Nahverkehr

„Bike & Ride“ - Neue Stellplätze für Fahrräder am Südkreuz

Geld für neue „Park&Ride“-Plätze hat der Senat nicht mehr. Gefördert werden aber noch Anlagen, an denen Fahrradfahrer umsteigen können. Am Südkreuz entstehen Stellplätze für 118.000 Euro.

Foto: DAVIDS/Brunner

Eigentlich sei der Bau von Fahrradabstellanlagen eine kommunale Aufgabe, sagt S-Bahn-Geschäftsführer Peter Buchner. Doch: „Fahrrad und S-Bahn – das ist einfach eine gute Kombination“, sagt Buchner. Daher bietet die Bahn-Tochter inzwischen mehr als 10.000 überdachte Abstellplätze für Fahrräder an inzwischen 91 Standorten an.

Am Montag nahm Buchner gemeinsam mit Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) und der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), am Fern- und S-Bahnhof Südkreuz die nächste große Anlage in Betrieb. Am Ballonfahrerweg, auf der Tempelhofer Seite des Bahnhofs, können nun 182 Fahrer ihre Räder an Stahlbügeln in einer überdachten und beleuchteten Anlage abstellen. Insgesamt stehen an beiden Seiten des Bahnhofs nunmehr rund 400 Abstellplätze zur Verfügung.

Während der Bezirk das Grundstück dafür kostenlos zur Verfügung stellte, finanzierte der Senat den Bau der immerhin 118.000 Euro teuren Anlage. Die S-Bahn Berlin GmbH ist künftig für die Wartung und den Betrieb der Anlage verantwortlich. Laut Verkehrssenator Müller gibt es einen deutlichen Trend in der Stadt, dass immer mehr Berliner ihre Wege nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad zurücklegen.

Fahrrad-Mitnahme im Zug nicht gern gesehen

Daher sei es wichtig, ein einfaches und flexibles Umsteigen zwischen den Verkehrsarten möglich zu machen. Zu seinen Plänen gehört auch der Bau von Fahrrad-Parkhäusern mit mehr als 500 Abstellplätzen, wie es sie etwa in Amsterdam oder in Münster gibt. Geeignet dafür seien Standorte in der Nähe des Hauptbahnhofs oder am Bahnhof Ostkreuz, wo es besonders viele Umsteiger gibt. „Das Problem dabei ist, einen geeigneten privatwirtschaftlichen Betreiber dafür zu finden“, so Müller.

Der Senat fördert den Bau sogenannter „Bike&Ride“-Anlagen mit 400.000 Euro im Jahr. Das Geld geht dabei je zur Hälfte an die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn. Von 1999 bis 2013 seien mit diesem Geld insgesamt 7000 Abstellplätze für Räder gebaut worden. Auch die Verkehrsunternehmen selbst haben durchaus Interesse an geeigneten Abstellmöglichkeiten. Nicht nur, weil Räder von ihren Besitzern an allen möglichen Orten – gern auch direkt störend an den Zugängen zu den Bahnsteigen – befestigt werden.

„Die gute Erreichbarkeit von S-Bahnhöfen mit dem Rad vergrößert den Einzugsbereich einer Station um das Fünffache“, sagte Peter Buchner. Unterm Strich gewinnt das Verkehrsunternehmen dadurch zusätzliche Fahrgäste. Allerdings: Die Mitnahme des Fahrrads im Zug wird nicht so gern gesehen. Blockiert doch ein Fahrgast mit Rad bis zu drei Sitzplätze im Wagen. Gerade im Berufsverkehr, wenn die Züge häufig überfüllt sind, sorgt dies eher für Konflikte. Die S-Bahn will daher auch künftig den Bau von Fahrrad-Abstellanlagen „mit Kräften unterstützen“.

„Bei wertvollen Flächen gibt es immer Interessenskonflikte“

Die BVG, bei der es ebenfalls rund 10.000 Rad-Abstellplätze an U-Bahnhöfen, Straßenbahnen und einigen Express-Bushaltestellen gibt, hat seit 2007 rund 1100 Bügel neu aufgestellt und 32 Überdachungen geschaffen. Der Senat fördert diesen Neubau mit 75 Prozent der Kosten.

Verkehrssenator Müller betonte, dass der Bau von Fahrrad-Abstellanalgen nicht auf Kosten der Autofahrer gehe. Wie berichtet, wird vom Senat der Bau neuer Park&Ride-Anlagen bereits seit Jahren nicht mehr gefördert. Das hänge nicht allein mit dem dafür nicht eingeplanten Geld zusammen, so Müller. „Bei wertvollen Flächen in unmittelbarer Bahnhofsnähe gibt es immer Interessenskonflikte“, so Müller.

Solche Flächen seien auch als Standorte für den Wohnungsbau oder für Versorgungseinrichtungen gefragt. Müller kündigte an, gemeinsam mit der Brandenburger Landesregierung über neue P+R-Plätze zu beraten. Die Anlagen werden größtenteils von Pendlern aus dem brandenburgischen Umland genutzt, die in Berlin ihre Arbeit haben.