Die neue Zitadelle Spandau nimmt Gestalt an. In der Renaissance-Festung aus dem 16. Jahrhundert sind die Umbauarbeiten für die Einrichtung der geplanten Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ soweit fortgeschritten, dass am Mittwoch Richtfest gefeiert werden konnte. Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) schlug gemeinsam mit Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) symbolisch die letzten Nägel ein.
„Wenn die Baumaßnahmen im Herbst abgeschlossen sind, wird Spandau über ein neues museales Glanzlicht verfügen. Das ist nicht nur für Spandau eine große Bereicherung, das ist auch für die Kulturmetropole Berlin insgesamt ein Gewinn“, sagte Wowereit.
In der Zitadelle soll im November eine große Ausstellung eröffnet werden, die politische Denkmäler zeigt, die das Berliner Stadtbild vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart geprägt haben. Die Monumente, die zum Teil erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich sind, werden unter anderem im ehemaligen Proviantmagazin zu sehen sein. Die dafür nötige Restaurierung stellte die Architekten vor größere Probleme: „Die Zitadelle Spandau war von Anfang an eine besondere Baustelle, da man nicht einfach mit Kran und Baumaterial durch das kleine Burgtor fahren kann“, sagte Per Pedersen, einer der Architekten.
So mussten Baustoffe und Werkzeug in mühsamer Kleinarbeit durch den Burghof transportiert werden. Zudem drohte das historische Magazingebäude im Boden zu versinken. Um dies zu verhindern, mussten der Untergrund und die zur Wallseite ausgerichtete Mauer erneuert und standfest gemacht werden. Zu diesem Zweck bekam das Haus auch eine neue Bodenplatte, so dass es nun praktisch auf dem losen Untergrund „schwimmt“.
Klimananlage wird nicht benötigt
Doch die Bauarbeiten in den alten Gemäuern hatten auch den positiven Aspekt, dass eine wie sonst in Museen übliche Klimaanlage nicht benötigt wurde. „Durch die dicken Wände gibt es nur geringe Temperaturschwankungen, zudem lassen die kleinen Fenster wenig Licht herein, sodass sich die Räume nicht so aufheizen“, sagte Andrea Theissen, Leiterin des Spandauer Kunstamts. Eine weitere Besonderheit im Vergleich zu normalen Museen ist die gewollte Berührung der ausgestellten Skulpturen und Monumente.
„In der Zeit der Denkmäler war es üblich, dass sie von den Menschen angefasst wurden“, sagte Theissen. Es werde auch keine Vitrinen geben, das Hintergrundmaterial soll stattdessen in Medienstationen aufbereitet werden, wo der Text in Deutsch, Englisch sowie in Blindenschrift zu lesen sein wird. „Das neue Museum ist auch ein Erlebnisort für blinde und sehbehinderte Menschen“, sagte Theissen. So wird mittels Bildern, Licht und Tonaufnahmen ein Frühsommertag in der Siegesallee im Tiergarten des Jahres 1911 nachzuerleben sein.
Die Ausstellung in Spandau ist chronologisch aufgebaut: Sie beginnt mit Figuren aus der Zeit vor der Reichsgründung 1871, zeigt Skulpturen König Friedrichs I. aus dem Kaiserreich sowie Herrscher- und Kriegerdenkmäler aus der Weimarer Republik. Historische Filmaufnahmen zu Denkmalenthüllungen wie etwa in der NS-Zeit sollen die Besucher mit der jeweiligen Epoche vertraut machen.
Unverfälschte Kunstwerke mit Spuren ihrer Geschichte
Schlusspunkt ist Nachkriegsdeutschland mit Ost- und West-Berlin. Während in West-Berlin die meisten Denkmäler heute noch im Stadtbild zu sehen sind, wurden viele Monumente aus dem Ostteil der Stadt vergraben, zerstört oder in Museumsdepots untergestellt und zum Teil vergessen.
Alle Kunstwerke, die in der Zitadelle gezeigt werden sollen, werden nicht rekonstruiert, sondern im vorgefundenen Zustand konserviert. Ziel ist es, damit die Spuren der wechselvollen deutschen Geschichte und des Umgangs mit den Denkmälern für die Besucher zu verdeutlichen.
Ergänzend findet in der einstigen Kaserne in Spandau eine temporäre Ausstellung statt. Sie zeichnet mit zeitgenössischen Dokumenten, Zeichnungen und Entwürfen Wirkungsgeschichte und Debatten um die Denkmäler in Deutschland nach. Die Umbaumaßnahmen und die Ausstellungsgestaltung werden von der staab Architekten GmbH aus Berlin geleitet, gefördert wird das 14 Millionen teure Projekt durch den Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.




