Vor dem Volksentscheid

Breites Bündnis wirbt für Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld

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Jens Anker

Foto: Ole Spata / dpa

Verbände aus Wirtschaft, Wohlfahrt und Sport werben für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes. Am 25. Mai können alle Berliner in einem Volksentscheid über die Zukunft des Areals entscheiden.

Ein breites Bündnis aus Wirtschafts-, Wohnungs-, Sozial- und Sportverbänden macht sich für die geplante Randbebauung des ehemaligen Flughafens Tempelhof stark. Das „Aktionsbündnis Tempelhofer Feld“ appelliert an die Berliner, den Volksentscheid gegen eine Entwicklung des Flughafengeländes abzulehnen.

„Uns liegt am Herzen, dass wir diesen Freiraum sinnvoll nutzen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Christian Wiesenhütter. Insgesamt 13 Verbände, neben der IHK sind unter anderem auch der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), die Wohlfahrtsverbände, der Landessportbund und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin dabei, unterstützen den Senat darin, an den Randflächen des Flughafengeländes Gewerbe anzusiedeln und Wohnungen zu bauen.

Behutsame Randbebauung

Am 25. Mai, dem Tag der Europa-Wahl, sind alle Berliner aufgefordert, am Volksentscheid zur Zukunft Tempelhofs teilzunehmen. Die Initiatoren fordern „100 Prozent Tempelhof“. Das Gelände soll so erhalten bleiben, wie es ist. Der Senat lehnt das ab. Es soll eine behutsame Randbebauung am Tempelhofer Damm und an der Oderstraße entstehen. Außerdem soll ein Streifen neben der Autobahn A100 für Gewerbeansiedelungen umgestaltet werden.

Vor allem wegen der akuten Wohnungsnot und dem jährlichen Zuzug nach Berlin lehnt das Aktionsbündnis die Ziele des Volksentscheides ab. „Bis 2030 werden 250.000 Menschen neu in die Stadt ziehen, das entspricht einem ganzen Bezirk“, sagte BBU-Vorstandschefin Maren Kern. „Unter den Unterstützern des Aktionsbündnis besteht der Grundkonsens, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Darin sind sich Wohnungsverband und auch die Sozialverbände einig.

„Wir machen die alarmierende Erfahrung, dass auch für Normalverdiener bezahlbarer Wohnraum knapp wird“, sagte der Vorsitzende der Liga der Wohlfahrtsverbände, Martin Matz. Er befürchtet, dass auch bei anderen Brachen der Stadt der Widerstand gegen eine Bebauung wächst, sollte der Volksentscheid erfolgreich verlaufen.

Bezirke leiden unter Mangel an Sportanlagen

Auch der Landessportbund (LSB) unterstützt die Bebauungspläne. „Wir appellieren an unsere 600.000 Mitglieder, sich zu informieren, zu engagieren und zu votieren“, sagte LSB-Präsident Klaus Böger. „Wir finden die große Freifläche klasse, sie soll auch so bleiben. Aber ein Erfolg des Volksentscheides wäre auch für den Sport eine Blockade“, sagte Böger.

Gerade die beiden angrenzenden Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln litten unter einem eklatanten Mangel an Sportanlagen. Die Errichtung von Sportanlagen am Neuköllner Ende des Flughafens, wo schon vor der Eröffnung des Flughafens in Tempelhof zahlreiche Sportfelder existierten, würde daher helfen, den Notstand zu lindern.

Im September des vergangenen Jahres hatte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) einen Masterplan für die Bebauung des Tempelhofer Feldes präsentiert. Keine Rolle für die Planungen spielt die Internationale Gartenschau IGA 2017, die nun in Marzahn stattfinden soll. Ab 2016 sollen nach den Plänen des Senators zunächst 1700 Wohnungen entlang des Tempelhofer Damms errichtet werden.

Geplante Freifläche ist größer als der Tiergarten

Mindestens die Hälfte davon soll zu Mieten von sechs bis acht Euro pro Quadratmeter vergeben werden. Mit den Chefs der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Degewo und der Stadt und Land sowie der Baugenossenschaft Ideal hat Müller dafür bereits Verträge unterzeichnet. Zeitlich gestaffelt sollen auch am Süd- und am Ostrand des Feldes neue Häuser gebaut werden. Insgesamt sollen 4700 Wohnungen entstehen.

Eine 230 Hektar große Freifläche in der Mitte des Feldes – größer als der Tiergarten – soll erhalten bleiben. Allerdings stoßen auch bei Gegnern des Volksentscheids die Planungen Müllers auf Kritik. Die Gebäude sollten besser in die Grünfläche integriert werden, heißt es.

185.328 Bürger hatten für das Volksbegehren gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes unterschrieben. Wenig überraschend ist die Ablehnung in den angrenzenden Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln am größten, mehr als 15 Prozent der Stimmberechtigten haben dort das Volksbegehren unterstützt.