Der Gasgeruch war den Arbeitern bei Tiefbauarbeiten aufgefallen. Mit einem Bagger hatten sie eine Grube in der Georgenstraße in Mitte ausgehoben, als es plötzlich stark nach Gas roch. Die Männer alarmierten sofort die Polizei. Erste Vermutungen, die Bauarbeiten selbst hätten eine Gasleitung zerstört und in der Folge eine stundenlange Sperrung des Bahnverkehrs in Mitte verursacht, bestätigten sich jedoch nicht. Das Gasleck lag noch unter der Baugrube – eine defekte Muffe, die zwei Rohre miteinander verbinden sollte. So schilderte Carsten Döring, Sprecher der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB), am Montag den Zwischenfall in Mitte.
Zwischen 14 und 16 Uhr war der gesamte Regional-, Fern- und S-Bahnverkehr zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Alexanderplatz zum Erliegen gekommen. Als Vorsichtsmaßnahme hatte die Polizei nicht nur die an die Baugrube angrenzenden Gebäude evakuiert und die Georgenstraße selbst gesperrt, sondern wegen der möglichen Explosionsgefahr auch die parallel zu der Straße verlaufende Stadtbahn.
Die Gaskonzentration in der Luft hatte bei Entdecken des Lecks einen Wert von zwei Prozent erreicht. Bei etwa vier Prozent besteht akute Explosionsgefahr. Erst als Messungen der NBB an der Bahntrasse selbst keine erhöhte Konzentration feststellen konnten, wurde der Bahnverkehr wieder freigegeben. Es kam jedoch in der Folge weiter zu Verspätungen.
Auch Tram betroffen
In den vergangenen Wochen gab es bereits zwei Mal Sperrungen und Evakuierungen wegen Gaslecks in Berlin, vergangene Woche war ein Wohnviertel in Westend betroffen, kurz zuvor mussten in der Nacht Dutzende Kreuzberger über Stunden ihre Wohnung verlassen, bis eine defekte Leitung repariert war.
Die Sperrung der Georgenstraße sollte andauern, bis die Reparaturarbeiten an der Gasleitung abgeschlossen sind. Von der Straßensperrung betroffen waren auch die Tramlinien M1 und 12, die unmittelbar durch die Georgenstraße verlaufen. Außerdem hatten laut einem Polizeisprecher sechs Personen am Nachmittag die Gebäude verlassen müssen, die direkt an die Baugrube angrenzen.
Explosion in Weißensee
Bereits am Montagmorgen hatte es nach der Havarie einer Gasleitung und einer folgenden Explosion in Weißensee einen Feuerwehreinsatz gegeben. Bei Reparaturarbeiten an einer unterirdischen Wasserleitung hatte eine Baggerschaufel die Leitung in der Pistoriusstraße beschädigt. In der Folge kam es im Keller eines benachbarten Hauses zu einer Detonation, bei der zwei Männer schwer verletzt wurden. Die 47 und 36 Jahre alten Bauarbeiter erlitten Verbrennungen an Gesicht und Händen und wurden mit einen Helikopter und einem Rettungswagen ins Unfallkrankenhaus Marzahn eingeliefert, wo sie operiert wurden.
„Durch die beschädigte Gasleitung hatte sich in dem Heizungskeller ein entzündliches Gas-Luft-Gemisch gebildet, das gegen 9 Uhr detoniert ist“, sagte Feuerwehrsprecher Björn Radünz. In der Folge entstand vor dem Gebäude ein Brand, der schnell gelöscht werden konnte. Das betroffene Haus, in dem sich eine Einrichtung für Jugendliche befindet, blieb bis auf einen vier Meter hohen Schornstein weitgehend unbeschädigt. Aufgrund von Rissen und loser Ziegel wurde die Bauaufsicht informiert, damit ein Statiker eine mögliche Einsturzgefahr des schief stehenden Schornsteins untersuchen kann. Die Feuerwehr sperrte deshalb vorsorglich zwei Innenhöfe in der Pistoriusstraße.




