Sonnenbrille, leichte Jacke und ein Platz im Biergarten – so lässt es sich Mitte Februar in Berlin bereits aushalten. Frühlingshafte Temperaturen haben die Stadt schon aus dem Winterschlaf geweckt. Auch Tiere haben Frühlingsgefühle. In Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) wurde der erste Storch gesehen. Ein Ende des Vorfrühlings ist noch nicht in Sicht, er legt sogar noch einmal zu. Am Wochenende wird es zwar ein bisschen kühler, aber schon in der kommenden Woche soll es noch wärmer werden. Welche Auswirkungen hat das milde Klima auf das tägliche Leben und die Natur?

Sind die Temperaturen außergewöhnlich hoch?

Vor allem die Sonne meint es gut mit den Berlinern. „Im Vergleich zum Vorjahr scheint sie in diesem Februar wesentlich mehr“, sagt Thomas Globig vom Wetterdienst Meteomedia. Aber auch die Temperaturen von zehn bis zwölf Grad Celsius liegen derzeit weit über dem Durchschnitt von bis zu vier Grad. Allerdings wundern sich die Experten darüber nicht, denn es war schon wärmer. Spitzenwerte von 15 oder 16 Grad sind in den Jahren 1950 und 1990 gemessen worden. Winterentwarnung gibt Globig noch nicht. „Der März ist durchaus noch zu Kälterückfällen in der Lage“, sagt er.

Kommen die Zugvögel schon wieder aus dem Süden zurück?

Die ersten Arten haben sich tatsächlich schon etwas früher auf dem Weg gemacht als sonst. „Über dem Himmel von Berlin sind bereits die ersten Gänse sowie Kraniche zu beobachten“, sagt Deerk Ehlert, Wildtierexperte und Ornithologe. Sie kommen von der holländischen Grenze oder aus Niedersachsen und ziehen weiter Richtung Tundra nach Nordosten. Einige bleiben jedoch auch in Berlin. „Im Lietzengraben und im Tegeler Fließ haben sich schon Kranichpaare niedergelassen“, sagt Ehlert. Aber auch kleinere Vogelarten sind schon wieder zurück. Dazu gehören vor allem die Buchfinken und die Feldlerche.

Haben heimische Tiere ihre Winterruhe unterbrochen?

Spaziergänger können bereits Eichhörnchen beobachten. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschenland (Nabu) haben sich auch schon einige Amphibien auf die Wanderung zu ihren Laichgewässern gemacht. „Die ersten Teichmolche sind bereits im Wasser“, sagt Jens Scharon vom Nabu Berlin.

Können Hobbygärtner schon Blumen pflanzen?

„Wenn die Temperaturen und das Licht stimmen, kommen die ersten Pflanzen aus dem Boden“, sagt Gesche Hohlstein, Sprecherin im Botanischen Garten. Schneeglöckchen, Krokusse, Märzenbecher und Winterlinge haben als erstes auf Wärme und Sonne reagiert. Wegen der Nachtfröste ist es aber für Balkonpflanzen noch zu früh. Wer will, kann sie auf einem Frühbeet vorziehen und die kleinen Pflänzchen bei stabiler Wetterlage auspflanzen.

Können sich die Landwirte auf eine frühere und bessere Ernte freuen?

Die Wärmeperiode ist noch zu kurz, um das Wintergetreide sprießen zu lassen, sagt Bauer Axel Gericke aus Lübars, der den Landesverband Landwirtschaft und Pferdehaltung Berlin vertritt. „Aber wenn das Wetter noch einige Tage so anhält, wird sich das sehr schnell ändern.“ Die warme und trockene Witterung schaffe auch gute Bedingungen, um bald die Felder zu bestellen.

Sind die Baubetriebe jetzt besser ausgelastet als in früheren Wintern?

Straßenbauarbeiten, die bei Frostwetter unterbrochen werden mussten, werden jetzt fortgesetzt. Auch an manchem Wohnungsbau gehen die Arbeiten zügiger voran als bei Kälte. Nach Einschätzung von Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, ist die heimische Bauwirtschaft in ihrer Produktivität dem vergangenen Jahr um vier Wochen voraus. „Grundsätzlich sind wir im Februar beim Blick auf das Wetter noch etwas skeptisch“, sagt Dellmann.

Wie stark sinken die Energiekosten?

Mit 78 bis 80 Cent je Liter liegen die Heizölpreise derzeit um rund acht Cent unter den Vorjahrespreisen. Die deutsche Mineralölwirtschaft macht neben einer entspannteren Situation auf dem Weltmarkt auch die aktuell milde Witterung dafür verantwortlich. Die Heizöltanks der Verbraucher seien noch gut gefüllt. Der Berliner Energieversorger Gasag kann noch keine Aussage über den Energieverbrauch machen. Sprecherin Josiette Honneff rechnet mit nur leicht geringerem Gasumsatz wegen des milden Wetters. Die größten Gasabnehmer der Stadt seien nicht private Haushalte, sondern Unternehmen.

Was sollten Fahrradfahrer beachten, die die Räder aus dem Keller holen?

Der Fahrradklub ADFC plant seine Angebote für einen Frühjahrscheck der Räder im April und wird sie nicht vorziehen. Philipp Poll, Geschäftsführer des ADFC Berlin rät, vor der ersten Tour mindestens die Bremsen zu kontrollieren sowie die Ketten zu säubern und zu ölen. Radfahrer sollten derzeit in Berlin noch besonders vorsichtig fahren. Auf Radwegen und Fahrbahnen liegt noch Streumittel vom Winter. Auf Splitt und Granulat können Fahrradfahrer besonders leicht ins Rutschen kommen.

Spart die Stadtreinigung (BSR) in so einem milden Winter viel Geld?

Nach BSR-Angaben sinken in einem milden Winter variable Kosten wie zum Beispiel für Streugut oder zusätzliche Aushilfskräfte im Winterdienst. Diese Ausgaben würden aber direkt dem Land Berlin in Rechnung gestellt und entsprechend kämen geringere Ausgaben direkt dem Landeshaushalt zugute, so BSR-Sprecher Sebastian Harnisch. Es blieben aber Fixkosten wie für das Bereitstellen der Maschinen und des Stammpersonals. Weil es noch immer leichte Nachtfröste gebe, müssten auch weiterhin BSR-Mitarbeiter Kontrollfahrten machen oder sich für Einsätze bei Reifglätte bereithalten. Ihren großen Frühjahrsputz will die BSR nicht vorziehen. Denn noch sei unklar, ob der Winter nicht zurückkehre, so der Sprecher.

Dürfen die Gastwirte schon jetzt ihre Stühle in die Sonne stellen?

In der Regel beantragen die Gastronomen für drei Jahre eine ganzjährige Sondererlaubnis für die Nutzung des öffentlichen Straßenlandes als Schankvorgarten. An der Oranienburger Ecke Tucholskystraße in Mitte zum Beispiel stehen bei Wind und Wetter das ganze Jahr über die Stühle auf den Bürgersteigen. Haben Gastwirte nur für einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel für die Sommermonate, eine Sondergenehmigung, und wollen jetzt schon draußen bedienen, müssen sie sich an das Straßen- und Grünflächenamt wenden. „Innerhalb kürzester Zeit können wir die Genehmigung erteilen“, sagt Harald Büttner, Tiefbauamtsleiter im Bezirk Mitte.

Essen die Berliner bei diesem Wetter mehr Eis?

Die Berliner Eisdielen haben am vergangenen Wochenende gute Geschäfte gemacht. Der Umsatz an den beiden zurückliegenden Sonntagen habe sich im Vergleich zu Februar 2013 verdoppelt, bilanziert Olaf Höhn, Inhaber von Florida-Eis. „Die Kunden haben uns regelrecht überrannt.“

Haben Allergiker bereits Probleme mit Pollen?

Ja, während das Berliner Robert-Koch-Institut derzeit noch vor einer drohenden Grippewelle warnt, sitzen in den Arztpraxen bereits die ersten Allergiepatienten im Wartezimmer. In milden Wintern fliegen die Haselpollen bereits im Januar und Februar, im Einzelfall bereits im Dezember.