Berlin intensiviert seine Anstrengungen, ehemalige Soldaten für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. Bei den Verantwortlichen für die Personalentwicklung im Land Berlin rücke die Suche nach Beschäftigten aus der Bundeswehr zunehmend ins Blickfeld, heißt es in der Antwort von Innensenator Frank Henkel (CDU) auf eine Parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber. So seien 2013 verstärkt Senatsverwaltungen oder auch Gerichte bei Job- und Bildungsmessen der Bundeswehr vertreten gewesen.

Auch Feuerwehr und Polizei hätten in den letzten Jahren ihre Anstrengungen „deutlich intensiviert“, im Rahmen der Berufsinformation Werbung für ihre Jobs zu machen, so Henkel weiter. In den vergangenen drei Jahren seien bereits 82 ehemalige Bundeswehrangehörige bei der Polizei eingestellt worden, für die kommenden Neueinstellungen bei der Polizei im Frühjahr dieses Jahres liegen demnach sogar 139 Bewerbungen von Bundeswehrangehörigen vor.

Auch die Feuerwehr rekrutiert inzwischen einen Anteil ihrer Neueinstellungen bei der Bundeswehr, laut Henkel waren es in den vergangenen drei Jahren 98 ehemalige Soldaten, die eingestellt wurden. Für die Neueinstellungen im Frühjahr hätten bereits weitere 19 Zusagen erhalten.

Stellenabbau bei der Bundeswehr

Erleichtert werde der Einstieg durch eine Entscheidung der Innenverwaltung von 2009, eine vierjährige Dienstzeit bei der Bundeswehr einer abgeschlossenen Berufsausbildung gleichzustellen, so Henkel. Gerade für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst, für den eine Ausbildung Voraussetzung ist, sei das ein „nennenswerter Anstoß“ für Bewerbungen gewesen.

Der SPD-Innenpolitiker Schreiber begrüßte die Anstrengungen als „richtigen und vernünftigen Weg“. „Die Bundeswehr muss Stellen abbauen, angesichts der Nachwuchssorgen im öffentlichen Dienst in Berlin ist es nur richtig, bei den Ex-Soldaten gezielt zu werben“, sagte er der Berliner Morgenpost. „Gerade bei Polizei und Feuerwehr können wir ehemalige Bundeswehrsoldaten gut gebrauchen.“

Im öffentlichen Dienst in Berlin droht in den kommenden Jahren Personalmangel. Bis zum Jahr 2019 geht jeder vierte Beamte oder Angestellte in den Ruhestand. Seit Jahren warnen die Gewerkschaften vor einer erheblichen Personallücke im öffentlichen Dienst in Berlin aufgrund dieser Pensionierungswelle. Auch der Senat hat inzwischen das Problem erkannt. Allerdings gibt es bis heute kein konkretes Personalkonzept, wie Tausende Beamte in den nächsten Jahren eingestellt werden könnten.

cbr