Schon heute ist die Suche nach einem Parkplatz im Schöneberger Winterfeldtkiez schwierig. Ein legaler Stellplatz gleicht einem Glückstreffer. Diese Situation könnte sich noch verschlimmern. 50 Parkplätze in der Maaßenstraße nahe dem Nollendorfplatz sollen wegfallen, die Senatsverwaltung und der Bezirk wollen die Straße möglichst noch in diesem Jahr zu einer Begegnungszone umbauen.
Anwohner fürchten, dann noch nicht einmal mehr ihre Einkäufe aus dem Auto vor dem Wohnhaus ausladen zu können. Bewohner der Nebenstraßen sorgen sich, dass auch bei ihnen alles zugeparkt wird. Als eine von drei möglichen Varianten hatten die Planer deshalb kürzlich in einer Bürgerversammlung die Einführung einer neuen Parkzone vorgeschlagen.
Die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) will, dass das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Auswirkungen einer Parkraumbewirtschaftungszone für das Gebiet bis zur Potsdamer Straße prüft. Westlich könnte sie bis zur Martin-Luther-Straße reichen und damit an die bereits mit Parkuhren ausgestatteten Gebiete anschließen. Vor der Einführung soll der Bezirk prüfen, was diese kosten würde.
Wegfall von Parkplätzen: Chaos droht
„Wir sehen die Gefahr, dass der Wegfall der 50 Plätze in der Maaßenstraße zu einem völligen Chaos im Gebiet führen könnte. Deshalb muss schnell geprüft werden: Was kostet eine neue Parkzone, kann sich der Bezirk diese Investition überhaupt leisten, wäre sie profitabel. Wichtig ist aber auch, bei den Bürgern zu erfragen, wie hoch die Akzeptanz wäre“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Ralf Olschewski. Die CDU stehe den Parkautomaten neutral gegenüber. „Wir können uns aber auch vorstellen, dass zumindest einige Plätze erhalten werden“, so Olschewski.
Das kann sich auch die Initiative „Lärmfreie Nolle“ vorstellen. „Als Anwohner der Maaßenstraße würde ich die Parkraumbewirtschaftung begrüßen, es wäre eine Variante, um Dauerparker aus dem Gebiet zu verdrängen, sie ist allerdings noch nicht ausdiskutiert“, sagt Hubert Pelz. Der Vorsitzende der Initiative, der seit 1960 an der Maaßenstraße wohnt, setzt sich seit drei Jahren für Verbesserungen in seinem Kiez ein.
Gegründet wurde der Verein, um etwas gegen ausufernde Gastronomie, nächtliche Lärmbelästigungen und die Problematik mit Rockerclubs zu unternehmen. Auch Pelz plädiert dafür, die Parkplätze in der Maaßenstraße nicht komplett abzuschaffen. „Fast alle Häuser dort haben keinerlei Parkmöglichkeiten. Aber die Leute müssen vor dem Haus be- und entladen dürfen“, fordert Pelz. Das Halten in der zweiten Reihe, wie es die Planer der Begegnungszone sowohl für die Privatparker als auch für den geschäftlichen Lieferverkehr vorschlugen, sei nicht praktikabel.
Anwohner sollen an Entscheidung beteiligt werden
Auch für die von der Initiative gezählten 40 bis 60 täglichen Kühl- und Lieferfahrzeuge müsse deshalb dringend ein Konzept mit einer Lieferzone erarbeitet werden. „Es kann nicht so weitergehen, dass sie mit laufendem Motor in der zweiten Spur vor den Geschäften stehen“, kritisiert Pelz. In der Begegnungszone wird es nur noch zwei Fahrspuren geben, die sich zudem Radfahrer und Autos teilen sollen.
Oliver Schworck (SPD), dem als Stadtrat das Ordnungsamt untersteht, will das Thema in der BVV diskutieren. Wenn sich die Parkzone rechnet, sei er grundsätzlich offen, sie einzuführen. Zunächst müsse aber geprüft werden, ob sie für 50 wegfallende Parkplätze angemessen ist. „Außerdem sollten wir die Anwohner an der Entscheidung beteiligen“, sagt er. Die Position der Planer, dass eine Begegnungszone nur dann Sinn macht, wenn dort keine Parkplätze sind, teilt Schworck nicht uneingeschränkt: „Es scheint dafür eine Mehrheit zu geben, die Vorteile ohne Autos sollen überwiegen. Ich bin da allerdings im Zweifel, ob es so sein muss.“
Das Regionalmanagement City-West, das mit den Geschäftsleuten und Unternehmen über das Thema gesprochen hatte, weiß, dass der Anlieferverkehr möglichst nah erfolgen sollte. „Zugunsten der neu entstehenden Qualitäten beim Aufenthalt in der Begegnungszone sind die Unternehmer aber bereit, auf die nahe gelegenen Parkplätze zu verzichten“, sagte Regionalmanagement-Leiter Dirk Spender.
„Unechte Einbahnstraßen“
Die Grünen befürworten Parkraumbewirtschaftung, wollen sich dazu in der Fraktion aber noch beraten. „Vor allem wegen der Folgewirkungen müssen solche Entscheidungen gut durchdacht sein“, sagt Fraktionschef Jörn Oltmann.
Damit es rund um den Winterfeldtmarkt weniger Autoverkehr gibt und der Durchfahrtsverkehr unterbunden wird, hat sich das Bezirksamt für „unechte Einbahnstraßen“ entschieden. Von der Martin-Luther-Straße soll so das Einfahren in die Motz- und Winterfeldtstraße verhindert werden. „Unecht“ bedeutet, dass Autofahrer, die sich in der Straße befinden, in beide Richtungen fahren dürfen. Noch steht allerdings die Zustimmung der Verkehrslenkung Berlin aus.
Im Winterfeldtkiez herrscht hoher Parkdruck, weil das Viertel dicht bebaut und wegen seiner vielen kleinen Geschäfte sowie seiner Kneipen und Restaurants auch bei Berlinern aus anderen Stadtteilen beliebt ist. Zudem gibt es in Kiezen, die an Parkzonen angrenzen, immer das Problem, dass Autofahrer versuchen, dorthin auszuweichen, um gratis zu parken. Das gilt insbesondere für Menschen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren.



