Verkehr

Bahn plant Lärmschutz für Anwohner der Trasse Berlin-Stettin

Quietschende Bremsen und nächtlicher Güterverkehr: Die Anwohner der Linie Berlin–Stettin werden von Lärm geplagt. Jetzt hat die Bahn einen Abschnitt in das Sanierungsprogramm des Bundes aufgenommen.

Gute Nachrichten für die lärmgeplagten Anwohner der Bahnlinie Berlin–Stettin im Nordosten Berlins. Die Deutsche Bahn hat ihnen mitgeteilt, dass der Abschnitt zwischen Pankow und Bernau in das freiwillige Lärmsanierungsprogramm des Bundes aufgenommen wurde. Das Bundesverkehrsministerium habe der Aufnahme in das Programm zugestimmt, bestätigte ein Bahnsprecher. Nun werde ein schalltechnisches Gutachten erstellt.

Mit dem Gutachten soll zum einen die Überschreitung der Lärm-Grenzwerte an Wohngebäuden festgestellt werden. Zum anderen soll geklärt werden, in welchem Ausmaß Schallschutzmaßnahmen erforderlich sind. Auch die Errichtung von Schallschutzwänden werde dabei geprüft, heißt es. Und: Ziel ist laut Bahn, den Schallschutz bereits im Jahr 2017 zu installieren. Nach dem bisherigen Konzept des Bundes sollte im Berliner Bereich Ost-Nordost überhaupt erst in 15 Jahren mit den Planungen für eine Lärmsanierung begonnen werden.

„Super“, lautete der Kommentar von Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD). Das Wirken der Bürgerinitiative zahle sich aus. Es sei ein „toller Erfolg“, dass jetzt Schritte zum Lärmschutz unternommen würden. Das sei nicht selbstverständlich gewesen. Von einem besseren Lärmschutz an diesem Abschnitt der Stettiner Bahn würden mehrere Tausend Menschen profitieren.

Bahnstrecke Berlin–Stettin: 20 Züge jede Nacht

„Wir begrüßen das außerordentlich“, sagte auch Dietrich Peters, Vorsitzender der Bürgerinitiative Berlin Nord-Ost. Er lobte zudem die „deutlich besser gewordene“ Zusammenarbeit zwischen BI und Bahn. Andererseits warnte er vor allzugroßer Euphorie. „Erst mal geht es nur um ein Gutachten“, sagte er. Die BINO fordere Lärmschutzwände, Finanzmittel für Schallschutzfenster und ein sogenanntes überwachtes Gleis, bei dem die Schienen regelmäßig geschliffen werden.

Zudem sollten die Waggons von Güterzügen auf leisere Bremssysteme umgerüstet werden. Ein Nachtfahrverbot für Güterzüge, deren Lärmemission über den Grenzwerten liegt, fordert Peters ebenfalls. Das will auch die SPD Pankow-Süd. Sie versucht bereits, entsprechende Beschlüsse der Landes- und der Bundes-SPD zu erwirken.

Der Güterverkehr in der Nacht ist das große Problem der Menschen, die an der Bahnstrecke Berlin–Stettin leben. Jede Nacht führen etwa 20 Züge an seinem Haus vorbei, berichtet Peters. Besonders störend seien Züge mit Kesselwagen, die Treibstoff aus der Erdölraffinerie in Schwedt nach Berlin bringen oder leer nach Schwedt zurückfahren. Dann komme zu quietschenden Bremsen und den üblichen Rollgeräuschen auch noch ein lautes, metallenes Klappern, das für Erschütterungen in den Häusern sorge. Die Güterwagen seien oft bereits jahrzehntealt. Das Problem: Sie erfüllen zwar nicht die Lärmschutzanforderungen an moderne Güterzüge, genießen aber Bestandsschutz.

Ein angemessener Lärmschutz ist den Anwohnern auch deshalb wichtig, weil die Bahnstrecke zweigleisig ausgebaut werden soll. Dafür wird nach Angaben der Bahn das Planfeststellungsverfahren erarbeitet und in Kürze ausgelegt. Die Arbeiten sollen im Bereich Blankenburg–Karow voraussichtlich 2016/2017 beginnen und bis etwa 2021 dauern.

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