Lautstark lässt ein Bauarbeiter die Metallkralle seines Baggers in die Hauswände krachen. Dabei reißt er mit jedem Mal ein Stück Mauer aus dem ehemaligen Geschäfts- und Wohnhaus. Ein Kollege hält mit einem Wasserschlauch die Staubwolken im Zaum. In wenigen Stunden wird der Flachbau an der Neuköllnischen Allee Geschichte sein. Dahinter liegen die S-Bahngleise. In einer Unterführung und auf einem benachbarten Platz stehen reihenweise Lkw bereit. Sie warten darauf, mit Bauschutt und Erdaushub beladen zu werden. Platz schaffen für den Autobahnbau.
Aus der Vogelperspektive kann man erkennen, wo die Verlängerung der Bundesautobahn (BAB) A100 entlangführen wird. Dort hat schweres Baugerät bereits sichtbare Spuren hinterlassen. Der viel und heftig diskutierte Neubau vom Autobahndreieck Neukölln zur Anschlussstelle Am Treptower Park. Rund um die Grenzallee zwischen Sonnenallee und den Zu- und Abfahrten der BAB A100 und A113 laufen die Bauvorbereitungen auf Hochtouren.
Vor allen Kreuzungen stehen Schilder, die die Umleitungen ankündigen und auch die Strecken erklären. Zusätzliche Ampeln wurden eingerichtet, Rad- und Fußwege angelegt, Buslinien umgeleitet oder gar eingestellt. Am vergangenen Montag wurde mit diesen vorbereitenden Maßnahmen begonnen, ab dem kommenden Montag müssen sich alle Verkehrsteilnehmer an der Grenzallee und den umliegenden Straßen für voraussichtlich dreieinhalb Jahre auf Verkehrsbeeinträchtigungen und Stau einstellen.
Zwei Umleitungsstrecken um den Bauabschnitt eingerichtet
Am 24. Februar wird die Grenzallee zwischen Bergiusstraße und Neuköllnische Allee voraussichtlich bis zum Sommer 2017 gesperrt. Für den 16. Bauabschnitt der Autobahn sei diese Änderung der Verkehrsführung erforderlich, heißt es bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, denn der zukünftige Trassenverlauf der A100 werde die Grenzallee kreuzen. Für den Bau eines ersten Teilabschnitts, des sogenannten Loses 1 des neuen Bundesautobahnstücks, müsse die Grenzallee voll gesperrt werden. Bis zum Jahr 2022 soll der gesamt 16. Bauabschnitt, aufgeteilt in zusammen sieben Lose, fertiggestellt sein.
Auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens an diesem Knotenpunkt stehen ab Montag zwei Umleitungsstrecken zur Verfügung. Diese werden sowohl für den innerstädtischen Verkehr als auch für die Zu- und Abfahrten zur BAB A100 und A113 eingerichtet. Die Umleitungsstrecke U1 führt über die Bergiusstraße, Haberstraße zur Neuköllnischen Allee zurück auf die Grenzallee. Die Streckenalternative U2 verläuft von der Neuköllnischen Allee über die Lahnstraße, Naumburger Straße zur Grenzallee.
Diese Umfahrungsvariante sei aufgrund einer Traglastbegrenzung auf einer Brücke im Straßenverlauf der Lahnstraße auf 18 Tonnen begrenzt, heißt es. Dementsprechend ist die U2 für Lkw zum Teil gesperrt. Die Verbindung per Geh- und Radweg ist ebenfalls über beide Umleitungsstrecken sichergestellt. Die zuständige Senatsverwaltung empfiehlt Radfahrern die Umleitungsstrecke U2 beziehungsweise die vorhandenen Radwege von der Neuköllnischen Allee über die Lahnstraße, Naumburger Straße auf die Grenzallee.
Vollsperrung der Grenzallee: Fünf Buslinien betroffen
„Die Erreichbarkeit der Industriegebiete im unmittelbaren Umfeld und deren Anbindung an das Autobahndreieck Neukölln ist gewährleistet“, sagt eine Sprecherin der Senatsverwaltung. „Auch die BVG hat bereits die Linienführung der Busse angepasst.“ Wegen der Vollsperrung der Grenzallee zwischen der Bergiusstraße und Neuköllnischen Allee wurden folgende Buslinien geändert beziehungsweise neu eingerichtet: Bus 246, 277, 341, 370 und 377. Nähere Infos gibt es unter www.bvg.de.
Bei diesem ersten der insgesamt sieben Lose wird mit dem Bau des 385 Meter langen Tunnels Grenzallee begonnen. „Für den Bau des Tunnels muss die angrenzende Straßenbrücke der Grenzallee über die Trasse der Industriebahn vollständig abgebrochen werden“, sagt Arne Huhn, Fachbereichsleiter Ingenieurbauwerke bei der Senatsverwaltung.
„Sie wird nach der Errichtung der Tunnelkonstruktion dann erneuert.“ Der Tunnel wird in einer offenen Baugrube errichtet. Nach der Fertigstellung werden drei Fahrspuren je Richtung zur Verfügung stehen. Nahe der geplanten Zu- und Abfahrten Sonnenallee werde es insgesamt vier Fahrspuren je Richtung geben.
Wochenend-Sperrungen der S45, S46 und der S47
Vor dem Bau von ein- und zweigleisigen Brücken für den Fern- und S-Bahnverkehr über dem Autobahnteilstück müssen vorerst Hilfsbrücken errichtet werden. Diese dienen der Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs während der eigentlichen Brückenarbeiten.
Dafür werden ab dem 9. Mai nach Aussage der Senatsverwaltung an sieben aufeinanderfolgenden Wochenenden S-Bahnlinien gesperrt. Davon betroffen sein werden die S45, S46 und die S47 nach Spindlersfeld. Im Rahmen weiterer Bauabschnitte wird es in den kommenden Jahren auch zu temporären Sperrungen der Ringbahn (S41 und S42) kommen.
Der 16. Bauabschnitt der Autobahn verlängert die A100 in nördlicher Richtung vom Autobahndreieck Neukölln über die Halbanschlussstelle Grenzallee bis zu Anschlussstelle Treptower Park. Die 3,2 Kilometer lange Trasse gilt mit 473 Millionen Euro schon jetzt als teuerste Autobahn Deutschlands. Kritiker des Projekts befürchten, dass am Ende die Kosten noch höher liegen.





