Heidi Klum zelebriert ihr Auswahlverfahren für angehende Schönheitsköniginnen inzwischen in der neunten Staffel. Ein paar kleine Falten und Altersflecken trägt das Format schon mit sich herum, doch es gibt immer noch etwas, das so schön strahlt wie am ersten Tag: die Sprache. Denn nur hier werden Sätze wie die folgenden geboren.
1. „Wir ziehen die Übung durch und am Schluss kommt der finale Move”
Die Models sollen in einer klassischen Alltagssituation fotografiert werden: Beim Verprügeln eines Kellners. Vorher erhalten sie Unterricht, wie man das besonders gut vortäuscht. Dann prügeln sie vor dem Fotografen mit Zuckerglasflaschen und Blechtabletts auf ein Kellnermodel ein, finaler Move inklusive. Der Rest der Mädchen sitzt abseits und schämt sich für den Radau.
2. „Das war wirklich, wirklich lustig”
Das sagt ein Mädchen über ein anderes, das dem Kellnermodel gerade eine Handvoll Spaghetti ins Gesicht geworfen hat. Ihr Augenrollen ist nur den kleinsten Bruchteil eines Sekundenbruchteils zu sehen. Die hohe Kunst des vergifteten Kompliments, wie sie nur Frauen beherrschen. Sie hätte auch sagen können: “So mutig von ihr. Ich hätte mich das niemals getraut.”
3. „Wenn Du gleich so hysterisch anfängst, dann gibt’s keine Steigerung”
Sagt Heidi Klum zur Kandidatin Nathalie. Was wie die Lebensweisheit eines Models an der Pensionsgrenze klingt, ist allerdings berechtigt: Denn Nathalie ist eben in der Tat furienhaft ausgerastet und hat nicht nur den Kellner, sondern auch sich selbst komplett mit Wein durchnässt.
4. „Es war Hammer”
Universell einsetzbare Formel zur Beschreibung des eigentlich Unbeschreiblichen, gern verbunden mit um Fassung ringender Gestik. In diesem Fall der Auslöser: ein Strandspaziergang. Gebraucht von Aminata, aber auch gern verwendet von allen übrigen Kandidatinnen in allen nur denkbaren Lebenslagen.
5. „Augenbrauen sind ja auch ein Riesenstatement momentan”
Wer würde das bestreiten wollen? Visagist Boris Entrup spricht hier eine elementare Wahrheit ganz gelassen aus. Doch statt über die Geschichte der Augenbraue von Bismarck bis Theo Waigel und Martin Walser zu sinnieren, führt er uns ein in die exotische Welt der Schminktipps. Er nimmt erst den Concealer, dann den superschön deckenden Eyeliner.
6. „Ich finde, für Karriere braucht man keine Freunde.”
Nathalie ist erst 16 Jahre alt und Schülerin aus Soltau, aber auf die großen Fragen des Lebens hat sie schon sehr einfache Antworten gefunden. Die ganze Sendung kreist um sie wie um eine kleine Sonne: Zuerst überwirft sie sich mit ihrer Freundin Lisa aus Ilfeld, von der sie allerdings mehrfach behauptet, sie sei eigentlich gar keine Freundin. Trotzdem zieht Lisa irgendwann aus den gemeinsamen Räumen aus. Nathalie glänzt dann mit weiteren Selbstgewissheiten wie „In meinen Augen war die Beste beim Shooting ich selber“ oder einer existenzphilosophischen Frage, gerichtet ebenfalls an die geplagte Lisa: “Du weißt ja, dass ich gut bin. Gönnst Du mir das oder willst Du trotzdem gewinnen?“
7. „Wir suchen einen Sonnenschein, der tanzen kann”
Die Mädchen proben Werbung für einen Instant-Chai-Tea. Sie sollen ihn trinken und das Erlebnis der exotischen Gewürze wie Kardamom oder Nelke glaubhaft vermitteln. Die Geschmacksexplosion soll deutlich auf ihren Gesichtern zu lesen sein. Viele der Mädchen scheitern schon daran, dass es gar keine Geschmäcker gibt, die explodieren könnten, in den Bechern ist nämlich nur Luft. Am Ende gewinnt das Mädchen mit den blauesten Augen.
8. „Seid ihr auch so glücklich?”
Fragt Nathalie ihre Konkurrentinnen, nachdem sie wieder einmal in einer Runde gewonnen hat, die anderen aber nicht. Ihr Einfühlungsvermögen ist doch erstaunlich; sie wird weit damit kommen. Schon allein, weil das Skript der Show ganz offensichtlich stark auf ihren Unterhaltungswert setzt.
9. „Dein Röckchen ist hinten auf”
Einer der fortgesetzten Versuche des Fotografen, Heidi zu verunsichern. Man merkt, dass sie es mit der Schlagfertigkeit nicht so hat: Mehr als ein lahmes “Das ist beabsichtigt” fällt ihr nicht ein. Der Fotograf muss nur eine kleine Schippe drauflegen (“Dein Atem riecht nach Matzeballen”), und sie ist sprachlos.
10. „Ich habe heute leider kein Foto für Dich”
Das Ritual ist stets dasselbe: Heidi monologisiert minutenlang, sie dosiert Hoffnung, injiziert Zweifel, muntert dann wieder auf, kontert mit scharfer Kritik, kontrastiert wiederum mit Lob – und dann das Fallbeil: Kein Foto, keine nächste Runde, das Spiel ist aus. Diesmal traf es Sainabou, eine 16-jährige Schülerin aus dem Bremer Stadtteil Gröpelingen. Sie ertrug es deutlich gefasster als die 18-jährige Aminata aus Bergisch-Gladbach, die zwar Heidis Gnade fand, aber in deutlich heftigeres Schluchzen ausbrach. Die Gefühlsausbrüche in dieser Sendung bleiben ein Mysterium, zumindest für Männer.




