Steglitz-Zehlendorf weist die beste Sozialstruktur aller Berliner Bezirke auf, Neukölln ist das Schlusslicht. Das ist ein Ergebnis aus dem aktuellen Berliner Sozialstrukturatlas, den Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Freitag in Berlin vorgestellt hat.
Der Atlas stellt eine umfassende und detaillierte Analyse der sozialen und gesundheitlichen Lage in Berlin dar. Die Aussagen sind nicht nur nach Bezirken differenziert, sondern auch nach 419 sogenannten lebensweltlich orientierten Räumen (LOR) mit durchschnittlich 7500 Einwohnern.
Der Sozialstrukturatlas wird seit 1990 einmal in jeder Legislaturperiode erstellt, die aktuelle Fassung ist die sechste. Erstmalig enthält er auch konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung. Die Daten dienen zum Beispiel als Grundlage für eine bessere ambulante ärztliche Versorgung. Bei der Verteilung von Arztpraxen wird künftig die bezirkliche Sozialstruktur berücksichtigt, um Ungleichgewichte abzubauen. Wie berichtet, wird das für Haus- und Kinderärzte bereits praktiziert, in diesem Jahr soll es auf etliche Facharztgruppen ausgeweitet werden. Die Gliederung nach mehr als 400 Sozialräumen ist aber auch wichtig für die Krankenhausplanung, die Planung einer wohnortnahen und bedarfsgerechten Versorgung im Pflegebereich oder etwa für Angebote in Stadtteilzentren.
Die mittlere Lebenserwartung in Berlin beträgt 80,1 Jahre
Der Atlas belegt einmal mehr, dass Gesundheit und soziale Lage stark voneinander abhängen. So ist in Bezirken mit einer überdurchschnittlichen Sozialstruktur fast immer auch die Lebenserwartung überdurchschnittlich hoch und umgekehrt. Die mittlere Lebenserwartung in Berlin beträgt 80,1 Jahre (für Männer 77,6 Jahre, für Frauen 82,6 Jahre). In Steglitz-Zehlendorf liegt sie bei 81,5 Jahren, in Mitte aber nur bei 78,6 und in Neukölln bei 78,9 Jahren.
Die Autoren haben im neuen Sozialstrukturatlas 66 Indikatoren für ihre Datensammlung ausgewertet. Erstmals wurden auch Angaben zur sozialen Lage von Kindern, die sich aus den Einschulungsuntersuchungen ergeben haben, sowie Daten zur Pflegebedürftigkeit von Senioren einbezogen. Die Auswertung zeigt auch, welche Bezirke und Stadtteile sich in Sachen Einkommen, Bildung und Gesundheit verbessert haben oder wo es durch Arbeitslosigkeit und ungesunde Lebensweise bergab gegangen ist.
Hinter Steglitz-Zehlendorf belegen Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow im Sozialindex die Ränge zwei und drei. Auf den hinteren Plätzen rangieren Marzahn-Hellersdorf, Spandau und Mitte vor Neukölln. Pankow hat sich im Vergleich zu den Sozialstrukturberichten 2003 und 2008 enorm verbessert, lag 2003 noch auf Rang neun, 2008 auf Rang vier.
Neukölln ist immer weiter abgestiegen, von Rang zehn 2003 über elf 2008 nun ans Ende des Rankings. Auffällig ist auch der Abstieg von Spandau und Reinickendorf. Spandau lag 2003 noch auf Rang sieben, 2008 auf Platz acht, nun auf Rang zehn. Bei Reinickendorf geht der Abstieg von Platz vier über Platz sechs nun auf Rang sieben.





