Ein Brief der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sorgt bei Jahreskarten-Inhabern derzeit für Aufregung. Mit der Post hatten etwa 12.000 Abonnenten nicht nur einen neuen Fahrausweis erhalten, sondern auch die Aufforderung, das alte Ticket umgehend an die BVG zurückzusenden – bis spätestens 7. Februar 2014. Das ist der morgige Freitag. Anderenfalls würden zehn Euro als Ersatz vom Konto des Kunden abgebucht.
Ein so kurzfristiger Termin sei kaum zu halten, klagen nun Betroffene. Zudem seien viele BVG-Kunden wegen der Winterferien gerade verreist und daher gar nicht in der Stadt. Für Unverständnis sorgt zudem, dass der Grund für den außerplanmäßigen Kartentausch ein Fehler auf Seiten der BVG ist.
Die Verkehrsbetriebe hatten im November 2013 fast 15.000 elektronische Tickets versandt, die falsch programmiert waren. Statt einer Gültigkeitsdauer mit Monat und Jahr zeigten die Lesegeräte, mit denen die Kontrolleure die Fahrausweise im Scheckkartenformat überprüfen, 00.0000 an. Wegen der ungültigen Angabe drohte die Anschuldigung, ein „Schwarzfahrer“ zu sein. Die BVG räumte damals den Herstellungsfehler bei einer Liefercharge sofort ein und kündigte einen raschen, kostenlosen Umtausch der defekten Tickets an.
Gefahr möglichen Missbrauchs
Ganz so reibungslos geht der angekündigte Umtausch nun allerdings nicht vonstatten. Laut BVG-Sprecher Markus Falkner habe es bei der Zustellung der neuen Karten Probleme mit einem Post-Dienstleister gegeben. Daher seien die Briefe teilweise erst Anfang Februar bei den betroffenen Kunden eingetroffen.
Die Rückforderung der alten, ungültigen Tickets begründete der BVG-Sprecher mit der Gefahr eines möglichen Missbrauchs. Immerhin kostet ein Jahres-Abo für den Tarifbereich AB (Stadtgebiet Berlin) regulär ab 690 Euro, für den Tarifbereich ABC (Berlin und Umland) sogar mindestens 914 Euro.
In der Vergangenheit hatte die BVG immer wieder Probleme damit, dass angeblich verloren gegangene Monatskarten, die dem Kunden ersetzt wurden, offenbar illegal weiterverkauft wurden.
Hinsichtlich des Rücksendetermins will das Unternehmen kulant sein. Auch wenn die Karte nicht an diesem Freitag in der BVG-Zentrale eintrifft, würden die zehn Euro nicht gleich abgebucht, versicherte der BVG-Sprecher. Wie viel Zeit genau den Abonnenten noch bleibt, wollte er aber nicht sagen.
Die „VBB-FahrCard“ – eine Plastikkarte mit einem Chip – soll nicht nur bei der BVG, sondern auch bei der Berliner S-Bahn und mehreren Brandenburger Busbetrieben schrittweise die alten Monatskartenabschnitte aus Papier ersetzen. Sie wird seit Anfang 2013 von den Unternehmen ausgegeben, mit denen der Fahrgast einen Vertrag abgeschlossen. Laut BVG haben inzwischen bereits 190.000 Abonnenten das elektronische Ticket. Nicht zuletzt durch eine Werbeaktion, die am 31. Dezember zu Ende ging, hat die BVG derzeit so viele Stammkunden wie noch nie: Rund 373.000 Fahrgäste haben ein Ticket-Abo, das sind 28.000 mehr als noch vor einem Jahr (plus 8,1 Prozent). Auch das zweite große Nahverkehrsunternehmen der Stadt, die Berliner S-Bahn, konnte auf einen neuen Rekord verweisen. Die Bahn-Tochter hat aktuell 195.000 Stammkunden in ihrer Datei.




