Rathaus Schöneberg

Zum hundertsten Jubiläum gibt es eine Gedenkmünze

Das Rathaus Schöneberg wird 100 Jahre alt. Dort wurde Geschichte geschrieben. Für große Feiern fehlt dem Bezirk aber das Geld. Einen Festakt mit geladenen Gästen soll es am 11. April geben.

Foto: Reto Klar

Es ist ein Haus mit großer Geschichte: Das Rathaus Schöneberg feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Das Gebäude war für illustre Gästen wie John F. Kennedy, Königin Elizabeth II. oder den Schah von Persien eine imposante Kulisse – die Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter, Willy Brandt oder Richard von Weizsäcker lenkten von hier aus die Geschicke der geteilten Stadt. Während der deutschen Spaltung galt das Gebäude als weltweites Symbol für den Freiheitswillen der Stadt und bildete bis zur Wiedervereinigung das politische Zentrum West-Berlins: Von 1949 bis 1993 tagte dort das Berliner Abgeordnetenhaus, von 1949 bis 1991 war es Sitz des Regierenden Bürgermeisters.

Open-Air-Konzert geplant

100 Jahre – das muss eigentlich gefeiert werden. Doch die Kassen des Bezirks geben wenig her, zudem erschwerten drohende Umbaumaßnahmen die Planung der Festlichkeiten. In diesem Jahr beschränken sich die Feierlichkeiten zum Rathausgeburtstag auf drei Veranstaltungen im Frühjahr. Am 4. April wird eine Fotoausstellung eröffnet, die auf dem Bildband „Verschlusssache – Geheimnisvolle Orte im Rathaus Schöneberg“ basiert. Laut Michael Zöppel-Brochwitz, Referent von Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), werden Fotos zu sehen sein, die „nicht die üblichen Aufnahmen aus dem Rathaus zeigen, sondern einen besonderen Blick hinter die Kulissen freigeben“. Einen Festakt mit geladenen Gästen soll es am 11.April im Willy-Brandt-Saal geben. Der Abschluss der 100-Jahr-Feiern wird ein Open-Air-Konzert vor dem Rathaus sein, über das genaue Programm hüllen sich die Veranstalter noch in Schweigen.

Neben diesen Veranstaltungen plant das Bezirksamt einige ortsunabhängige Aktionen zum Rathausjubiläum. Zwar wurde der Antrag auf eine Sonderbriefmarke vom Bundesfinanzministerium abgelehnt, dafür ziert jedoch ein eigens entworfenes Logo im Jubiläumsjahr alle Briefköpfe der Bezirksverwaltung. Zur Geschichte des Rathausgebäudes wird zudem demnächst ein Buch veröffentlicht, und in etwa einem Monat soll eine Gedenkmünze aufgelegt werden. Eine Seite dieser Münze wird das Bildnis des Rathauses zieren, die andere Seite prägt das Wappen des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. „Die Münze wird jedoch nicht frei verkauft werden, sondern nur als offizielles Präsent verwendet werden“, sagt Zöppel-Brochwitz.

Der erste Bundespräsident begann hier seine Laufbahn

Im vergangenen Jahr fanden bereits zwei Veranstaltungen zum Jubiläum statt. Die Ausstellung „100 Jahre Rathaus Schöneberg: Hochzeit, Schwarzmarkt und Randale – Hundertjährige erzählen“ konnte man vom 2. November bis 15. Dezember 2013 im Foyer des Rathauses erleben. Am 21. November wurde dem 50. Todestag von Theodor Heuss gedacht. Im gleichnamigen Saal des Rathauses wurde der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland mit einer Feier geehrt. Heuss begann seine politische Laufbahn als Stadt- und Bezirksverordneter in Schöneberg.

Das Haus ist aber auch durch seine Bauweise ein Wahrzeichen. Charakteristisch für die Architektur des Rathauses ist der heute 70 Meter hohe Turm, in dem die 1950 nach dem Vorbild der „Liberty Bell“ in Philadelphia errichtete Freiheitsglocke untergebracht ist. Sie war auf Initiative von Lucius D. Clay, dem ehemaligen amerikanischen Militärgouverneur in Deutschland, zuvor durch 26 US-Staaten gereist, wobei etwa 16Millionen Amerikaner für den Guss der Glocke gespendet und den Freiheitsschwur unterzeichnet hatten, der noch heute im Rathausturm deponiert ist.

Angesprochen auf die geplanten Umbaumaßnahmen im und vor dem Rathaus, die größere Feierlichkeiten verhindert haben sollen, sagt Baustadtrat Daniel Krüger (CDU): „2014 wird wahrscheinlich wenig passieren.“ Man habe mit den Baumaßnahmen noch nicht begonnen, da man noch in der Diskussion mit den Denkmalschutzbehörden sei. „Die Verzögerungen waren so nicht vorhersehbar, wir haben uns das schneller vorgestellt und sind heute natürlich klüger“, sagt Krüger.

Bis September keine größeren Bauarbeiten

Durch die Verschiebung des Baubeginns seien bis September keine größeren Bauarbeiten geplant, so Krüger. Dabei gibt es einiges zu sanieren, etwa beim Brandschutz. In der Brandenburghalle muss die Brandschutztechnik erneuert werden, dazu sollen Sprinkleranlagen installiert werden. Zudem müssen sogenannte Brandabschnitte eingerichtet werden. Bisher mussten Brandwachen eingesetzt werden, um im Falle eines Feuers zu verhindern, dass der Brand auf andere Bereiche des Gebäudes überschlägt.

„Im dritten und vierten Stock gibt es nur einen Rettungsweg, zwei sind jedoch nötig“, sagt Krüger. Die Gestaltung des John-F.-Kennedy-Platzes vor dem Rathaus sei noch völlig offen, etwa was die Einrahmung der Bäume oder die Frage nach einer Reduzierung der Parkplätze angeht. „Klar ist nur, dass es Verschönerungen braucht, da der optische Eindruck nicht mehr der Beste ist“, sagt Baustadtrat Krüger.

Dieser Vorplatz spielt eine wichtige Rolle in der bewegten Vergangenheit des Schöneberger Rathauses. Besonders in den 1950er- und 60er-Jahren wurde dort Geschichte geschrieben. Etwa am 26. Juni 1963, als US-Präsident John F. Kennedy wenige Monate vor seiner Ermordung jene Rede hielt, die mit den legendären Worten schloss: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf sagen zu können: Ich bin ein Berliner.“

Letzte große Versammlung nach dem Mauerfall

Das Entsetzen der Berliner Bevölkerung nach seiner Ermordung spiegelte sich auch vor dem Rathaus wider, kurz darauf wurde der Vorplatz in Gedenken in „John-F.-Kennedy-Platz“ umbenannt.

Nur vier Jahre später sorgte ein weiterer Staatsbesuch im Rathaus für weniger positive Schlagzeilen. Anhänger und Gegner des Schahs von Persien lieferten sich vor dem Gebäude eine heftige Auseinandersetzung während des Besuchs des iranischen Kaiserpaars. Die letzte große Versammlung der Berliner fand mit rund 20.000 Menschen am 10. November 1989 statt, dem Tag nach dem Mauerfall.