City West

Das „Bikini Berlin“ hat eröffnet – noch stehen Läden leer

| Lesedauer: 6 Minuten
Raimon Klein und Annika Schönstädt

Das Bikini Berlin in der City West will anders sein als andere Shopping Malls. Das neue Einkaufszentrum begeistert mit Designern und dem Ausblick in den Zoologischen Garten.

In der City West ist am Donnerstag das neue Einkaufszentrum „Bikini Berlin“ eröffnet worden. Gegenüber der Gedächtniskirche gibt es in dem denkmalgeschützten und frisch renovierten Gebäude aus den 50er-Jahren derzeit mehr als 50 Läden – die Vermietungsauslastung liegt damit bei rund 85 Prozent. Auf große Filialisten wurde verzichtet, viele der Geschäfte sind auf Mode und Design spezialisiert. „Mit Zoo Palast und Bikinihaus ist endlich das lang vermisste Geschwisterpaar aus den 50er-Jahren zurückgekehrt“, sagte Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf. Den Spitznamen „Bikinihaus“ erhielt das Gebäude einst wegen des samals offenen Zwischengeschosses.

Von „traumhaft“ und „begeistert“ bis hin zu „überwältigend“ und „super innovativ“ – das Bikinihaus beeindruckte die Besucher bereits am ersten Tag. Besonders gut kam die 7000 Quadratmeter große Dachterrasse an, die einen Ausblick auf die Affen des benachbarten Zoos freigibt. „Da kann ich mir gleich den nächsten Zoobesuch sparen“, scherzt Sven Reinhard. Dem 45-Jährigen aus Schöneberg gefällt vor allem die Idee, dass es im Vergleich zu den normalen Shopping-Centern nur wenige große Modeketten im Bikini gibt. Kehrseite dieser Strategie ist eine nur 85 Prozentige Vermietungsauslastung zum Start.

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Am Morgen wurde das neue Prunkstück der City West nach drei Jahren Bauzeit feierlich eröffnet. Pünktlich um 10 Uhr drückten Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit, Reinhard Naumann, Bezirksbürgermeister von Charlottendorf-Wilmersdorf und Jürgen Büllesbach, Vorsitzender der Geschäftsführung Bayerische Hausbau, den roten Startbutton, der die Türen zu Berlins neuer „Concept Mall“ öffnete. „Bikini Berlin ist ein Baby, das schnell laufen lernen wird“, sagte Jürgen Büllesbach.

Berliner und Touristen drängen ins Bikini

Die Gelegenheit, das neue Bikinihaus als Erste zu besichtigen, ließen sich dann auch viele Berliner und Touristen nicht entgehen. Bereits zur Mittagszeit war das Einkaufszentrum sehr gut besucht. Am Kopf der beliebten Dachterrasse befindet sich der Gestalten Pavillion, ein schickerer Krimskrams Laden mit angrenzendem Café. Das Sortiment reicht von Geschirr, Kunstbänden, Lederwaren bis Spielzeug. Manch einer wundert sich über fehlende Preise an den Produkten.

„Wir waren nicht schnell genug mit auspreisen und machen das jetzt parallel mit der Eröffnung“, erklärt eine der Verkäuferinnen. Allgemein umgibt das Bikini ein Hauch von Unfertigkeit und Entstehungsprozess: Viele Geschäfte sind noch nicht geöffnet, hektische Angestellte schleppen Kisten durch die Gänge und Handwerker schrauben, sägen und hämmern an der Inneneinrichtung. „Leider können wir morgen erst auf machen, da wir ein paar Probleme mit dem Zugang zu Strom und Internet hatten“, sagt der Manager des Pret A Diner im Erdgeschoss.

Bewusst unfertig wirken dagegen die kleinen hölzernen Boxen im Erdgeschoss, in denen Händler ihre Ware wie auf einer Messe nur für kurze Zeit präsentieren. Das senkt ihr Risiko – und soll Abwechslung für Kunden bieten. „Um eine neue Marke zu etablieren und einen Kundenstamm aufzubauen, ist das Konzept der Boxen genau richtig“, sagt Rainer Maria Wittenauer von BAM.Berlin. Im Vergleich zu normalen Läden sei die Miete sehr günstig, das Fernziel bleibe aber ein größeres Geschäft, so der Besitzer des Fashionshops. „Mit gefällt das neue Konzept des Bikini, durch die Boxen haben auch kleinere Designer eine Chance“, findet Marco Justus Schöler aus Moabit.

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Im Gegensatz zu anderen Einkaufszentren liege der Schwerpunkt des Bikini auf dem Kaufen von Kleidung und sei nicht als „halbe Fressmeile“ gedacht. Ingemar Maier hat sich bewusst für eine Box im Bikini entschieden. „Wir wollen alle Kundenschichten ansprechen und nicht nur ein paar Hipster in Mitte“, sagt der Inhaber des „Kleidungsladen“. Auf wenigen Quadratmetern verkauft er nachhaltige und transparent produzierte Mode aus Bayern, Berlin und Dänemark. So können manche Kleider per eingewebten Zahlencode bis zum einzelnen Näher zurückverfolgt werden.

Bikini will sich vom Shopping-Einerlei abheben

Obwohl das Bikini sich mit diesem Konzept von der Shopping-Mall-Konkurrenz abhebt, sind doch einige große Mode-, Lifestyle- und Gastronomie-Marken unter den rund 50 Läden vertreten. Auf den drei Etagen finden sich etwa das amerikanische Sportswear-Label Gant sowie Schiesser, Vans und Carhartt. Verköstigt wird man von Block House, Einstein Kaffee oder einer Kaisers-Filiale, die jedoch erst in zwei Wochen eröffnet. Zwischen der allgemeinen Begeisterung schwingt auch Kritik mit. Das Angebot im Bikini soll hochwertig sein – aber nicht zu luxuriös. Manch einem Konsumenten ist das trotzdem noch zu teuer.

„Die Läden sind doch sehr hochpreisig, daher drücke ich den Betreibern die Daumen, dass das so angenommen wird“, sagt eine ältere Dame aus Mitte. Stefanie ist „gespannt, ob hier wirklich Sachen gekauft werden. Die Dinge in den Läden sind fast zu schön, um angefasst zu werden“, sagt die Schönebergerin beim Verlassen des Bikini. Die Galerien und Kunstgeschäfte im Bikini zielen grade darauf ab, nur bestaunt zu werden. So zeigt der Ausstellungsraum „20.164 Colors“ von Kostas Murkudis dasselbe Kleid hintereinander aufgereiht zigmal in der ganzen Farbenpalette. Im Gegensatz dazu ist die Video-Ausstellung am anderen Ende des ersten Stocks begehbar. Gelegen in einem riesigen dunklen Saal ohne jegliche Möbel werden Kurzfilme zur Entstehungsgeschichte der City West an die kahlen Betonwände projiziert. „Lange wird es aber nicht dauern, bis hier ein Geschäft reinkommt“, sagt einer der Wachmänner.