Sanierung

40 Berliner Brücken müssen komplett neu gebaut werden

Eine bislang geheime Liste nennt erstmals alle 79 Brücken, die in Berlin akut sanierungsbedürftig sind. Bei der Hälfte der Bauwerke sind die Mängel so gravierend, dass sie neu gebaut werden müssen.

Foto: Reto Klar

Seit Januar dürfen nur noch kleine Busse und Lastwagen über die Freybrücke in Spandau rollen, weil sie nicht mehr standsicher ist. Vorübergehend wurde dort sogar der gesamte Verkehr eingestellt. Dass die Brücke über die Havel in beklagenswert schlechtem Zustand ist, ist kein Geheimnis. Schließlich müssen sich seitdem zehntausende BVG-Kunden in kleine Busse quetschen und LKW-Fahrer Umwege in Kauf nehmen.

Doch welche weiteren Brücken in der Hauptstadt akut sanierungsbedürftig sind, war bislang einzig der Senatsverkehrsbehörde bekannt. Erst auf hartnäckiges Nachfragen rückte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) jetzt die Liste heraus, in der alle 79 betroffenen Bauwerke namentlich und mit der genauen Angabe der Mängel aufgelistet sind.

In der Liste sind 40 Brücken benannt, die komplett neu gebaut werden müssen. Weitere 39 Brücken werden für Instandhaltungsmaßnahmen aufgelistet. Zu den betroffenen Bauwerken zählen viele hochfrequentierte Verkehrsverbindungen wie etwa die Bösebrücke, die im Zuge der Bornholmer Straße über die Gleise der Fern- und S-Bahn führt.

20 Bauprojekte für Brücken werden vorbereitet

Dass die bislang geheime Liste jetzt veröffentlicht werden kann, ist der Beharrlichkeit des grünen Abgeordneten Harald Moritz zu verdanken. Der hatte die Behörde von Bausenator Michael Müller (SPD) wiederholt mit parlamentarischen Anfragen eingedeckt, um an die komplette Aufstellung der baufälligen Brücken zu kommen. „Auf diese Liste musste ich gut vier Monate warten“, so Moritz.

Derzeit sind nach Auskunft der Senatsverwaltung rund 20 Bauprojekte für Brücken und Tunnel in der Vorbereitung. Zudem gibt es gut 30 Projekte, die bereits im Bau seien. „Diese sind deshalb in der Liste nicht aufgeführt“, so Behördensprecherin Daniela Augenstein. Zu den nicht aufgeführten Brücken gehören neben der Spreebrücke auch die eingangs erwähnte Freybrücke.

Im Doppelhaushalt 2014/2015 seien pro Jahr 8,5 Millionen Euro für die Instandhaltung der Brücken eingeplant, so Augenstein weiter. Rund 44 Millionen stünden zudem für den Bau von Ersatzbrücken zur Verfügung. Dazu kommen 2014 noch rund 90 Millionen Euro an Bundesmitteln für den Brückenneubau. Zum Vergleich: Allein der Ersatzneubau der Freybrücke kostet 33 Millionen Euro.