Gastronomie

Wie ein Biergarten am Tempelhofer Feld zum Politikum wird

Ungeachtet des Frühlingswetters bleibt der „Luftgarten“auf dem Tempelhofer Feld geschlossen - mindestens bis zum Volksentscheid. Senat und Bürgerinitiative streiten – und die Spaziergänger haben Durst.

Foto: Reto Klar

Abgesperrt. Eingezäunt. Unzugänglich. Der große Biergarten auf dem Tempelhofer Feld, nahe dem Eingang am Columbiadamm, ist geschlossen. Ungeachtet des Frühlingswetters und des Sonnenscheins. Kein Bier, keine Cola, kein Eis, kein Steak vom Grill. Ein Saisonbeginn auf Berlins beliebtestem Freizeitgelände sollte anders aussehen. Wo sich sonst Skater, Läufer und Spaziergänger eine Erfrischung holen und auf Bänken im Schatten alter Kastanienbäume genießen konnten, stehen jetzt Zäune. Offensichtlich waren Bauarbeiten vorgesehen, die aber nicht ausgeführt werden.

Die Grün Berlin GmbH betreut das landeseigene Gelände. „Wann der Biergarten wieder eröffnet, kann derzeit nicht beantwortet werden“, sagte Projektmanager André Ruppert am Montag, „da die Rahmenbedingungen zur Fortführung vom Ausgang des Volksentscheids abhängen.“

Das Freiluftrestaurant mit dem Namen „Luftgarten“ befindet sich in der ehemaligen Picknick Area der US-amerikanischen Streitkräfte. Dieses Areal soll umgestaltet werden. „Die geplante bauliche Weiterentwicklung des gastronomischen Bereichs“, so Projektmanager Rippert, „ist nicht vereinbar mit dem Gesetzentwurf der Bürgerinitiative 100 Prozent Tempelhof.“ Um dem Ergebnis des Volksentscheids nicht vorzugreifen, seien alle notwendigen baulichen Maßnahmen kurzfristig ausgesetzt worden.

Die Bürgerinitiative ist empört darüber. Der Senat schließe den Biergarten um den Volksentscheid zu diffamieren, schreibt sie auf ihrer Homepage.

„Ich möchte den Luftgarten nicht missen“

Was langfristig auf dem Picknick-Areal vorgesehen ist, ist in einem Dokument zur Entwicklung der Parklandschaft zu sehen, das unter www.tempelhoferfreiheit.de zu finden ist. Es „bekommt neue Sport- Spiel- und Freizeit-Möglichkeiten“, heißt es in diesem Dokument. „Neben einem breiten Gastronomieangebot entstehen großzügige Spielbereiche und mehrere Beachvolleyballfelder.“ Für den zukünftigen Betrieb des Biergartens laufe eine Vergabeverfahren mit mehreren Teilnehmern, sagte Projektmanager Ruppert.

Dieses Verfahren „konnte aus Rücksicht auf den Volksentscheid noch nicht abgeschlossen werden“. Dabei geht es um die Bebauung des Tempelhofer Felds. Der Masterplan des Senats für die Tempelhofer Freiheit sieht vor, dass sich Stadtquartiere am Rand der Parklandschaft entwickeln. Wohnungen sollen am Tempelhofer Damm, am Südring und an der Oderstraße gebaut werden. Der Plan wurde 2013 öffentlich präsentiert. Die Flächen am Columbiadamm sollen mittelfristig für eine Zwischennutzung mit Sport und Kultur zur Verfügung stehen.

Ziel sei es, nach dem Volksentscheid die geplanten Maßnahmen so schnell wie möglich zu realisieren, sagte Projektmanager Ruppert. Die Grün Berlin GmbH habe im Rahmen ihrer Aufgaben zur Parkbewirtschaftung ein großes Interesse daran, zur restlichen Saison ein Gastronomie-Angebot in der Picknick Area bereitstellen zu können.

Parkbesucher, die enttäuscht vor den geschlossenen Biergarten stehen, können die offiziellen Informationen zur Schließung auf einer Plane am Bauzaun lesen. So auch Sabine Gesse, 50, und Andrea Kirchbaum, 43, die am Montagnachmittag zum Luftgarten kamen. Bei ihrem Spaziergang über das Tempelhofer Feld hätten beide eigentlich gern dort Rast gemacht. Sie waren enttäuscht. „Wir sind extra deshalb gekommen. Das ist sehr bedauerlich, ich möchte den Luftgarten nicht missen“, sagte Sabine Gesse. Von Liegestühlen, Fußball- und Bocciaturnieren im Sommer, Kaffee und Kuchen beim Kaminfeuer im Winter erzählte Andrea Kirchbaume. „Das Angebot war super und es herrschte immer eine tolle Atmosphäre.“ Vor allem beim Public Viewing zu großen Fußballturnieren, „da waren bestimmt 500 Leute da“.

Gastronomiewagen sichern die grundlegende Versorgung

„Man hat gemerkt, dass die Besitzer in letzter Zeit nicht mehr viel in das Geschäft investierte haben“, sagte Gesse, „sie haben gesagt, dass sie abwarten wollen, ob sie schließen müssen oder nicht“.

Beide Tempelhoferinnen wissen bereits, wie sie beim Volksentscheid im Mai abstimmen wollen: „Wir sind gegen eine Bebauung. Wir haben das Gefühl, dass der Senat über den Kopf der Bewohner hinweg entscheidet.“

Doch die Sportler und Spaziergänger auf dem riesigen Freizeitgelände müssen nicht ganz ohne Getränke und Essen auskommen. „Um eine Grundversorgung zu gewährleisten, werden aktuell mobile Gastronomiewagen eingesetzt“, sagte Projektmanager Ruppert. Kritik am bisherigen Betreiber des Biergartens äußerte er nicht. „Die Grün Berlin GmbH sei mit ihm zufrieden gewesen, so Ruppert weiter.

Betreiber ist die BMB Solutions GmbH mit Sitz in Mitte. Anfragen dieser Zeitung zur Schließung des „Luftgartens“ wurden am Montag nicht beantwortet. Die Ambiente und Attraktivität des bisher gut besuchten Biergartens waren am Montag noch auf den Fotos der Internetseite www.luftgarten-berlin.de zu sehen. „Unser Angebot ist amerikanisch orientiert, wie es sich für ein BBQ vor dem ehemaligen Offizierskasino der US-Streitkräfte gehört“, heißt es.

Biergarten könne jederzeit Betrieb aufnehmen

Die BMB Solutions GmbH führt mehrere Cafés und Restaurants in Berlin, darunter den bayerischen Biergarten „Maria und Josef" an der Hans-Sachs-Straße in Lichterfelde, die Humboldt-Terrassen in der Humboldt-Box an der Schloss-Baustelle sowie Cafés im Neuen Museum und in der Neuen Nationalgalerie.

Die Situation am vergangenen sonnigen Wochenende auf dem Tempelhofer Feld beschreibt Margarete Heitmüller von der Initiative 100% Tempelhof. „ Als wir Flyer verteilt haben, kamen viele Leute zu uns und sagten, sie verstehen nicht, warum der Biergarten zu ist.“ Er sei immer gut besucht gewesen. Man habe sich mit Freunden und Bekannten getroffen. „Jetzt gibt es Wagen mit Hotdogs und Getränken auf dem Gelände. Aber das ist kein Ersatz.“

Mitarbeiter des Biergarten-Betreibers hätten ihr gesagt, dass der Biergarten startklar sei und jederzeit öffnen könne, sagte Heitmüller.