Für die Angestellten der Deutschen Bahn wird das Arbeitsumfeld zunehmend gefährlicher. Wie aus der aktuellen Sicherheitsbilanz des Konzerns hervorgeht, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, ist die Zahl der Körperverletzungen gegen Mitarbeiter des Unternehmens im vergangenen Jahr um etwa 20 Prozent gestiegen. Demnach wurden 1200 Delikte gezählt, im Vorjahr waren es noch 1000. Zu zwei Dritteln seien Sicherheitskräfte betroffen, zu einem Drittel die Zugbegleiter.
Die Zahlen beziehen sich auf die bundesweite Statistik der Bahn. Doch vor allem in Ballungsräumen wie Berlin haben die Angestellten des Unternehmens mit Übergriffen zu kämpfen. „Was die Mitarbeiter im Service, auf den Bahnsteigen oder auch bei der S-Bahn tagtäglich erleben, ist der blanke Horror“, sagte Uwe Henschel, Berliner Geschäftsstellenleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG der Berliner Morgenpost. „Es geht dabei um körperliche Angriffe, aber auch um verbale Attacken. Vor allem in den Nachtstunden, wenn die Leute mitunter Alkohol getrunken haben, ist das ein massives Problem.“
Dies räumte auf Nachfrage auch eine Sprecherin der Deutschen Bahn ein. „Die Fälle treten vermehrt in Ballungsräumen auf – häufig am Wochenende, wenn Alkohol im Spiel ist“, sagte sie der Morgenpost. „Wenn Reisende beim Schwarzfahren erwischt werden und dann noch getrunken haben, verhalten sie sich mitunter ziemlich rabiat. Das ist auch in Berlin ein häufiges Phänomen.“ Konzernvorstand Gerd Becht betonte am Dienstag, die Bahn-Mitarbeiter seien „kein Freiwild“. Die Entwicklung sei absolut inakzeptabel.
„Das meiste passiert dann, wenn unsere Mitarbeiter das Hausrecht durchsetzen. Aber auch im Zusammenhang mit Fahrscheinkontrollen bei scheinbar ganz normalen Reisenden“, so Becht. Gewerkschafter Henschel beklagt in diesem Zusammenhang auch, dass die Gewaltbereitschaft der Täter größer geworden sei. „Zugleich ist die Hilfsbereitschaften bei den Leuten gesunken.“ Die EVG hat 12.000 Mitglieder in Berlin. „Was fehlt, ist ein zentrales Melderegister, in dem sofort alle Übergriffe gegen Mitarbeiter aufgenommen werden, bei dem man jede Woche erheben kann, wo was passiert ist“, sagte er.
Rückgang von Vandalismus
Wie aus der Sicherheitsstatistik der Bahn weiter hervorgeht, gab es 2013 wie im Vorjahr rund 14.600 Fälle von Körperverletzung an Bahnhöfen und in Zügen. Das entspricht im Mittel 40 Delikten pro Tag. Es handle sich dabei jedoch um ein niedriges Niveau, sagte der Sicherheitschef der Deutschen Bahn, Gerd Neubeck – immerhin gebe es 7,4 Millionen Reisende am Tag. Zugleich ist der Vandalismus an Zügen und Bahnhöfen zurückgegangen. Mit 11.800 Fällen gab belief sich der Rückgang auf 30 Prozent.
Der Schaden war mit 30 Millionen Euro dabei um zehn Prozent geringer als 2012. Auch bei Sachbeschädigung durch Graffiti gab es einen leichten Rückgang von vier Prozent. Der Diebstahl von Buntmetall, also vor allem von Kupfer und Aluminium, konnte ebenfalls gesenkt werden. Wegen fehlender Kabel oder Schienenstücke mussten Reisende über das Jahr verteilt zwar noch immer auf 10.000 Züge warten, 2012 waren es aber noch 17.000. Die Verspätungsminuten gingen demnach um 45 Prozent zurück.
„Den starken Rückgang der Vandalismustaten führen wir vor allem auf die verstärkte Präsenz unserer Sicherheitskräfte zurück“, so die Bahn-Sprecherin. „Hier hat es in den vergangenen Jahren Hunderte Neueinstellungen gegeben.“ Die Bahn beschäftigte heute 3700 Sicherheitskräfte, dazu kommen 5000 Beamte der Bundespolizei, die auf Bahnhöfen und in Zügen im Einsatz sind.





