Man kann wohl nicht sagen, dass sich der deutsche Beamte von einem Übermaß an Liebe und Hochachtung erdrückt fühlen muss. Dazu muss man gar nicht erst die endlosen Listen von Beamtenwitzen zu studieren, die das Netz bereithält. („Treffen sich zwei Beamte auf dem Flur. Sagt der eine: Kannst Du auch nicht schlafen?“).

Nein, es genügt eine x-beliebige Straßenumfrage, wie man sie am Montagabend in Frank Plasbergs „Hart aber fair“ in der ARD mitansehen konnte. Passanten wurden angesichts der aktuellen Ver.di-Streiks gefragt, ob sie das denn gut fänden, wenn es künftig mehr Geld gebe für Krankenschwestern, Müllwerker und Busfahrer. Ja klar, sagten die, das sei doch ein berechtigtes Anliegen.

Dann erklärte der Reporter, von solchen Lohnerhöhungen werde aber auch der gemeine Beamte profitieren. Geräusper, Stirnrunzeln, Ablehnung. „Die haben doch eh schon genug“, murmelte einer.

Allgemeines Unbehagen

Woher kommt es eigentlich, das allgemeine Unbehagen am Berufsbeamtentum, dieser schon 1794 im Preußischen Allgemeinen Landrecht geschaffenen Einrichtung des Staatsdieners? Vielleicht ist es ja schon allein dieses erhebliche Alter und die Frage, wie zeitgemäß es überhaupt noch ist. Nicht von ungefähr nannte es Dirk Hoeren, Chefkorrespondent der „Bild“-Zeitung, ein „Relikt aus uralten preußischen Zeiten“.

Und was genau ist unzeitgemäß? Die Unkündbarkeit der Beamten vielleicht, von der ein durchschnittlicher Angestellter nur träumen kann? Sie fand ihre Verteidiger vor allem im Armin Laschet, dem NRW-Landesvorsitzenden der CDU - und in Lilli Lenz, der Vorsitzenden des Beamtenbundes in Rheinland-Pfalz. Beide hoben auf die besondere loyale Bindung ab, die ein Beamter dem Staat gegenüber entwickeln müsse. Weshalb er ja im übrigen auch nicht streiken dürfe. Außerdem seien die Beamten - der Justizbeamte, der Lehrer, der Polizist - mit hoheitlichen Aufgaben betraut, und die könne man nun mal nicht kündbaren oder streikbereiten Angestellten überlassen.

Ankunft der Fragezeichen

Es gelang dem Rest der Runde schnell, ein paar mittelgroße Fragezeichen an den Rand dieser Darstellung zu setzen. Stefan Sell etwa, Professor für Volkswirtschaftslehre und Sozialpolitik, rechnete vor, dass schon 24 Prozent der Lehrer heutzutage Angestellte sind. Und er stellte die Frage, warum der deutsche Beamte trotz des demografischen Wandels, trotz der galoppierenden Überalterung der Gesellschaft immer noch von der Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse befreit sei, obwohl dies in Ländern wie der Schweiz und Holland längst erfolgreich praktiziert werde.

Das ist in der Tat schwer zu vermitteln: Ein deutscher Beamter muss nur 5 Jahre zu arbeiten, um einen Pensionsanspruch von 1500 Euro zu erwerben. Während ein Angestellter nach derzeit gültigen Sätzen 45 Jahre in die Kasse einzahlen muss, um von der Bundesanstalt für Angestellte monatlich 1260 Euro zu erhalten. Tendenz schrumpfend. Dass sich hier schnell das Gefühl breitmachen kann, ungerecht behandelt zu werden und über Gebühr unter dem Wandel zu leiden: Das konnte in der Runde niemand bestreiten.

Spontanes Gelächter

Widerspruch gab es nur dagegen, dass der Beamte als solcher ein eher langmütiges Verhältnis zu Fragen der Arbeitsdisziplin habe. Lilli Lenz verwahrte sich tapfer dagegen - obwohl sie übrigens als Vorsitzende des Beamtenbundes auch nur angestellt ist. „Ein Beamter ist 24 Stunden am Tag im Dienst!“, rief sie ins Publikum, das darauf mit spontanem Gelächter reagierte. Dass sie den Satz dann postwendend auf einige Beamte wie etwa den Polizisten im Einsatz beschränken wollte, half auch nicht mehr viel: Würde denn ein angestellter Polizist die Waffe bei Schichtende fallen lassen und den Verbrecher einfach ziehen lassen?

So bleibt das Beamtentum unter Rechtfertigungsdruck, vor allem wegen der Zahlungen im Ruhestand, die den Staat eklatante Summen kosten. Mit wem sie am liebsten tauschen würden, wurden die Teilnehmer am Ende gefragt, und prompt hieß es, die Pensionsansprüche von Herrn Maschet seien sicher ziemlich attraktiv. Er aber konterte prompt: „Die Gehälter von Herrn Plasberg und Herrn Hoeren sind sicher auch nicht zu verachten.“