Finger weg von den Biotonnen. Beim organischen Müll wird es bald etwas Neues geben: die Tonne mit Pedal. Die BSR will damit die Akzeptanz der Biomülltonne steigern. Zwar ist die Menge an gesammelten Biomüll in Berlin gestiegen. Sie hat sich gegenüber 2008 um 22 Prozent erhöht. Im vergangenen Jahr warfen die Berliner insgesamt 63.296.000 Kilogramm an alten Lebensmitteln, Obst- und Kartoffelschalen, Teebeuteln, Kaffeefiltern, Gras und Laub in die Biotonne. Doch eine Umfrage der BSR ergab, dass sich viele Menschen vor den üblen Gerüchen ekeln und vor den Resten, die vielleicht am Deckel kleben. Nun soll das Pedal Abhilfe schaffen. Ein erster Test ist geplant.

Die Biomülltonnen mit Fußpedal sollen als Pilotprojekt am 5. Mai starten. Wo und wie viele solcher Behälter mit Fußpedal aufgestellt werden, wollte BSR-Sprecherin Sabine Thümler noch nicht verraten. Nur soviel: Die Behälter seien wesentlich teurer als die herkömmlichen Biotonnen, und seien bereits an einigen Orten getestet worden. Die BSR biete auch an, dass man den Biomüll schon in der Wohnung getrennt von anderen Abfällen sammeln kann: in einem durchlüfteten Behälter mit Beuteln aus Maisstärke. Er kostet 5,30 Euro.

Orange Tonne ein Erfolg

Ein anderes Sammelsystem ist dagegen erfolgreich. Die Berliner machen reichlich Gebrauch von der einheitlichen Wertstofftonne. Der Behälter ist erst im Januar 2013 von der Berliner Stadtreinigung und vom Unternehmen Alba eingeführt worden. Er soll Kunststoffflaschen und Spielzeug, Schaumstoffe, alte Töpfe und Besteck, Alufolie und Schrauben aufnehmen. Insgesamt 85.377.000 Kilogramm an Wertstoffen sammelten die beiden Unternehmen 2013 ein. Das sind 24 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung, und damit vier Kilogramm an Wertstoffen mehr als im Jahr zuvor, als es die einheitliche Tonne noch nicht gab.

Das gestiegene Aufkommen an Wertstoffen und Biomüll sei ein großer Erfolg, so die gemeinsame öffentliche Bilanz von Alba-Vorstandschef Eric Schweitzer, BSR-Chefin Vera Gäde-Butzlaff und Berlins Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Freitag. Das gute Ergebnis zeuge vom gewachsenen Umweltbewusstsein der Hauptstädter. In einer Umfrage der BSR vom Sommer 2013 gaben 90 Prozent der Berliner an, dass ihnen die Abfalltrennung aus ökologischen Gründen wichtig ist. „Konsequente Mülltrennung ist eine Voraussetzung für Ressourcen schonendes Wirtschaften“, sagte Senator Müller. Sie trage auch dazu bei, dass Berlin seine Klima-Ziele erreichen könne. Die BSR setze alles daran, die Abfälle sinnvoll zu nutzen, sagte BSR-Chefin Gäde-Butzlaff. „Was nicht als Stoff weiter verwendet werden kann, wird zu 100 Prozent energetisch verwertet. Es wird zu Strom, Dampf oder Biogas verarbeitet.“ Die BSR habe ein modernes Müllheizkraftwerk in Ruhleben, in dem auch Metalle abgeschieden werden könnten.

Berlin habe als erste deutsche Großstadt die Wertstofftonne eingeführt, sagte Alba-Vorstandschef Schweitzer. Sie habe sich schon nach einem Jahr bewährt. Das Unternehmen trennt den Inhalt der Wertstofftonnen. Es betreibt eine Sortieranlage für Verpackungen in Mahlsdorf. Durchschnittlich enthält ein Wertstoffbehälter 16 Prozent Metall, 50 Prozent Kunststoffe und zehn Prozent Papier, Pappe und Getränkekartons. Rund 24 Prozent sind Fehlwürfe – auch diese werden nach Angaben von Alba verwertet. In der Mahlsdorfer Anlage lässt die Firma die Kunststoffe auch nach Sorten trennen. „In einer Reinheit von bis zu 98 Prozent“, so Schweitzer. In dieser Reinheit könnten die recycelten Kunststoffsorten verkauft werden. Verwendet werden sie von Firmen, die Farbeimer, Spielzeug oder Körbe herstellen.

Grüne: Zu viel Bio im Hausmüll

„Ganz besonders liegt uns die Biomüll-Sammlung am Herzen“, sagte Gäde-Butzlaff. „Durch unsere Biovergärungsanlage haben wir eine vorbildliche Möglichkeit zur Kreislaufwirtschaft.“ Es entstehe Biogas, das als umweltschonender Treibstoff für die Lkw der BSR eingesetzt wird. „Die Biotonnen werden zunehmend akzeptiert“, so die BSR-Chefin. „Doch wir empfinden es als großes Ärgernis, wenn sie gar nicht erst vom Vermieter bestellt werden. Oder wenn Ausschreibungen zum Abfallmanagement mit dem Hinweis gemacht werden, die Biotonnen einzusparen.“ Das dürfe nicht sein. Laut Bundesgesetz muss die Biotonne ab 2015 flächendeckend angeboten werden. Derzeit stehen die Behälter bei etwa 80 Prozent der Geschoss-Wohnhäuser. In den Siedlungen am Stadtrand kompostieren die Grundstücksbesitzer ihre Bioabfälle oft selbst.

Anerkennung für die Trennung und Müllentsorgung in Berlin kommt vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Das Abfallmanagement sei bundesweit vorbildlich, sagte Sprecher David Eberhart. Das Restmüllaufkommen sei niedrig, die Recyclingrate gut, die Gebühren seien niedrig. „Die Müllpreise lagen in Berlin 2013 bei 23,95 Euro je Kubikmeter, in Stuttgart bei 40,16 Euro und in Düsseldorf bei 63,05 Euro.“ Kritik kommt von der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Zu viele Bioabfälle würden noch in die Hausmülltonne geworfen, so die umweltpolitische Sprecherin Silke Gebel.