Immobilien

In Berlin-Zehlendorf entstehen Baumhäuser zum Wohnen

Ein Berliner Unternehmer lässt einen Kindheitstraum wahr werden: Am Quermatenweg in Zehlendorf werden moderne Baumhäuser in vier Meter Höhe gebaut. Ein einzigartiger Rückzugsort mitten in Berlin.

Sie sind 25 Quadratmeter groß, bieten traumhafte Ausblicke sowie ein neues Wohngefühl zwischen Himmel und Erde: Die Baumhäuser, die der Berliner Kolja Stegemann mit seinem Unternehmen Suite 030 auf einem Grundstück seiner Familie in Zehlendorf realisiert.

Dort, wo ursprünglich Stegemanns Großvater, der ehemalige TU-Professor Hans-Joachim Stegemann in vergangenen Zeiten mit dem Architekten und Scharoun-Schüler Heinz Schudnagies neue Wohnformen realisieren wollte, startet jetzt der 38-jährige Kolja Stegemann „mit neuen Formen des experimentellen Bauens“, wie er sagt. Auf einem mit Eichen und Buchen bewaldeten Grundstück am Quermatenweg entsteht quasi mitten im Wohngebiet am Wald ein abgehobener Rückzugsort.

Schon in zwei Wochen beginnen die Aufbauarbeiten für die zwei Baumhäuser nach Entwürfen des Bremer Architekten Andreas Wenning. Die außergewöhnlichen Unterkünfte aus Massivholz stehen jeweils auf einem mit Holz verkleideten Stahlträgersockel. Im Inneren dieser knapp vier Quadratmeter großen Träger finden nicht nur Gas-, Strom- und Wasserleitungen Platz. Auch eine Gastherme wird in den Sockel eingebaut und optisch versteckt.

Baumhaus-Romantik: „Der Natur nah und dem Erdboden entrückt“

„Der Begriff Baumhaus ist bei den Objekten am Quermatenweg eher als Metapher zu verstehen“, sagt Andreas Wenning. Der Architekt und Autor eines Sachbuchs über Baumhäuser erläutert das besondere Baumhausgefühl. „Die Bewohner sind vor allem eines: Der Natur nah und dem Erdboden entrückt.“ Statisch ließen sich solche große Unterkünfte direkt unter den Wipfeln kaum ausschließlich auf die Bäume setzen.

„Sie finden die dafür erforderlichen großen Baumstämme nicht so dicht beieinander, wie es nötig wäre“, erläutert Wenning. Dennoch, so der Planer, „das besondere Gefühl, hoch oben unter den Baumwipfeln zu sein, und den Wechsel der Jahreszeiten so naturnah mitzuerleben, bleibt natürlich“. Der Kontakt mit den Bäumen sei allein schon durch die Nähe zu ihnen „in dieser Höhe einmalig“, sagt Wenning. Man sei im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Himmel und Erde, beschreibt der Architekt das besondere Lebensgefühl im Baumhaus.

Seit elf Jahren schon hat sich der Bremer Planer dem Entwurf von Baumhäusern in unterschiedlichen Formen und Größen verschrieben. So misst das kleinste seiner Projekte, „ein reines Kinderrefugium, das in Stuttgart steht“, gerade mal vier Quadratmeter. Zu Wennings größeren Objekten zählt ein sogenanntes Konferenzbaumhaus in Belgien. 50 Quadratmeter groß ist dieser erhobene Rückzugsort, in dem sich Mitarbeiter von Firmen zu konzentrierten Gesprächen und Konferenzen fernab des Trubels in der Großstadt treffen.

Mit dem Kindertraum von einem selbst gebauten Baumhaus, das einer eher simplen Bretterbude gleicht, haben Wennings durchgestylte Design-Projekte nichts gemein. Höchstens den Standort und die Nähe zur Natur. Die Berliner Baumhäuser aus Massivholz kleidet der Planer beispielsweise in eine Aluminiumfassade. „Das ist eine ästhetische Entscheidung mit Bezug zur Stadt, damit die Baumhäuser von außen etwas kühler und urban wirken“, sagt Wenning.

Projekt experimenteller Urlaubsarchitektur mitten in Berlin

So heißt das Projekt in Berlin „The Urban Treehouse“ (Das städtische Baumhaus). Im Inneren sorgt dafür dann aber massives Fichtenholz für ausreichend Wärme. Die Terassenflächen sind aus widerstandsfähigerem Lärchenholz.Mit seinen Arbeiten hat Andreas Wenning sich auch international einen Namen gemacht. Sein Büro „Baumraum“ ist weltweit aktiv und realisierte bereits zahlreiche Baumhäuser, darunter auch Hotels, in der Schweiz, in Florida oder auch in Frankreich.

Sein erstes Baumhaus entwarf der gelernte Tischler 2003 in Bassum, ein kleiner Ort südlich von Bremen. „Ich wollte mir einen Rückzugsort schaffen“, sagt Wenning. Die regionale Presse habe damals groß darüber berichtet, erste Interessenten meldeten sich, ein neues Geschäftsfeld war geboren. Mittlerweile hat Wenning bereits an die 50 Baumhäuser realisiert. Schon während seines Architekturstudiums beschäftigte Wenning sich mit der Verbindung von Landschaft und Architektur. Für seine Diplomarbeit entwarf er ein Kommunikationszentrum an den Klippen von Dover.

Das Projekt in Berlin soll bereits in wenigen Wochen – bis Ende April – fertig sein. Die Baugenehmigung für die Baumhäuser lief hingegen nicht ganz so schnell über die Bühne, wie der Bauherr Kolja Stegemann sagt. „Das war wirklich nicht so ganz leicht, aber wir hatten dann im Bezirksamt Unterstützer, die von unserem Projekt sehr angetan waren“. Knapp ein Jahr dauerte das gesamte Genehmigungsverfahren, „wobei das Projekt ja auch nicht den üblichen Normen entspricht“, so Stegemann. Er sieht „The Urban Treehouse“ als ein ein Projekt, das in der Tradition seines Großvaters steht. „Er hat sich sehr für neue Architekturformen interessiert und an der TU Statik unterrichtet“, sagt Stegemann junior.

Kooperation mit der Technischen Universität Berlin

Das Baumhaus-Projekt setzt, wie er sagt, „experimentelle Urlaubsarchitektur mitten in den städtischen Lebensraum und verbindet so beide Welten miteinander“. Stegemann will die beiden Baumhäuser sowohl kurzzeitig an Berlin-Besucher wie auch an längere Nutzer vermieten und plant darüber hinaus auch eine Kooperation mit der Technischen Universität Berlin (TU).

„Wir wollen das Projekt als ein neues Feld in der Architektur zeitweilig für Führungen und auch für Architekturstudenten öffnen“, sagt Stegemann. Das Investitionsvolumen beziffert der Bauherr mit etwa 100.000 Euro. Das Neue Wohnen direkt unter den Wipfeln in der Nähe von Schlachtensee und Krumme Lanke hat erwartungsgemäß seinen Preis: pro Tag müssen die Mieter der Baumhäuser ab 140 Euro zahlen.

Andreas Wenning: „Baumhäuser – Neue Architektur in den Bäumen“: Das Buch präsentiert 25 realisierte Baumhausprojekte in Europa und Übersee und Designstudien von Baumraum. Erschienen bei DOM Publisher, 240 Seiten, 58 Euro.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.