Autodieb oder Autoknacker, das sind Begriffe aus der Umgangssprache, in eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gehören sie offenbar nicht hinein. Dort werden Menschen, die es gewerbsmäßig auf die Autos anderer abgesehen haben, als „aktive Fahrzeugentwender“ bezeichnet. Ein solcher Fahrzeugentwender steht seit Dienstag in Moabit vor Gericht. Der 21-jährige Michal F. soll Mitglied einer Bande gewesen sein, die im großen Stil in Berlin, Hamburg und anderen Städten Fahrzeuge stahl und dann mit gefälschten Kennzeichen versehen nach Polen verschob.
Mindestens 15 Männer sollen zu der Bande gehört haben, die allein zwischen Juli und September vergangenen Jahres mehr als 40-mal zuschlug. Elektronische Wegfahrsperren, Lenkradschlösser und sonstige Sicherungen waren für die Profis dabei offenbar kein Problem. Schnell und geräuschlos sollen die Täter gearbeitet haben, unter ihnen auch der Angeklagte.
Gegen mehrere Mitglieder laufen Ermittlungen, Michal F. ist bislang einer der wenigen, die vor Gericht gebracht werden konnten. Der 21-Jährige wurde nach einem gescheiterten Versuch als selbstständiger Geschäftsmann in seiner polnischen Heimatstadt von einem Bekannten rekrutiert und kam er vor einem Jahr nach Berlin. Welche Aufgaben er in der Bande hatte, muss der Prozess jetzt klären. Er wird am Mittwoch fortgesetzt.



