Nach dem Auftauchen eines Skandal-Videos von Berliner Polizisten vor einigen Wochen will Polizeipräsident Klaus Kandt eine Wiederholung unbedingt verhindern. Derzeit führe er Gespräche mit leitenden Beamten, um zu klären, wie die Verbreitung der alten Aufnahmen oder erneute Filme unterbunden werden könnten, sagte Kandt am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

In einem internen Brief an alle 16.000 Polizisten forderte Kandt, sich „im Beruf und Privaten so zu verhalten, dass unser Handeln keinen Zweifel aufkommen lässt“. Der berechtigte Anspruch, vom Bürger mit Respekt behandelt zu werden, beinhalte eben auch Verpflichtungen. „Ich gehe davon aus, dass diese Videos der Vergangenheit angehören.“

Zweifelhafte DVDs als Abschiedsgeschenke

Kürzlich in Medien veröffentlichte Szenen zeigten Polizisten beim gespielten Sex mit einem als Osama bin Laden verkleideten Mann. Andere Polizisten trippelten in Strapsen durch Dienstzimmer.

Laut Kandt stammen die zweieinhalb Stunden langen Videoaufnahmen aus den Jahren 1992 bis 2005. Sie wurden von Mitgliedern einer sogenannten Einsatzhundertschaft gefilmt. Die gesammelten Szenen seien 2007 auf DVD gebrannt worden. Bei der Auflösung der Einsatzhundertschaft im gleichen Jahr seien etwa 130 DVDs als Abschiedsgeschenke verteilt worden. Als Verstöße gegen das Disziplinarrecht sind die Aufnahmen verjährt.

Kandt betonte am Montag erneut: „Die Grenze des Geschmacks ist bei einigen Szenen bei weitem überschritten.“ Macho-Kultur und Sexismus sei bei der Polizei nicht akzeptabel. Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte die Filme im Februar scharf kritisiert.

dpa/ap