Berliner Autobahn

So sieht der Fahrplan für den Weiterbau der A100 aus

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Isabell Jürgens

Foto: Arbeitsgemeinschaft SRB-Stadtring Berlin / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

Nach langem heftigen Streit beginnen die Bauarbeiten für die Verlängerung der Berliner A100 bis nach Treptow. Mit geschätzten 473 Millionen Euro wird die Trasse Deutschlands teuerste Autobahn.

Während Gegner der umstrittenen Verlängerung der Berliner Stadtautobahn A100 noch hofften, dass die Bagger nach dem symbolischen ersten Spatenstich am Mittwoch an der Bergiusstraße Ecke Grenzallee in Neukölln gleich wieder abziehen würden, sollen laut Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) die Bauarbeiten bereits am heutigen Freitag richtig losgehen.

Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum teuersten Infrastrukturprojekt in der Bundeshauptstadt nach dem Bau des neuen Großflughafens BER.

Wie hoch sind die Gesamtkosten?

Der exakt 3170 Meter lange sogenannte 16. Bauabschnitt der A100, der vom Dreieck Neukölln bis zum Treptower Park führt, soll laut Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) 473 Millionen Euro kosten. „Es ist nicht ganz billig, was wir hier bauen, genau genommen sogar der teuerste Autobahnabschnitt, den wir in Deutschland jemals gebaut haben“, sagte Ramsauer anlässlich des Spatenstichs am Mittwoch. Kritiker des Projekts befürchten jedoch, dass die Baukosten am Ende auf deutlich mehr als eine halbe Milliarde Euro steigen werden.

Steht das Geld zur Verfügung?

Der Bund hat für das Vorhaben 80 Millionen Euro aus dem sogenannten Infrastrukturbeschleunigungsprogramm II bewilligt. 30 Millionen Euro fließen bereits in diesem Jahr, weitere 50 Millionen sind für das Jahr 2014 in den Haushalt eingestellt. „Der Bund hat den Neubau immer unterstützt und im vergangenen Jahr die Weichen für einen schnellen Baubeginn gestellt“, betonte Bundesverkehrsminister Ramsauer. Mit dem 16. Bauabschnitt der A100 setze der Bund einen besonderen Schwerpunkt für die Hauptstadt Berlin.

Die Gegner der Autobahn-Verlängerung hoffen darauf, dass der Weiterbau schon in Kürze aufgrund von Geldmangel wieder zum Erliegen kommt. „Warten wir doch auch die Wahlen im Herbst und die nächste Bundesregierung ab“, sagte etwa die Verkehrsexpertin der Linken, Jutta Matuschek. Bei Kosten von 150.000 Euro pro Meter Autobahn würden die bisher bewilligten Mittel nicht weit reichen. „Ein Spatenstich allein schafft noch keine Autobahn“, hofft auch der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Andere große Infrastrukturprojekte wie der Flughafen BER und der Bahnhof Stuttgart 21 hätten gezeigt, dass „das kalkulierte Geld ohnehin nicht ausreicht“, so der Bundestagsabgeordnete.

Verkehrssenator Müller zeigte sich dagegen optimistisch, dass „der Bund auch weiterhin ein verlässlicher Partner bleibt, egal, welche Parteien die Bundesregierung stellen“. Schließlich sei die Bedeutung des A100-Weiterbaus für Berlin durch zahlreiche Gutachten belegt. Das Großprojekt werde der Stadt nicht nur verkehrlich guttun, sondern auch viele Arbeitsplätze schaffen.

Wie sieht der Terminplan aus?

Bis Juni soll die bestehende Autobahn-Anschlussstelle Grenzallee umgebaut werden. Dabei wird die Zufahrt aus der Grenzallee auf eine Spur eingeschränkt, die Ausfahrt von der A113 von derzeit drei auf zwei Spuren reduziert. Dann sei nur noch ein Rechtsabbiegen in die Grenzallee möglich, mit Rückstaus sei zu rechnen, so die Senatsbauverwaltung. Zeitgleich soll der Abriss brachliegender Industrie- und Gewerbegebäude (wie etwa des einstigen Möbelhauses Hütter) erfolgen. Bis August wird die zuvor neu asphaltierte Bergiusstraße an die umgebaute Anschlussstelle angebunden. Auch eine neue Ampelanlage entsteht. Nach Abschluss der Arbeiten mündet die Bergiusstraße direkt in die Grenzallee und die Anschlussstelle für die A100/A113 endet an der Bergiusstraße. Kurzfristig will der Senat die Aufträge für die nachfolgenden Bauabschnitte vergeben. Im Herbst dieses Jahres soll dann mit dem Bau des Tunnels Grenzallee begonnen werden, durch den die A100 aus Lärmschutzgründen geführt wird. Der Tunnel wird 385 Meter lang und 31 Meter breit werden, er bietet Platz für sechs Fahrspuren sowie Standstreifen und Notgehwege auf beiden Seiten. Die Fahrbahn soll einen lärmmindernden Belag erhalten. Der Bau der beiden neuen Kreuzungsbauwerke mit der Fern- und der S-Bahn sowie des Abschnitts bis zur künftigen Anschlussstelle Sonnenallee soll dann 2014 beginnen.

Besteht überall schon Baufreiheit?

Nein. Zwar wurden bereits mehr als 300 Kleingärten geräumt und rund 600 Bäume gefällt. Statt wie zunächst geplant vier werden jetzt an der Treptower Beermannstraße aber noch zwei Wohnhäuser mit rund 100 Wohnungen abgerissen. Zudem müssen mehrere Betriebe für den Bau der Autobahn umgesiedelt werden. Einige der Gewerbetreibenden versuchen dies auf dem Gerichtsweg noch zu verhindern.

Wann ist der Abschnitt fertig?

Die 3,2 Kilometer lange Autobahn bis zur Straße Am Treptower Park soll zum Jahreswechsel 2021/2022 fertig sein. Trotz erster Vorbereitungen, etwa des Tunnels unter dem Bahnhof Ostkreuz, ist bislang völlig offen, wann die A100 wie geplant bis Frankfurter Allee verlängert werden kann. Weil der 17. Bauabschnitt durch stark besiedelte Wohngebiete führt, gilt dessen Realisierung als politisch kaum durchsetzbar.

Die Nachrichten zur Verlängerung der A100

( Mitarbeit: fü )