DNA-Tests und eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro sollen im Fall eines toten Säuglings in Neukölln den Durchbruch bringen. Darauf setzen Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft.

Die stark verweste Leiche des getöteten Mädchens war am Freitag, den 5. April 2013, von zwei Mitarbeitern einer Recyclingfirma an der Wildenbruchstraße/Ecke Hüttenroder Weg in Berlin-Neukölln entdeckt worden. Die beiden 25 und 35 Jahre alten Männer hatten die Leiche des Säuglings, die in ein Handtuch gewickelt war und in einem Plastiksack steckte, gefunden, als sie gegen 11.40 Uhr den Altkleidercontainer entleeren wollten. Wie üblich, hatten sie die hineingeworfenen Tüten und Säcke geöffnet und dabei das tote, neugeborene Mädchens entdeckt.

Die Mitarbeiter der Mordkommission des Landeskriminalamtes, die sich infolge der Ermittlungen dem kleinen Mädchen besonders verbunden fühlen, gaben ihm den Namen Sara. Am 16. Mai 2013 wurde Sara das „Wildenbruch-Baby“ auf dem Alten St. Michael-Friedhof in Neukölln beigesetzt.

Freiwillige Speichelproben

Doch auch ein knappes Jahr nach dem grausigen Fund hat die Berliner Polizei keine Spur zur Mutter des Kindes sowie zu den Umständen seines Todes. Und das, obwohl umfangreiche Ermittlungen erfolgten, bei denen zahlreiche Personen und Institutionen aus dem Umfeld um Mithilfe gebeten wurden.

So wird nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft zur Identifizierung der Mutter seit geraumer Zeit eine DNA-Reihenuntersuchung durchgeführt. An ihr haben sich bislang mehr als 400 Frauen zwischen etwa 20 und 40 Jahren beteiligt. Dabei werden Personen im näheren Umfeld des Fundortes um eine freiwillige Speichelprobe gebeten, um den Kreis der Frauen, die als Mutter in Frage kommen, nach dem Ausschlussprinzip einzuengen.

Die DNA-Tests soll in den kommenden Tagen auch auf jüngere Frauen im Alter ab 14 Jahren und ältere Frauen bis 60 Jahren ausgeweitet werden. Sie würden ein entsprechendes Schreiben der Polizei erhalten, heißt es. In einem Informationsblatt weist die Polizei darauf hin, dass die Probe freiwillig abgegeben wird. Allerdings könne ein Gericht auch eine zwangsweise Abgabe anordnen, wenn es einen konkreten Verdacht gibt. Bisher habe es allerdings noch keinen derartigen Beschluss gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite der Polizei.

Die Polizei hat diese Fragen

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat zudem für Hinweise, die zur Aufklärung der Straftat und Identifizierung der Mutter führen, eine Belohnung in Höhe von bis zu 5000 Euro ausgelobt. Die 8. Mordkommission bittet die Bevölkerung um Mithilfe und hat folgende Fragen zum „Wildenbruch-Baby“ :

- Wer hat zwischen dem 27. März 2013 und dem Auffinden des toten Säuglings am 5. April 2013 im Bereich des Altkleidercontainers etwas Verdächtiges gesehen oder bemerkt?

- Wer hat Personen im genannten Zeitraum bei der Altkleiderspende oder mit einem blauen Plastiksack gesehen?

- Wer kennt schwangere Frauen, die offensichtlich vor diesem Zeitraum entbunden haben und danach kein Kind in ihrer Obhut hatten?

- Wer kann Hinweise zu dem abgebildeten Handtuch (siehe auch unter diesem Artikel) machen, in welches das Kind unter anderem eingewickelt war.

- Wer kann sonst sachdienliche Hinweise geben?

Aus vergleichbaren Fällen wisse man, so die Polizei, dass sich Mütter in einer ausweglosen Situation sahen und sich nicht zu helfen wussten. Saras Mutter sowie ihre Verwandten und Freunde werden eindringlich gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Hinweise nimmt die 8. Mordkommission beim Landeskriminalamt Berlin in der Keithstraße unter der Telefonnummer (030) 4664-911888 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass die Zuerkennung und Verteilung der Belohnung unter Ausschluss des Rechtsweges erolgt. Sie ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört, bestimmt.

sei/dpa