Straße des 17. Juni

40 Jahre Stöbern und Feilschen auf dem Flohmarkt

Michael J. Wewerka brachte den Flohmarkt nach Berlin. An diesem Wochenende besteht sein Kunst- und Trödelmarkt an der Straße des 17. Juni 40 Jahre. Brigitte Schmiemann sprach mit ihm über die Anfänge.

Foto: David Heerde

Berlins Trödelmärkte – es gibt rund 60 – sind nicht nur für Berliner attraktiv, auch Touristen schätzen sie. Der Berliner Michael J. Wewerka, der als Pionier der Flohmärkte gilt, feiert an diesem Wochenende das 40-jährige Bestehen seines Kunst- und Trödelmarkts an der Straße des 17. Juni. Wewerka gilt als Erfinder des ersten Berliner Trödelmarktes. Mit dem heute 77-Jährigen sprach Brigitte Schmiemann.

Berliner Morgenpost: Herr Wewerka, 1974 war es üblich, dass alte Möbel einfach auf dem Bürgersteig entsorgt werden konnten und nach einer Weile von der BSR abgeholt wurden. Ganze Studentengenerationen haben sich so ihre Einrichtung statt von Ikea von der Straße geholt. Wie kamen Sie auf die Idee, daraus ein Geschäft zu machen?

Michael J. Wewerka: Ich hatte mit meiner damaligen Freundin an der Danckelmannstraße eine Ladenwohnung gemietet. Wir waren aus der WG geflogen, weil wir nicht mit den anderen ständig im Schlosspark spazieren gehen wollten. Vor unserer neuen Wohnung lag haufenweise Sperrmüll, eben auch sehr gute Sachen. Ein paar Häuser weiter machte ich bald mein erstes Möbelgeschäft auf.

Und wie ging es weiter?

Dann hörte ich von einem Freund, dass es in Hannover einen Markt gebe, auf dem man solche Sachen verkaufen könne. Also kaufte ich einen Lastwagen, einen Ford Transit, packte ihn voll und kam jedes Mal leer nach Berlin zurück. Nach einiger Zeit hab ich dann gedacht, warum soll ich immer nach Hannover fahren, da war die Idee eines Flohmarkts in Berlin geboren.

Wo fingen Sie an?

Meinen ersten Trödelmarkt organisierte ich 1974 auf dem Sophie-Charlotte-Platz, etwas später auf dem Nassen Dreieck ganz in der Nähe und dann auf dem Klausenerplatz. Seit 1978 bin ich auf der Straße des 17. Juni zwischen Ernst-Reuter-Platz und S-Bahnhof Tiergarten.

Sie gelten als Selfmademan, Kunstliebhaber, haben als Autoschlosser, Bus- und Taxifahrer gearbeitet, studiert, bis sie ihre Bestimmung im Trödeln fanden. Heute vermieten Sie die Stände nur noch, verkaufen nicht mehr selbst. Ihr Trödel- und Kunstmarkt hat den Ruf vielfältig und interessant, aber auch teuer zu sein. Wie sehen Sie das?

Das stimmt nicht. Wir haben jede Preisklasse. Man muss schon ein bisschen handeln. Früher galt das ja als unfein, aber bei uns gehört das dazu.

Was bedeutet für Sie das Trödeln?

Trödeln ist eine Frage des Stils. Leute, die trödeln, mögen Tradition, haben einen Hang zum Besonderen. Wir haben es erlebt, dass zwischen Modeschmuck ein Brillantring gefunden wurde.

Und was war Ihr bestes Schnäppchen?

Ich habe kürzlich eine Arbeit von Wolf Vostell gekauft. Der Händler hatte den Wert des Bildes nicht erkannt. Ich hab ihm hinterher aber noch etwas Geld gegeben. Das war mir dann doch peinlich.

Mehr Informationen auch zum Feierprogramm im Internet unter:

www.berlinertroedelmarkt.com