Endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis für Sabine Lisicki, 24. Beim WTA-Turnier in Miami gewann die Berliner Tennisspielerin an der Seite von Martina Hingis die Doppelkonkurrenz, im Finale besiegten sie dabei die French-Open-Gewinnerinnen Jelena Wesnina/Jekaterina Makarowa aus Russland. Die frühere Weltranglistenerste Hingis, 33, betreut Lisicki seit Jahresbeginn als Trainerin, die Schweizerin kann sich nun aber auch einen gemeinsames Doppel in Wimbledon vorstellen. Lisickis Fokus liegt aber weiter voll auf dem Einzel. Aber um dort wieder besser zu werden, Matchpraxis zu bekommen, die Nervosität abzulegen und sich an Finals auf dem Centre Court zu gewöhnen, habe sie „bewusst Doppel gespielt“

Berliner Morgenpost: Frau Lisicki, die großen Wimbledon-Tage liegen schon ein Dreivierteljahr zurück. Dem Finaleinzug folgte kein Dauerhoch, es gab viele Rückschläge, es gab viele Verletzungspausen. Sind Sie selbst enttäuscht?

Sabine Lisicki: Natürlich. Ich hätte mir auch gewünscht, dass es mit Spitzenergebnissen weitergeht. Aber ich spielte schon in Wimbledon mit einer Handgelenksverletzung zu Ende. Mir war bewusst, dass es danach hart werden könnte. Aber ich habe das bewusst in Kauf genommen. Wimbledon war einfach zu wichtig für mich.

Berliner Morgenpost: Würden Sie das noch einmal machen?

Sabine Lisicki: Ja, das war es mir wert damals. Ich hätte nie auf das Finale verzichten können. Die Zeit hinterher, die war allerdings sehr frustrierend. Ich konnte fünf Wochen lang keinen Schläger mehr in der Hand halten, der Rhythmus ging dahin, das Selbstbewusstsein auch. Das war schon sehr unglücklich. Es war schwer, die Saison vernünftig abzuschließen.

Berliner Morgenpost: Ihre Verletzungsprobleme nahmen kein Ende. Auch zu Saisonbeginn in Pattaya, später dann auch in den USA, erwischte es Sie schon wieder.

Sabine Lisicki: Ja, aber das hat nichts mit fehlender Fitness oder so zu tun. Es war ein verunglückter Schlag in meinem ersten Match in Pattaya, ein Schlag, den man so verkorkst nur einmal in 100 Jahren macht. Absolutes Pech, und zwar in einem Moment, wo ich dachte: Jetzt kann’s mal wieder so richtig losgehen. Nicht auf dem Platz stehen können, das ist schon bitter dann.

Berliner Morgenpost: Führen Sie die jüngsten Niederlagen auf diese Probleme zurück, den unregelmäßigen Spielbetrieb, die Verletzungen?

Sabine Lisicki: Ich weiß, dass es ganz anders aussehen würde, wenn ich wirklich keine Verletzungssorgen hätte. So fehlt mir einfach das gute, zuversichtliche Gefühl, wenn ich auf dem Platz bin. Auch der Rückenwind durch ein paar gute Ergebnisse. Es ist so, dass ich immer wieder von vorne anfangen muss, fast am Punkt Null.

Berliner Morgenpost: Macht diese Verletzungshäufigkeit Sorge?

Sabine Lisicki: Natürlich beschäftigt mich das. Aber was kann ich gegen die Schicksalsschläge machen – denn darum handelt es sich doch. Ich weiß, dass manche so genannten Experten das auf falsches Training oder zu wenig Training zurückführen, aber das ist Unsinn. Ich arbeite hart genug, in diese Ecke lasse ich mich nicht stellen.

Berliner Morgenpost: Teamchefin Barbara Rittner, die Sie jetzt auch nicht für das FedCup-Halbfinale in Australien nominierte, hat sich gewünscht, dass Sie vielleicht einmal für längere Zeit aussetzen, um sich richtig auszukurieren.

Sabine Lisicki: Ich verstehe ihr Anliegen. Aber man muss auch wieder auf den Platz rausgehen, um Spiele zu bestreiten und nicht den Anschluss zu verlieren. Und ich muss, wenn ich nicht verletzt bin, eben auch meine Pflichtturniere bestreiten. So ist das Gesetz des Circuits. Klar ist aber auch: Ich spiele nicht, wenn der Körper nicht okay ist.

Berliner Morgenpost: Mit dem FedCup-Team, in das Sie sicher zurückkehren wollen, scheint in diesem Jahr Großes möglich.

Sabine Lisicki: Es war eine gewisse Geduldsprobe in den letzten Jahren. Wir alle sind mal als Nummer eins im Team angetreten und haben es dann verbockt. Das waren große Enttäuschungen, aber auch große Erfahrungen für jede. Nun sind wir als Team gestählt, es ist eine große Chance, die sich jetzt auftut. Und wir halten felsenfest zusammen.

Berliner Morgenpost: Nun ist im Trainerteam von Sabine Lisicki eine gewisse Martina Hingis aufgetaucht. Wie ist der Deal mit ihr, und was erwarten Sie sich von ihr?

Sabine Lisicki: Es gibt erst mal Verabredungen für bestimmte Turniere, so wie zuletzt Indian Wells oder Miami – und dann schauen wir, wie das weitergeht. Wir haben beide Spaß an der Zusammenarbeit, wir kennen uns ja auch schon seit langer, langer Zeit. Auch über die Zeit, die ich bei Martinas Mutter in der Schweiz verbracht habe. Ich denke, es geht auch darum, das eigene Spiel zu erweitern, zu verfeinern, neue Impulse zu bekommen. Ich habe schon den Anspruch, mich immer verbessern zu wollen – und da ist es fantastisch, Martina an der Seite zu haben.

Berliner Morgenpost: Als idealer Partner erschien, besonders in Wimbledon, auch der Belgier Wim Fissette. Warum ging diese Allianz in die Brüche?

Sabine Lisicki: Wir haben einfach nicht mehr an einem Strang gezogen. Die Vorstellungen über mein Spiel sind zu sehr auseinandergegangen. Und dann hat es keinen Sinn mehr. Bei Martina und mir herrscht da große Harmonie, es geht nur um Details. Nicht darum, alles auf den Kopf zu stellen. Das geht mit 24, 25 Jahren nicht mehr. Da kann man eine Spielerin nicht total neu erfinden wollen.

Berliner Morgenpost: Ist das auch eine Autoritätsfrage? Hat das, was Hingis Ihnen sagt, mehr Gewicht?

Sabine Lisicki: Das hat nicht nur mit einem großen Namen zu tun. Ich muss einfach nachvollziehen und akzeptieren können, was ein Trainer mir sagt. Es gibt unbewusst schon eine größere Akzeptanz, wenn ein früherer Superstar Dinge analysiert. Aber trotzdem muss man selbst hellwach bleiben, sich selbst eine Meinung bilden. Und schauen, ob das alles passt. Bei Martina bin ich mir da aber sicher.

Berliner Morgenpost: Nun werden Sie seit Ihrer Beziehung zu Oliver Pocher noch genauer von der Öffentlichkeit beobachtet. Nach den Australian Open lautete eine Schlagzeile: Zu viel roter Teppich. Was sagen Sie dazu?

Sabine Lisicki: Das ist schlicht ungerecht und unfair. Ich war im Herbst und Winter dreimal samstags und sonntags bei Terminen, die lange vorher geplant waren. Das hat nicht im geringsten meine Trainingsplanung beeinflusst, ich habe da nicht etwa ein schlechtes Gewissen. Wenn ich zu der „Sportler des Jahres“-Ehrung und zu Wohltätigkeitsbällen geht, ist das für mich auch eine Belohnung. Weil ich weiß, wie viel ich vorher an Arbeit investiert habe.

Berliner Morgenpost: Lesen Sie denn noch, was über Sie geschrieben wird?

Sabine Lisicki: Nee, das habe ich mir abgewöhnt. Ich habe ja selbst ganz gern mal in die Klatschblätter reingeschaut, wenn ich Langeweile hatte. Aber ich lass’ es jetzt sein. Das muss ich nicht haben, dieses Spekulieren und Rumdichten. Ich bin auch selten in Deutschland, so viel bekomme ich dann doch nicht mit.

Berliner Morgenpost: Ist diese Prominenz Ihnen zur Last geworden?

Sabine Lisicki: Ich hatte genug Trubel nach Wimbledon, habe das aber auch genossen. Das hat mir ja Spaß gemacht. Jetzt ist die Situation schon anders. So, dass einem an jeder Ecke irgendwelche Fotografen auflauern. Man läuft mit tief ins Gesicht gezogener Kappe durch die Straße, versucht sich zu schützen. Da muss ich erst noch mit zurechtkommen.

Berliner Morgenpost: Schauen Sie eigentlich schon mal voraus – zu Ihrem Lieblingsort Wimbledon?

Sabine Lisicki: Das ist noch weit weg. Aber eine Vorfreude ist da, auch wenn ich weiß, wie groß der Druck dort sein wird. Aber da hilft mir die Sicherheit, die ich da automatisch mit auf den Platz bringe. Wimbledon gibt mir außergewöhnliche Kraft, ich habe dort ein Urvertrauen.