Tod nach Misshandlung

Eltern von Zweijähriger wegen Mord und Totschlag angeklagt

Die kleine Zoe aus Berlin-Weißensee starb im Januar 2012 an einer Bauchfellentzündung nach einem Darmriss. Ihr Tod hatte Fassungslosigkeit ausgelöst. Denn die Familie wurde vom Jugendamt betreut.

Foto: Steffen Pletl

Mehr als anderthalb Jahre nach dem Tod der misshandelten, kleinen Zoe aus Berlin-Weißensee sind jetzt die Mutter und ihr Lebensgefährte angeklagt. Dem 25-Jährigen werde Mord vorgeworfen, der Frau (27) Totschlag durch Unterlassen, sagte der Sprecher des Berliner Landgerichts, Tobias Kaehne, am Montag.

Die Zweijährige starb Ende Januar 2012 an einer Bauchfellentzündung nach einem Darmriss. Dieser wurde laut Staatsanwaltschaft durch äußere Gewalt verursacht. Die Frau soll nichts gegen die Misshandlungen des Mannes unternommen haben. Wie es heißt, hätte das Kind gerettet werden können. Es sei aber nicht rechtzeitig zum Arzt gebracht worden. Es habe mehrere Tage mit höllischen Schmerzen im Bett gelegen, bevor es starb.

Das kleine Mädchen war tot in der Wohnung der Eltern an der Indira-Gandhi-Straße gefunden worden. Es hatte sich aufgrund der Entzündung am Darm übergeben und war an seinem Erbrochenen erstickt. Die Mutter Melanie S. und ihr Lebensgefährte Matthieu K. hätten sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung aufgehalten. Anfangs ermittelte die Staatsanwaltschaft nur gegen die Mutter wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung mit Todesfolge und des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht.

„Quasi unter den Augen des Jugendamtes gestorben“

Der Fall hatte nicht nur wegen der Umstände des Todes für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch weil die Familie unter Aufsicht des Jugendamtes stand.

Das zuständige Jugendamt Pankow hatte nach dem Tod des Mädchens versichert, dass es zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf eine Gefährdung des Kindes gegeben habe. Die Familie wurde pro Woche zehn Stunden im Auftrag des Jugendamts betreut. „Im Normalfall sind es sechs Stunden in der Woche“, sagte Christine Keil (Linke), Jugendstadträtin in Pankow, nur wenige Tage nach dem Tod des Mädchens. Mitarbeiter eines freien Trägers seien nahezu täglich bei der Familie.

Auch das Abgeordnetenhaus hatte über den Fall debattiert. Gefordert wurden mehr Geld und Personal für den Kinderschutz. Ein CDU-Abgeordneter hatte moniert, das Kind sei „quasi unter den Augen des Jugendamtes“ gestorben. Nach damaligen Angaben von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) war unklar, ob Hinweise auf Misshandlungen übersehen wurden oder ob es Fehler im System gegeben habe.

Geschwister der kleine Zoe waren nach dem Tod ihrer Schwester in staatliche Obhut gekommen.

Bevor es zu einer Hauptverhandlung kommt, muss das Landgericht die Anklage zunächst zulassen. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

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