Nach einer brutalen Prügelattacke auf einen dunkelhäutigen Mann am Berliner Alexanderplatz hat einer der beiden mutmaßlichen Schläger den Vorwurf des Mordversuchs bestritten. „Ich wollte ihn auf keinen Fall schwer verletzen“, erklärte der 23-Jährige am Freitag vor dem Berliner Landgericht. Er sei auch kein Rassist. Der zweite Angeklagte verweigerte die Aussage. Die Anwälte der aus Polen stammenden Männer sagten, Alkohol habe eine große Rolle gespielt.

Das 48-jährige Opfer saß friedlich auf einer Parkbank am Neptunbrunnen, als es am 9. Juli 2013 plötzlich zum Angriff kam. Der jüngere Angeklagte habe den Mann mit portugiesischem Pass rassistisch beschimpft und ihn niedergeschlagen, so die Staatsanwaltschaft. Beide Angeklagten hätten dann den am Boden Liegenden gegen Kopf und Oberkörper getreten. Der 48-Jährige, der in Berlin lebt und die mutmaßlichen Täter nicht kannte, wurde lebensbedrohlich verletzt. Er erlitt unter anderem eine kleine Hirnblutung.

Angeklagte sollen Obdachlosen mit Hakenkreuz beschmiert haben

Im Falle des 24-Jährigen benennt die Anklage als Motiv „Abneigung gegen Personen mit dunkler Hautfarbe sowie pure Lust an Gewalt“. Die beiden Männer hätten nur von ihrem Opfer abgelassen, weil Passanten hinzukamen und beherzt eingriffen. Bereits fünf Wochen vor der Prügelattacke sollen die Angeklagten an einem Bahnhof einen obdachlosen Mann mit Essensresten bespuckt und ihm ein Hakenkreuz ins Gesicht geschmiert haben.

Der jüngere Angeklagte bestritt den Vorfall am Bahnhof. Zur Attacke am Alexanderplatz erklärte er über seine Anwältin, er habe den Mann um eine Zigarette gebeten. Als dieser mit einer Bemerkung ablehnte, habe er sich beleidigt gefühlt. „Nach einem Wortwechsel gab es eine Schubserei, die leider zur Schlägerei wurde“, so der Angeklagte. Nach seiner Version bekam er einen Schlag aufs Auge und wurde „richtig wütend“. Der Prozess wird am 21. Februar fortgesetzt.

dpa/ap