Nach der Räumung des Flüchtlingscamps am Oranienplatz ist unklar, wie es an der besetzten Schule in Kreuzberg weitergeht. Noch sind offenbar keine oder nur sehr wenige Flüchtlinge aus der Gerhart-Hauptmann-Schule in ein Heim umgezogen. Laut Vereinbarung zwischen Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) und den Flüchtlingen sollten sowohl das Camp, als auch die Schule geräumt werden. „Voraussetzung ist aber, dass den Flüchtlingen Alternativunterkünfte angeboten werden können“, sagt Sascha Langenbach, Sprecher des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg.

Derzeit gebe es noch keine ausreichenden Angebote. Der Bezirk will die Schule deshalb nicht räumen: „Daran wurde von Bezirksseite keine Sekunde gedacht“, versichert Langenbach. Er warnt vor dem Gewaltpotential einer Räumung: „Was würde das bringen? Dann hätte man eine leere Schule und 200 Leute auf der Straße.“

Einige Flüchtlinge können bleiben

Stattdessen werde weiter nach alternativen Wohnangeboten gesucht. Zugleich entwickele der Bezirk ein Konzept für ein „Flüchtlingszentrum in freier Trägerschaft“ mit Beratungsangeboten und medizinischer Hilfe. Ein Teil der Flüchtlinge wird nach den Vorstellungen des Bezirks nun doch in der Schule wohnen bleiben können. Übernachtungsmöglichkeiten für 70 Personen soll es nach Angaben Langenbachs geben. Details seien noch nicht geklärt. Ebenfalls unklar sei, ob die Bewohner während der Bauarbeiten im Haus bleiben dürfen.

Bevor das Haus den Anforderungen des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) entspricht, sind umfangreiche Arbeiten nötig. Viele Toiletten funktionieren derzeit nicht, es gibt zu wenige Duschen, auch Aufenthaltsräume, Gemeinschafts- und Teeküchen fehlen. „Vorgeschrieben sind sieben Quadratmeter Wohnfläche für jeden Bewohner“, sagt Langenbach.

Derzeit stünden nur etwa drei Quadratmeter pro Bewohner zur Verfügung. Finanziert werden soll das Flüchtlingszentrum „aus unterschiedlichen Mitteln aus mehreren Töpfen“, die Planungen liefen noch. Vorstellbar sei, dass beispielsweise ein kirchlicher Träger die Übernachtungsangebote übernehme und kleinere Träger die Beratungsangebote. Vorher aber müsse das Gebäude „vom Keller bis zum Dach renoviert werden“.

CDU will auch die Schule räumen lassen

„Im gegenwärtigen Zustand ist die Schule unbewohnbar“, stimmt Kurt Wansner, CDU-Kreisvorsitzender in Friedrichshain-Kreuzberg, in dem einen Punkt mit Bezirkssprecher Langenbach überein. Von den Plänen, dort ein Flüchtlingszentrum einzurichten, hält er nichts: „Ich weiß nicht, was der Bezirk da fantasiert.“ Die Einigung zwischen Senatorin Kolat und den Flüchtlingen gelte für die Schule genauso wie für den Oranienplatz. „Wir sind dafür, dass die Schule gegebenenfalls auch geräumt wird“, sagt er.

Er sei überzeugt, dass sich für die Flüchtlinge aus der Schule Plätze in anderen Heimen finden lassen. Das Gebäude solle dann wieder den Menschen in Kreuzberg zur Verfügung stehen. Bevor es besetzt wurde, hätten sich in einer Ausschreibung Initiativen und Vereine für die Nutzung bewerben können, sagt Wansner: „Genau dafür sollte man die Schule dann auch nutzen.“

Drogenumschlagplatz Görlitzer Park nur 200 Meter entfernt

Das Bezirksamt geht davon aus, dass rund 200 Menschen in der Schule leben. Die genaue Zahl ist unklar. Der Plan des Bezirks, Hausausweise an die Bewohner auszugeben, scheiterte. Neben der Enge und den hygienischen Problemen in den überfüllten Räumen ist auch die Sicherheitslage schwierig. Rund um das Gelände kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Schlägereien und anderen gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Seit der Bezirk im Februar einen Wachschutz engagierte, soll sich die Lage innerhalb der Schule verbessert haben. Während es in der Schule weitgehend friedlich sei, ziehe das Umfeld auch Menschen an, die nicht in der Schule wohnen, wie Langenbach es vorsichtig formuliert. Der Görlitzer Park, als Drogenumschlagplatz bekannt, ist nur gut 200 Meter entfernt.