Potsdamer Platz

Eltern wollen gegen häufigen Unterrichtsausfall protestieren

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Florentine Anders

Foto: Reto Klar

Ab 16 Uhr wollen Lehrer, Eltern und Schüler gemeinsam für eine bessere Schulqualität in Berlin demonstrieren. Die Unterrichtsversorgung soll durch qualifiziertes Personal sichergestellt werden.

Katja Blocksdorf ist Mutter und engagiert sich an der Grundschule am Humboldthain in Mitte. Sie hätte bis vor Kurzem selbst nicht geahnt, dass sie eine berlinweite Protestkundgebung gegen Unterrichtsausfall und sinkende Schulqualität organisieren würde. Auslöser war der Lehrermangel an der Schule ihrer beiden Kinder. Von 60 Lehrern fehlten Ende Februar 17. Der Ganztagsbetrieb konnte nicht mehr stattfinden. Schließlich war kaum noch qualifizierter Unterricht möglich.

Katja Blocksdorf wollte diesen Zustand nicht hinnehmen: Die Gesamtelternvertreterin suchte Verbündete. Sie gründete die Elterninitiative „Ohne Bildung keine Zukunft“ mit einer eigenen Facebook-Seite, verteilte Flyer und stemmte schließlich die Kundgebung für bessere Schulqualität, die an diesem Donnerstag um 16 Uhr am Potsdamer Platz stattfindet.

An der Veranstaltung beteiligen sich nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer und Schülervertreter. Die Lehrerinitiative „Bildet Berlin!“ will auf der Kundgebung ein Qualitätspaket vorstellen, das die Forderungen der Eltern aufnimmt. Auch Robert Rauh vom Lichtenberger Barnim-Gymnasium, der amtierende Träger des Deutschen Lehrerpreises, will sich beteiligen.

Vertretungsreserve von zusätzlich zehn Prozent

Die Forderungen der Eltern klingen wie Selbstverständlichkeiten: Sie wollen vor allem, dass die Unterrichtsversorgung sichergestellt wird – und zwar durch qualifiziertes Personal. Dafür müssten die Schulen eine Vertretungsreserve von zusätzlich zehn Prozent erhalten. Nur so könnten erkrankte Kollegen zeitnah und fachgerecht ersetzt werden.

Dass eine solche Vertretung derzeit nicht möglich ist, erleben die Eltern täglich. Trotz des öffentlichen Medienwirbels hat sich nach Aussagen der Eltern an der Humboldthain-Grundschule bis heute nicht viel geändert. Noch immer würden häufig Lehrer fehlen – in vielen Stunden sei lediglich eine Betreuung, aber kein Unterricht möglich. Gerade für Schulen in sozialen Brennpunkten ist es offenbar kaum möglich, Vertretungskräfte zu finden. Die Elternvertreter befürchten, dass sich diese Situation im kommenden Schuljahr noch verschärfen werde.

1800 Laufbahnbewerber und 2100 Quereinsteiger in Berlin

Für die etwa 2400 benötigten zusätzlichen Lehrer gibt es nicht genügend Fachkräfte. Deshalb sind auch Quereinsteiger aufgerufen, sich zu bewerben. Derzeit ist das Interesse von Seiteneinsteigern, an einer Berliner Schule zu arbeiten, größer als von ausgebildeten Fachkräften. Nach Angaben der Bildungsverwaltung gibt es 1800 Laufbahnbewerber und 2100 Quereinsteiger. Zum Vergleich: Berlins Nachbarland Brandenburg vermeldet schon 4000 Laufbahnbewerber. Dort werden alle Lehrer verbeamtet.

Unmut gibt es unter den Eltern auch wegen der ungenügenden Reinigung vieler Schulgebäude. Nachdem in Friedrichshain eine Schule wegen akuter Hygienemängel kurz vor der Schließung stand, hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im Februar die AG Schulreinigung einberufen, die viele Akteure an einen Tisch holte. Den Hoffnungen, dass in dieser Arbeitsgemeinschaft mithilfe der Senatsverwaltung auch eine für alle Bezirke brauchbare Musterausschreibung mit festgelegten Qualitätskriterien entwickelt wird, hat Staatssekretär Mark Rackles eine Absage erteilt. Eine solche Musterausschreibung sei zwar sinnvoll, dafür seien aber federführend die Bezirke zuständig. Die Senatsbildungsverwaltung könne allenfalls beratend zur Seite stehen.