E-Scooter

BMW baut in Berlin-Spandau jetzt Elektromotorräder

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Raimon Klein

Foto: Amin Akhtar

E-Autos und E-Bikes sind längst im Trend. Elektro-Scooter sind erst im Kommen. BMW setzt sich an die Spitze der Bewegung. Das neue Modell wird in Spandau produziert - und hat einen stolzen Preis.

Mit einem kaum hörbaren Surr-Geräusch kam die Zukunft der städtischen Fortbewegung angerollt. Im Spandauer BMW-Werk wurden jetzt die ersten rein elektrisch angetriebenen Maxi-Scooter präsentiert, die dort ab sofort produziert werden. Werksleiter Marc Sielemann gab zusammen mit Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) den offiziellen Startschuss für die Serienfertigung. „Berlin als moderner Industriestandort zeichnet sich vor allem durch innovative und technologische Produktentwicklungen aus“, sagte Yzer. Der neue E-Scooter sei das beste Beispiel intelligenter Lösungen für die Herausforderungen der wachsenden Stadt Berlin.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Entwicklung von der Initialphase bis zur Serienreife. „Der Auftrag hieß zu Beginn nur, etwas Elektrisches auf zwei Rädern zu konstruieren“, sagte Projektleiter Christian Ebner. Da man mit dem Ziel, ein emissionsfreies Motorrad zu bauen, Neuland betrat, zog sich die Entwicklung in die Länge. So werden erstmals an nur einem Standort drei spezielle Kompetenzen gebündelt. Neben der reinen Fahrzeugmontage fertigen die Berliner Mitarbeiter vor Ort auch die Hochvoltbatterie aus einzelnen Batteriemodulen und verfügen über die dafür erforderliche Analysekompetenz.

Die Hochvoltbatterie ist das Äquivalent zu einem Kraftstofftank eines normalen Motorrades und dient als tragendes Element des Rollers, an den die restlichen Teile angebracht werden. Die Montage erfolgt auf einer vergleichsweise kleinen Fläche eines halben Fußballfeldes. Zehn speziell für Hochvoltarbeiten geschulte Mitarbeiter arbeiten am neu entstandenen Montageband und bauen die Komponenten des Elektro-Scooters in wenigen Schritten zusammen.

Europaweiter Start am 2. Mai

Bis zu zehn Roller laufen so zunächst vom Band bis zum europaweiten Markteintritt am 2. Mai. Zehn von 600 Zweirädern, die täglich das Werk verlassen – das klingt zunächst nach nicht sehr viel, jedoch gibt es im Bereich der elektrischen Motorräder noch zu wenig Erfahrung mit dem Kaufverhalten der Kunden. „Wir bauen, was der Markt hergibt und können bei höherer Nachfrage jederzeit mehr produzieren“, sagte Werkssprecherin Romy Ertl.

Während in China schon seit Jahren Elektroroller zum Stadtbild der überfüllten Metropolen gehören, wächst allmählich auch in Deutschland der Markt – wenn auch in sehr kleinem Maßstab. 5600 Krafträder mit Elektroantrieb sind laut Kraftfahrtbundesamt zugelassen, die Zahl hat sich in zwei Jahren nahezu verdreifacht. Auch wenn sich angesichts von vier Millionen Benzinmotoren auf zwei Rädern das Wort von der „neuen Konkurrenz“ verbietet, haben kleinere Manufakturen und Werkstätten nach und nach für eine ansehnliche Auswahl an Elektroalternativen gesorgt.

Vom Stehroller bis zum schnittigen Scooter

Es gibt heute winzige Stehroller mit 20 Stundenkilometern, gemütliche Nostalgie-Gefährte im 60er-Jahre-Design und schnittige Scooter, die schneller fahren als Tempo 80. Das alles geschah recht unauffällig, während Elektroautos und -fahrräder große Themen waren. „Es ist ein Potenzial da, weil das Interesse an Elektromobilität groß ist“, sagte Achim Matern, Sprecher des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland. Elektroroller seien leise, Parkplatzprobleme hätten sie nicht, und die laufenden Kosten seien geringer als beim Benziner. „Es ist einfach billiger, sich an die Steckdose anzuschließen.“ Hürden sieht der Fachmann aber bei der begrenzten Reichweite und beim relativ hohen Preis.

BMW setzt sich mit seinem Großroller nun an die Spitze der Bewegung. Der „C evolution“ ist für Kurzstrecken, Pendler und den Stadtverkehr konzipiert, da man mit voll aufgeladener Batterie nur etwa 100 Kilometer fahren kann. Die Kosten für eine solche Strecke sollen bei zwei Euro liegen. Aufgetankt werden kann dann über das normale Stromnetz, die Ladezeit beträgt bei einer haushaltsüblichen 220-Volt-Steckdose circa vier Stunden. Mittels einer neuen Form von Energierückgewinnung wird beim Gaswegnehmen sowie Bremsen automatisch Strom gespart. Die Spitzenleistung beträgt 47,5 PS, womit eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometer erreicht werden kann. Diese Innovation hat ihren Preis: 15.000 Euro wird der „C evolution“ kosten, was rund 20 Prozent über dem Preis für einen vergleichbaren Benzinroller liegt.

Das BMW-Werk Berlin als Produktionsstandort für Motorräder blickt auf mehr als 45 Jahre Tradition zurück. Bis heute liefen mehr als zwei Millionen Zweiräder von den Bändern. Bereits 1939 wurde Spandau zu einem Standort der BMW AG. Nach Kriegsende wurde das Werk von den Alliierten demontiert, doch bereits im Mai 1945 produzierten etwa 100 Mitarbeiter Gebrauchsgüter für den täglichen Bedarf. Als in München Mitte der sechziger Jahre aufgrund der stark ansteigenden Automobilproduktion über die Verlagerung der Motorradproduktion nachgedacht wurde, war Berlin mit seiner Belegschaft die erste Wahl. Derzeit produzieren etwa 1900 Mitarbeiter täglich bis zu 600 Motorräder in über 40 Farben und 300 Sonderausstattungen.