Fachkräftemangel

Hunderte Pädagogen fehlen an Berliner Schulen und Kitas

Mehr als 2000 Lehrer und Erzieher werden in Berlin benötigt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres prüft, kürzere Ausbildungszeiten einzuführen. Doch der Personalmangel ist keine Überraschung.

Foto: Reto Klar

Die Kitas und Schulen in Berlin stehen vor einem gewaltigen Personalproblem: Den Bildungseinrichtungen fehlen Hunderte Pädagogen. Wie die Berliner Morgenpost von der Senatsbildungsverwaltung erfuhr, werden für die Kitas rund 1000 Erzieher benötigt. Die Schulen müssen bis zum Sommer noch mindestens 1200 Lehrer finden. Doch in beiden Bereichen fehlen Fachkräfte und Bewerber.

„Wir drehen an jeder nur möglichen Stellschraube, um Lehrerstellen zu besetzen“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Berlin bemühe sich etwa, Lehrer aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern nach Berlin zu holen, dort gebe es mehr Pädagogen als Stellen. Außerdem werde verstärkt nach geeigneten Quereinsteigern gesucht. Selbst an unkonventionelle Wege denkt der Senat: Zur Debatte steht auch eine Verkürzung der Ausbildungszeit, damit angehende Pädagogen schneller von der Universität an die Schule wechseln können.

Wie aus der Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus hervorgeht, stellt die Senatsbildungsverwaltung Lehrkräften in Ausbildung jetzt auch frei, sich für das konventionelle Referendariat oder für den berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst zu entscheiden. Letzterer garantiert den künftigen Pädagogen das volle Entgelt für Tarifbeschäftigte. Sie müssen dann allerdings auch deutlich mehr Stunden pro Woche eigenverantwortlich unterrichten.

Kita-Rechtsanspruch: Fachkräftemangel war absehbar

Viele Kitas arbeiten derzeit mit Überstunden und der Aufstockung von Teilzeitverträgen, um die vorgeschriebenen Gruppengrößen aufrechtzuerhalten. Außerdem sollen verstärkt Arbeitslose oder Quereinsteiger für den Beruf des Erziehers gewonnen werden. Die Senatsverwaltungen für Bildung und für Arbeit haben deshalb eine Beratungsoffensive gestartet.

Der Fachkräftemangel im Bildungsbereich ist kein überraschendes Problem, sondern hausgemacht. 2013 wurden 7000 neue Kitaplätze geschaffen. Weitere 4200 sollen folgen. Durch den Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr seit August 2013 steigt die Quote der betreuten Kinder unter drei Jahren rapide an. Und die Bevölkerung in Berlin wächst schneller, als es alle Szenarien vorhergesehen haben. Allein in den vergangenen zwei Jahren sind laut Statistischem Landesamt rund 100.000 Neuberliner hinzugekommen.

Auch der Lehrermangel war laut Experten absehbar. Ferdinand Horbat, Vize-Vorsitzender des Philologenverbandes Berlin und Brandenburg, verlangt deshalb vom Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die Personalfrage an Schulen und Kitas „endlich zur Chefsache“ zu machen. Horbat warnt seit Jahren davor, dass eine riesige Pensionierungswelle auf die Schulen zukommt. Er geht sogar davon aus, dass zum neuen Schuljahr etwa 2500 Lehrer eingestellt werden müssen. „Berlin muss zur Verbeamtung der Lehrer zurückkehren.“ Im bundesweiten Wettstreit um die besten Pädagogen würden die Stadt sonst das Nachsehen haben.

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