Die Anwohner der viel befahrenen großen Verkehrsachsen in Berlin leben gefährlich. Denn Straßenlärm ist nicht nur lästig. Er macht krank. Denn schon ein Dauerschallpegel von 65 Dezibel (dB[A]) tagsüber und 55 Dezibel nachts kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. In Großstädten wie Berlin mit einer Stadtautobahn, mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen, Bahn- und Straßenbahnstrecken sowie dem immer noch in Betrieb befindlichen Flughafen Tegel wird dieser Lärmpegel an vielen Orten schnell erreicht.

3000 Vorschläge von Bürgern

Mit der Aktion „Berlin wird leiser. Aktiv gegen Verkehrslärm“ hatte die Senatsverwaltung für Verkehr im Februar vergangenen Jahres die erste Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Erstellung des Lärmaktionsplans eingeleitet. Die Berliner waren aufgerufen, ihre Vorschläge zur Lärmminderung in ihrer Nachbarschaft einzureichen. Allein auf der Internetseite www.leises.berlin.de, die rund 40.000 Besucher zählte, gingen mehr als 3000 Vorschläge und 1900 Kommentare zum Thema Schallschutz ein.

Die 50 meistgenannten Beiträge hatte die Senatsverwaltung daraufhin fachlich geprüft und beantwortet. Vermutlich für viele Teilnehmer mit enttäuschenden Ergebnissen. Ganz oben auf der Topliste der meistgenannten Vorschläge stand nämlich der Vorschlag, den Flughafen BER von Schönefeld nach Sperenberg zu verlegen (310 Mal genannt). Auf Platz zwei folgt die Anregung, die geplante Flugroute über den Müggelsee in Richtung Gosener Wiesen zu verschieben (292). Beide Vorschläge hat die Verwaltung zwar beantwortet – ihre Umsetzung jedoch mit Verweis auf rechtliche sowie faktische Zwänge abgelehnt.

Einzelmaßnahmen wurden schon realisiert

Bei dem am dritthäufigsten geäußerten Vorschlag, den Straßenzug Friesen-/Zossener Straße in Kreuzberg zu sperren (285), erfolgte ebenfalls eine Absage – allerdings verbunden mit der Zusage, den schadhaften Straßenbelag zu erneuern und so für eine Lärmreduzierung zu sorgen. Machbare Verbesserungen wie diese sind in einen sogenannten „Lärmaktionsplan“ eingeflossen, dessen Entwurf jetzt vorliegt. Die Mitarbeit der Berliner sei nun erneut gefragt, so der Staatssekretär für Verkehr und Umwelt Christian Gaebler (SPD). Mit dem Lärmaktionsplan 2013-2018 sollen nämlich die künftigen Schallschutz-Strategien festgelegt werden. Voraussichtlich im Mai soll der Lärmaktionsplan dann dem Senat zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Der Verkehrsstaatssekretär verweist darauf, dass seit der Verabschiedung des letzten Lärmaktionsplanes bereits zahlreiche Einzelmaßnahmen realisiert wurden. Durch Tempolimits, den Einsatz von Flüsterasphalt oder die Förderung von Schallschutzfenstern konnte beim größten Lärmverursacher, dem Kraftfahrzeugverkehr, eine Verbesserung der nächtlichen Belastungssituation erreicht werden.

„Die Anzahl der lärmbetroffenen Anwohner im Bereich der Hauptverkehrsstraßen konnte stadtweit um insgesamt 40.000 Personen verringert werden“, so Gaebler. Rund 300.000 Berliner im Bereich der Hauptverkehrsstraßen haben aber immer noch unter nächtlicher Dauerbeschallung zu leiden. In den kommenden 13 Jahren soll die Zahl der Betroffenen um weitere 100.000 sinken.

Stellungnahmen bis Ende März möglich

Der Planentwurf liegt vom heutigen Montag bis zum 17. März bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Referat IX C, Brückenstraße 6 in Mitte öffentlich aus. Interessierte können sich Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr und Donnerstag bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung (030/9025-2267) vor Ort über den Inhalt der Planung informieren. Der Planentwurf und weitere Informationen stehen außerdem im Netz zur Verfügung. Zudem können über Online-Formulare bis zum 28. März Stellungnahmen abgegeben werden.