Energiepolitik

Alliander steigt aus Rennen um Berlins Gasnetz aus

Holländische Kommunen und Provinzen verbieten als Anteilseigner dem Netzbetreiber eine Expansion in Deutschland. Nur noch die Gasag und die landeseigene Berlin Energie geben verbindliche Angebote ab.

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Der holländische Netzbetreiber wird in der kommenden Woche kein verbindliches Angebot für den Betrieb des Berliner Gasnetzes abgeben. „Wir nehmen nicht teil am Wettbewerb um die Gaskonzession“, sagte eine Unternehmenssprecherin am Firmensitz in Arnheim der Berliner Morgenpost. Damit bleiben im Wettbewerbsverfahren um die Gasnetzkonzession nur noch der derzeitige Betreiber Gasag und der landeseigene Betrieb Berlin Energie im Rennen. Am kommenden Montag müssen die verbindlichen Angebote bei der Vergabestelle beim Berliner Finanzsenator eingegangen sein.

Alliander reagiert mit seinem Rückzug auf die starken Bedenken unter seinen Eigentümern. Das Unternehmen gehört holländischen Kommunen und Provinzen und steht so unter Kontrolle von Regionalpolitikern. Die Vertreter der Anteilseigner kamen bei ihrem Treffen am Mittwoch überein, dass die Unternehmensführung von Alliander zunächst in Holland nach Wachstumsmöglichkeiten für Alliander suchen solle. Eine substanzielle Ausbreitung der Kernaktivitäten nach Deutschland stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung. Alliander ist an kleineren Netzen beteiligt, betreibt in Berlin die Verkehrsampeln.

Das Management war hingegen überzeugt, im holländischen Markt mit dem Betrieb von Strom und Gasnetzen für fast 40 Prozent des Landes kaum noch Expansionschancen zu haben. deswegen hatten sie ein Auge nach Deutschland geworfen, um dort ihre im Heimatmarkt erworbene Managementkompetenz und ihre Innovationen im Netzbetrieb zu refinanzieren. Alliander hatte sich unter anderem in Stuttgart, Hamburg und Berlin um Netzkonzessionen beworben, in Stuttgart sind die Holländer aber bereits gescheitert.

Sympathie-Punkte unter Berliner Sozialdemokraten

In Berlin interessierte sich Alliander für die Strom- und für die Gasnetzkonzession. Ein Argument im Wettbewerb gegen die Gasag und Vattenfall war, dass beide Netze gemeinsam günstiger zu betreiben seien als getrennt. Mit ihrem Angebot, auch gerne als Minderheitengesellschafter in eine mehrheitlich landeseigene Netzbetriebsgesellschaft einzusteigen, hatte Alliander-Deutschland-Chef Ton Doesberg in den vergangenen Monaten vor allem unter Berliner Sozialdemokraten Sympathie-Punkte sammeln können.

Für Befürworter einer Rekommunalisierung der Energienetze wäre Alliander ein Partner mit Know-how gewesen. Ob Alliander im kommenden Jahr ein Angebot für das Stromnetz abgibt, scheint zweifelhaft. „Wir müssen prüfen, was unsere nächsten Schritte im Stromverfahren in Berlin und in Hamburg sein werden“, sagte die Sprecherin.

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