Zwei Bauprojekte, ein Mauerdurchbruch für die Zufahrt an der East Side Gallery – so sieht der Kompromiss aus, der jetzt für die Neubauten an der Mauer gefunden wurde. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat den Bau eines 120 Meter langen Wohn- und Hotelneubaus genehmigt, der in direkter Nachbarschaft zum Luxuswohnturm Living Levels von Investor Maik Uwe Hinkel entsteht.

Das Hotel eines israelischen Investors darf höher werden als ursprünglich geplant. Statt sieben Etagen wird das Gebäude jetzt neun Etagen haben. Im Gegenzug sollen er und der Bauherr des Wohnturms sich eine gemeinsame Zufahrt auf seinem Grundstück teilen. Hinkel muss den Mauerdurchbruch auf seiner Baustelle dann schließen.

Runder Tisch verhandelt

„Wir haben den Weg aufgezeigt und genehmigt“, sagt Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Jetzt liege es in den Händen von anderen, diesen Weg zu gehen. Wie der Kompromiss umgesetzt wird, muss jetzt am runden Tisch ausverhandelt werden, den der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ins Leben gerufen hat und an dem die Senatskanzlei und die beiden Investoren sitzen. Das Gremium wurde aufgrund der Proteste vor einem Jahr ins Leben gerufen, als ein riesiges Loch in der berühmten Mauer-Galerie klaffte, um eine Zufahrt zur Baustelle zu schaffen.

Noch sind viele Fragen offen. Das ist die Einschätzung von Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Sein Amt hatte ursprünglich den Antrag auf einen höheren Bau als Entschädigung für die Umplanung abgelehnt, weil er den Rahmen des Bebauungsplans sprengen würde. „Der Erfolg des Kompromisses ist dünn“, sagt Panhoff. Er sehe bereits Brandschutzprobleme bei Hinkels Luxuswohnturm. Der Investor müsse, wenn er auf seine Durchfahrt verzichtet, die Erschließung und den Brandschutz neu planen und genehmigen lassen.

Kulturveranstalter lehnen Kompromiss ab

Großes Unverständnis ruft der Kompromiss bei der Club Commission hervor, einem Zusammenschluss von Berliner Kulturveranstaltern. Anstatt einen ordentlichen Dialog öffentlich zu führen, würde es in Hinterzimmern undurchsichtige Absprachen geben, sagt Sprecher Lutz Leichsenring.

Schließlich gehe es nicht um eine Industriebrache am Rande der Stadt, sondern um einen historischen Ort, an dem Menschen gestorben sind. „Wir lehnen den zweiten Bau komplett ab“, sagt Leichsenring. Neben den beiden Neubauten werde das Mauer-Mahnmal zu einem Gartenzaun verkommen.