Eltern können jetzt online noch einfacher und schneller einen Kita-Gutschein beantragen und nachschauen, welche Kita freie Plätze gemeldet hat. Sie müssen dazu auf die Seite der Jugendverwaltung gehen, den Bereich Familie anklicken und dort den Stichpunkt Kita-Betreuung wählen. Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) stellte am Mittwoch den entsprechenden Internetauftritt ihrer Verwaltung vor. Inzwischen nutzen bereits mehr als die Hälfte der insgesamt 1200 Kita-Träger das neue Portal. Bis zum 1. August müssen alle Träger mitmachen.

Die neue Plattform gibt den Kita-Trägern außerdem die Möglichkeit, ein Vormerksystem zu nutzen. Dies ist allerdings freiwillig. Machen die Träger mit, können sie ihre Wartelisten über das System der Jugendverwaltung führen oder aber ihre eigenen Listen mit dem System verbinden. Die Daten werden dann ständig abgeglichen. Scheeres dazu: „Je mehr Träger unser Vormerksystem nutzen, desto effektiver wird es.“

Bisher würden viele Eltern auf mehreren Wartelisten stehen und dort auch bleiben, selbst wenn sie schon längst einen Platz gefunden hätten. Viele Einrichtungen hätten deshalb sehr lange Wartelisten, die aber nicht aktuell seien. „Nutzen die Träger das Vormerksystem, werden Eltern, die einen Kita-Platz bekommen haben, anschließend aus allen anderen Listen gelöscht“, so Scheeres. Das führe zu mehr Transparenz – für Eltern und Kitas.

Großer Mangel an Kita-Plätzen in der Innenstadt, Neukölln und Pankow

Laut Jugendverwaltung machen die Eltern bereits regen Gebrauch davon, Kita-Gutscheine online zu beantragen. Pro Bezirk würden pro Woche 20 bis 30 Anträge gestellt, heißt es. Senatorin Scheeres sagte, dass viele Eltern außerdem die Möglichkeit nutzen würden, sich beim Ausfüllen des Antrages von Mitarbeitern einer Einrichtung helfen zu lassen und den Antrag gemeinsam abzusenden. „Sie müssen später dann nur noch eine Bestätigung mit ihrer Unterschrift an den Bezirk schicken.“

Die Eltern begrüßen das neue System. „Wir appellieren an alle Träger, sich daran zu beteiligen“, sagte Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses Kita. Die neue Plattform würde die Situation für Eltern und Kitas entspannen. „Das Platzproblem wird damit allerdings nicht gelöst“, sagte Heise. Berlin habe nach wie vor zu wenig Kita-Plätze. Vor allem die Innenstadtregionen seien unterversorgt. Großer Mangel herrsche aber auch im Bezirk Neukölln oder in Teilen von Pankow.

„Laut Sozialgesetzbuch haben die Eltern ein Wunsch- und Wahlrecht“, sagte Heise. Davon sei man aber noch weit entfernt. „Die Eltern sind verpflichtet, einen Anfahrtsweg von 30 Minuten in Kauf zu nehmen oder einer Kita zuzustimmen, die auf ihrem Arbeitsweg liegt.“ Das seien oft nicht die Einrichtungen mit dem Wunschprofil und auch nicht die in Wohnortnähe. „Wir fordern den Senat deshalb auf, mehr Kitaplätze zu schaffen und für ausreichend qualifiziertes Personal zu sorgen“, sagte Heise.

Online nach Personal suchen

Roland Kern vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) äußerte sich ebenfalls positiv zur neuen Plattform der Jugendverwaltung. Dass Eltern den Gutschein online beantragen und sehen können, wo Kita-Plätze frei sind, sei sinnvoll. „Wir rufen deshalb alle im DaKS organisierten Träger auf, mitzumachen“, sagte er. Das betreffe rund 600 kleine und mittlere Träger. Man dürfe aber nicht zu viel erwarten, warnte Kern. „Das Grundproblem besteht darin, dass wir zu wenig Kita-Plätze haben.“

Das läge daran, dass mehr Eltern als gedacht den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nutzen würden, der seit dem 1. August in ganz Deutschland gilt. Anspruch hätten Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, auch dann, wenn die Eltern nicht berufstätig sind. „Außerdem werden in Berlin mehr Kinder geboren, als erwartet“, sagte Kern. Das sei erfreulich, verschärfe aber das Problem. Als hilfreich bezeichnete Kern zudem eine weitere Möglichkeit des neuen Systems. „Die Träger können online nach Personal suchen.“ Vielen Einrichtungen würden Erzieher fehlen.

Das Vormerksystem sei ebenfalls sinnvoll, so Kern. „Wir dürfen aber nicht davon ausgehen, dass wir online jemals den Ist-Zustand hundertprozentig abbilden können.“ Gerade kleine Kitas hätten oft keinen Computer zur Hand, wenn Eltern kämen, um sich anzumelden. Die Anmeldung würde erst später registriert. „Hinzu kommt, dass die Eltern nicht verpflichtet sind, sich auf einer Warteliste einzutragen.“ Der Bedarf sei deshalb deutlich größer als er sich auf den Listen darstelle. Kern ermuntert die Eltern aber, den Kita-Gutschein online zu beantragen und sich von Kita-Mitarbeitern helfen zu lassen. „So wird der Gutschein gleich richtig ausgefüllt.“