Rund zwei Jahre nach dem Tod der misshandelten Zoe aus Berlin-Weißensee beginnt an diesem Freitag (12.30 Uhr) der Prozess gegen die Mutter und ihren Lebensgefährten. Am Landgericht muss sich der 26-Jährige wegen Mordes verantworten, wie Gerichtssprecher Tobias Kaehne am Donnerstag sagte. Der 27 Jahre alten Mutter wird Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Sie habe nichts gegen die Misshandlungen unternommen. Sie hätte ihr lebensgefährlich verletztes Kind zum Arzt bringen müssen.
Zoe starb am 31. Januar 2012. Sie wurde nur 33 Monate alt. Laut Anklage soll der Mann dem Kind drei Tage zuvor mit einer Faust so heftig in den Bauch geschlagen haben, dass der Darm riss und es zu einer Bauchfellentzündung mit höllischen Schmerzen kam - sie endete tödlich.
Beide Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Der Mann habe sich bislang nicht geäußert, so der Gerichtssprecher. Er ist wegen Mordes angeklagt, weil der Mann ärztliche Hilfe für das Kind abgelehnt habe, um die Körperverletzung zu vertuschen. Er habe den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen.
Todesfall löste heftige Debatte aus
Der Fall hatte heftige Debatten ausgelöst. Hätte der Tod verhindert werden können, wer hat versagt, was muss besser werden, lauteten einige der Fragen. Auch das Abgeordnetenhaus debattierte über den Fall. Der Kinderschutzbund bemängelte, es gebe keine einheitlichen Standards für die Betreuung gefährdeter Familien.
Laut Anklage wurden die Mutter und ihre Kinder betreut. Es gelang aber laut Anklage, dem Jugendamt Verletzungen als unverfänglich vorzugaukeln. Die beiden Geschwister von Zoe kamen nach dem Tod ihrer Schwester in staatliche Obhut. Ob das Jugendamt Fehler gemacht habe, sei nicht Gegenstand dieses Verfahrens, sagte Gerichtssprecher Kaehne.
In der Parlamentsdebatte war mehr Geld und Personal für den Kinderschutz gefordert worden. Ein CDU-Abgeordneter hatte moniert, das Kind sei „quasi unter den Augen des Jugendamtes“ gestorben. Nach damaligen Angaben von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) war unklar, ob es Fehler im System gegeben hatte.
dpa/mim



