die Reparaturen konnten in den darauffolgenden Tagen vorgenommen werden“, sagte er. Bei 225 Aufzügen seien die Sicherheitsbedenken allerdings so gravierend gewesen, „dass sofort der Stecker gezogen werden musste.“ Die Sicherheit und Gesundheit der Benutzer wäre sonst gefährdet gewesen.
Zahlreiche defekte Notrufsysteme
Typische gefährliche Probleme sind nach Angaben der Experten zum Beispiel mangelhafte Sicherheitseinrichtungen oder nicht funktionierende Notrufsysteme. Ein defektes Notrufsystem führe im Ernstfall dazu, dass eine Person im Fahrstuhl eingeschlossen sei und sich nicht bemerkbar machen könne, um befreit zu werden.
Die Zahlen zu den Aufzügen in der Hauptstadt entsprechen den bundesweiten Feststellungen des TÜV. Grund zur Besorgnis gebe auch die hohe Dunkelziffer von nicht geprüften Aufzügen, heißt es in dem Bericht weiter. Nach Schätzungen von Experten der Prüforganisation kommen bei rund 150.000 Anlagen in Deutschland die Betreiber ihren Pflichten nicht nach und ignorieren die vorgeschriebene Prüfung. Es sei einfach, durch das Raster zu fallen, da es seit 2003 keine durchgängige und kontrollierte Meldepflicht mehr gebe.
Zwischenprüfungen sollen abgeschafft werden
„Wir können nur dringend raten, die Sicherheit ernst zu nehmen. Kosteneinsparungen bei der Wartung, Instandhaltung und Prüfung dürfen nicht ausschlaggebend sein, wenn es um die Gesundheit von Menschen geht“, sagt TÜV-Fachmann Thomas Pfaff, der Geschäftsfeldleiter für Aufzugsanlagen in Deutschland ist. Wie hoch die Dunkelziffer für die Hauptstadt geschätzt wird, konnte der TÜV am Donnerstag nicht beantworten.
Vor dem Hintergrund der neuesten Zahlen warnt der TÜV Rheinland vor der Abschaffung sogenannter Zwischenprüfungen, wie sie der Gesetzgeber momentan anstrebt. Bisher wurden Aufzüge auf Initiative des jeweiligen Betreibers jedes Jahr überprüft. Dabei fanden im Wechsel Haupt- und Zwischenprüfungen statt. Letztere konnten auch unangekündigt vorgenommen werden und sollen nun abgeschafft werden. „Damit technische Mängel rechtzeitig entdeckt und Unfälle verhindert werden, sind unabhängige Prüfungen weiter unverzichtbar“, heißt es im TÜV-Bericht. Nach Angaben des Verbands Deutscher Anlagen- und Maschinenbau (VDMA) hat der sicherheitstechnische Zustand von Aufzugsanlagen indes ein hohes Niveau. In den letzten Jahren sei keine Zunahme von schweren oder tödlichen Nutzerunfällen zu verzeichnen.





